BAUPROJEKT: Aus für das Kinderhotel in Unterägeri

Im Zentrum der Überbauung am Baumgärtli sollte eigentlich ein Kinderhotel mit Pflegebereich stehen. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde dieser Plan nun aber fallen gelassen. Stattdessen soll es zusätzliche Wohnungen geben.
Christopher Gilb
Die Baustelle der Überbauung am Baumgärtli in Unterägeri. Ein Kinderhotel ist hier nicht mehr geplant. (Bild: Stefan Kaiser (Unterägeri, 9. Mai 2018))

Die Baustelle der Überbauung am Baumgärtli in Unterägeri. Ein Kinderhotel ist hier nicht mehr geplant. (Bild: Stefan Kaiser (Unterägeri, 9. Mai 2018))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Die Idee wirkte so genial wie simpel: Aus dem ehemaligen Kurhaus Annahof in Unterägeri sollte ein Kinderhotel für Familien pflegebedürftiger Kinder werden. Pflege, Kur, Erholung: Was Unterägeri über Jahrzehnte prägte, sollte auch in Zukunft weitergeführt werden. «Wir freuen uns ausserordentlich», sagte 2017 der Gemeindepräsident von Unterägeri Josef Ribary zum geplanten Projekt. Das entsprechende Baugesuch kam dann auch ohne Einsprachen durch und im letzten November erfolgte der Spatenstich.

Doch jetzt brodelt die Gerüchteküche im Dorf. Kommt das Kinderhotel Babalou nun wirklich oder nicht? Das fragen sich die Leute. Die Antwort lautet: Es kommt nicht. «Wir wurden von der Bonainvest AG informiert, dass es eine Projektänderung geben wird. An der wird gerade gearbeitet», sagt Hugo Berchtold aus Steinhausen, Präsident der Stiftung St. Anna auf Nachfrage.

Zu wenig Rendite

Die Bonainvest mit Sitz in Solothurn übernahm Anfang 2015 nicht nur das Projekt, sondern gleich die ganze Liegenschaft. Die Stiftung St. Anna erhielt ein Mitspracherecht und ein Vorkaufsrecht. Beide Institutionen sind mit 50 Prozent an der Betreibergesellschaft für das Hotelprojekt beteiligt. Berchtold wird konkreter: «Ein Kinderhotel wie geplant, wird es nicht geben.» Es sei aber von Beginn vom Investor vorgesehen gewesen und auch immer so betont worden, dass man bezüglich Kinderhotel genau prüfen müsse, ob sich dieses wirtschaftlich trage. «Anscheinend werde es das nicht.» Man sei aber auch an dem Standort an keinen Leistungsauftrag gebunden. «Das Kinderhotel wäre zwar auf Eltern von Kindern mit Behinderungen oder schweren Krankheiten ausgerichtet gewesen aber ohne Leistungsauftrag.» Wie es einen solchen etwa bei einer Reha-Klinik gebe, so Berchtold.

Doch was soll nun statt des Kinderhotels gebaut werden? «Es war schon immer geplant einen Anteil Mietwohnungen zu realisieren, in diese Richtung wird es nun noch mehr gehen», so Berchtold. Das bestätigt Bonainvest Chef Ivo Bracher: «Wir prüfen derzeit Alternativen zum Kinderhotel. Die Tendenz geht in Richtung betreutes Wohnen nach unserem Bonacasa Konzept.» Am Konzept des Hauses als Gesundheitshaus werde sich nichts ändern – ob mit Kinderhotel oder betreuten Wohnungen. Die Bonainvest habe die Verpflichtung für ihre Aktionäre die Pensionskassen eine faire, ausbezahlte Rendite von drei Prozent zu erwirtschaften. «In der Umsetzungsplanung hat sich zu unserem grossen Bedauern gezeigt, dass dies mit dem Kinderhotel extrem schwierig, wenn nicht unmöglich geworden wäre», so Ivo Bracher.

Gemeinde weiss Bescheid

In einem Leserbrief wird die Vermutung geäussert, dass die Bonainvest auch plane, statt Mietwohnungen nun Eigentumswohnungen zu bauen. Dem widerspricht Bracher: «Bonainvest entwickelt im Auftrage der beteiligten Pensionskassen sinnvolle nachhaltige Anlagen. Das bedeutet für das Projekt in Unterägeri betreute Mietwohnungen nach dem Bonacasa Konzept.»

Auch Gemeindepräsident Josef Ribary wurde informiert: «Die Körperschaften hatten diese Woche eine Sitzung, es gibt da Faktoren, die angeschaut werden müssen.» Das derzeit bewilligte Projekt sehe noch ein Kinderhotel vor. Zu Änderungen könne es immer kommen, das müsse man dann anschauen», so Ribary.

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