Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

BAUVORHABEN: Ein bisschen Zürich in Rotkreuz

In der Chäsimatt sollen ein viel grösserer Landi-Laden und bis zu 200 Wohnungen entstehen. Das Projekt orientiert sich an einem bekannten Vorbild.
Raphael Biermayr
So soll der autofreie Chäsiplatz dereinst aussehen. Im Hintergrund ist das heutige Chäsihaus, das einen multifunktionalen Überbau erhält. Links ist das vom Hotel Bahnhof geführte Bistro, rechts einer der zwei neuen Wohn- und Gewerbekomplexe. (Bild: Visualisierung PD)

So soll der autofreie Chäsiplatz dereinst aussehen. Im Hintergrund ist das heutige Chäsihaus, das einen multifunktionalen Überbau erhält. Links ist das vom Hotel Bahnhof geführte Bistro, rechts einer der zwei neuen Wohn- und Gewerbekomplexe. (Bild: Visualisierung PD)

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

In Rotkreuz steht ein Bauvorhaben bevor. Diese Nachricht ist wegen ihrer Häufigkeit nicht sonderlich interessant. Um Aufmerksamkeit zu erregen, bedarf es der Ausgefallenheit. Diese wird nicht nur in der Suurstoffi erreicht: Die IG Chäsimatt hat ein besonderes Projekt vorgestellt. Auf dem Areal, wo sich heute die Landi befindet, und auf der daneben liegenden Wiese entstehen zwei ähnliche Wohn- und Gewerbesiedlungen mit einem dem Verkehr abgewandten Innenhof. Architekturinteressierte haben die Grundzüge schon mal gesehen: in Zürich. Das 2014 eröffnete Kalkbreite-Quartier im Stadtteil Wiedikon gilt mit Gemeinschaftsbüros, einer Réception, einer genossenschaftlichen Organisation der Mieterschaft und vielem mehr in der Schweiz als Vorzeigeprojekt für eine neue Art von Siedlungen.

Ähnliches soll also in Rotkreuz entstehen, einer wachsenden Stadt zwar, aber doch nicht ganz so strahlkräftig wie Zürich. Kurt Müller spricht explizit von einem «Stadtquartier», das zwischen Chamer-, Post- und Binzmühlestrasse geplant ist. Er macht im Vorhaben das Potenzial aus, den in Rotkreuz nicht mehr eindeutig auszumachenden Ortskern auf die Nordseite der Bahngleise zu bringen und damit das Chäsimatt-Quartier dereinst mit Leben zu füllen. «Dank des Aparthotels, der Pöstli-Bar, des Kebab-Ladens und der Bäckerei Hug sind heute schon viele Leute in dieser Gegend unterwegs», zeigt der Verwaltungsrat der Rotkreuzhof Immobilien AG (Riag), die bei diesem Projekt die Federführung innehat, auf.

Autofreier zentraler Platz

Dank einer Besonderheit auf der neuen Chäsimatt sollen es noch mehr Passanten werden: Der Platz, auf dem sich heute die Zufahrt zur Agrola-Tankstelle befindet, ist autofrei gehalten und soll durch das angrenzende Hotel Bauernhof gastronomisch versorgt werden. «Ohne einen solchen Platz lässt sich ein Mikroquartier nicht beleben», ist Müller überzeugt. Dazu soll auch Kleingewerbe beitragen – und beispielsweise die Möglichkeit für Jungunternehmer, gemeinsame Räumlichkeiten für Start-ups und dergleichen zu nutzen.

Um «einen guten Mix» in der neuen Chäsimatt zu erreichen, plane die Riag flexible Mieten für Geschäftsräume, abhängig von den wirtschaftlichen Vor­aussetzungen der Mieter, sagt Müller. Der Anteil an Familien werde gering ausfallen, da die Wohnungen eher klein gehalten seien, führt Müller aus.

Hauptnutzer sowie Projektpartner ist die Landi. Ihr neuer Laden soll 2000 Quadratmeter einnehmen – heute sind es deren 600 im Gebäude der ehemaligen Käserei. Jenes erhält einen An- und Überbau mit multifunktionaler Nutzung, der die Frage provoziert, warum man das Chäsihaus nicht dem Erdboden gleichmacht, wie das mit anderen Häusern in der Gemeinde geschieht, die nicht in einem Inventar der Denkmalpflege erscheinen. «Ein älteres Gebäude wie das Chäsihaus gibt einem neuen Projekt einen besonderen Charme. Es ist die Aufgabe der Architekten, dass dieser trotz des Überbaus zur Geltung kommt», sagt Kurt Müller, der von seinem Büro aus auf die Chäsimatt sieht.

Die heutige Benzin- und Dieseltankstelle auf dem Areal wird weichen, künftig soll man Strom tanken können. Ausserdem ist ein Top-Shop vorgesehen, der – wie für Tankstellen­läden üblich – längere Öffnungszeiten haben wird.

«Vielleicht wächst Rotkreuz etwas gar schnell»

Die dringlichen Ausbaupläne der Landi, die ihren Laden in Baar Ende Juni schliessen wird, seien gemäss Kurt Müller der Grund, warum bald auch auf dieser Seite des Bahnhofs stark gebaut wird. «Vielleicht wächst Rotkreuz etwas gar schnell», hat Müller erkannt, «wir von der Riag hätten auch noch ein paar Jahre gewartet mit Bauen.» Erwähnte Erfordernisse der Landi, aber auch das «sehr überzeugende Projekt» hätten den Prozess letztlich beschleunigt. Deshalb sei die Bauherrschaft auch vom ursprünglichen Plan abgerückt, die Chäsimatt in mehreren Etappen zu überbauen.

Geht alles glatt aus Sicht der Riag, beginnen die Arbeit im Herbst 2019, Müller veranschlagt die Bauzeit aus heutiger Sicht auf zweieinhalb Jahre. Zunächst hat aber die Stimmbevölkerung das Sagen: Es befindet an der Gemeindeversammlung im Frühjahr 2018 über den Bebauungsplan, der für dieses Gebiet notwendig ist.

Im Bebauungsplan wird ein grosser Unterschied zum Zürcher Vorbild auszumachen sein – im Kalkbreite-Quartier gibt es nämlich keine Parkplätze. Die Mieter dürfen auch kein Auto haben, da diese Siedlung auf ökologische Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Das ist offenbar etwas gar verwegen für die Kleinstadt Rotkreuz: In der Chäsimatt ist neben Einstellplätzen für die Landi-Kunden eine Tiefgarage für die Mieter vorgesehen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.