BEACHVOLLEYBALL: Nina Betschart: «Wir können grosse Teams ärgern»

Nach drei Siegen in der Gruppenphase stehen Tanja Hüberli und Nina Betschart an der WM in den Sechzehntelfinals. Damit sei das Minimalziel noch nicht erreicht, sagt die Zugerin Nina Betschart.

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Tanja Hüberli (links) und Nina Betschart können an der WM in Wien auf Familie und Fans zählen. (Bild: Andreas Eisenring (Wien, 31. Juli 2017))

Tanja Hüberli (links) und Nina Betschart können an der WM in Wien auf Familie und Fans zählen. (Bild: Andreas Eisenring (Wien, 31. Juli 2017))

Interview: Peter Gerber Plech, Wien

sport@luzernerzeitung.ch

Nina Betschart, der Start in die WM ist mit drei Siegen geglückt. Wie fällt Ihr Fazit nach den Pool-Spielen aus?

Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert und uns so richtig ins Turnier reingespielt. In den ersten zwei Partien hat vieles noch nicht nach Wunsch funktioniert. Da war noch eine gewisse Verunsicherung da, und wir waren auch ziemlich nervös. Am Montag, gegen die Kanadierinnen, haben wir uns gesteigert. Es ist cool, mit drei Siegen und als Gruppen-Erste in die Single-Elimination starten zu können.

Während des zweiten Spiels gegen die Argentinierinnen haben Sie einen nervösen Eindruck hinterlassen. Was unternehmen Sie, damit das nicht wieder passiert?

In der Spielanalyse mit den Trainern und dem Mentaltrainer ist auch Platz, um solche Themen zu besprechen. Die Coaches haben mir dann auch gut zugeredet und mir Mut gemacht. Ich denke aber, dass sich die Nervosität so oder so von Spiel zu Spiel legt und diesbezüglich die ersten Spiele immer die schwierigsten sind.

Hat die Nervosität damit zu tun, dass Sie erstmals an einer WM der Elite antreten, oder beschleicht Sie ein solches Gefühl auch bei andern Turnieren?

Eine WM findet nur alle zwei Jahre statt und ist natürlich ein absolutes Highlight für uns Beachvolleyballerinnen. Im Vorfeld hatte ich zwar nicht das Gefühl, dass das WM-Turnier jetzt etwas völlig anderes ist als die Anlässe der World Tour. Als ich dann aber zum ersten Mal auf der Donauinsel war und gesehen habe, wie viele Zuschauer schon für die ersten Gruppenspiele da waren, hat die Nervosität eingesetzt. Hinzu kam die Ausgangslage. Auf dem Papier waren wir für die ersten zwei Gruppenspiele das stärker eingestufte Team und haben die Spiele eigentlich gewinnen müssen. Ein Auftakt gegen ein gleich starkes oder stärkeres Team hätte es, was die Nervosität angeht, eventuell einfacher gemacht.

Sie haben drei Mal auf den Nebenplätzen gespielt und den Center Court mit Platz für 10 000 Zuschauer nur von aussen gesehen. Ist das nun ein zusätzlicher Ansporn für Sie, endlich mal im grossen Stadion spielen zu können?

Hier auf den Side-Courts zu spielen, ist super. Es hat viele Zuschauer, viele Schweizer Fans sind hier, und alle sitzen ganz nahe am Spielfeld. Die Stimmung ist grossartig, und das WM-Gefühl kommt auch auf den Nebenplätzen auf. Sicher wäre es ein Mega-Erlebnis, mal auf dem Center Court spielen zu können.

Das WM-Turnier dauert länger als ein gewöhnlicher Anlass auf der World Tour. Dadurch ist der Spielrhythmus ein anderer, und Sie haben mehr Lücken und spielfreie Tage. Wie füllen Sie diese Zeit aus?

Die Lücken versuchen wir mit Ball- und Krafttraining zu füllen. Im Gespräch mit den Trainern findet jede Spielerin individuell heraus, was für sie persönlich das Beste ist. Natürlich dürfen wir bei der aktuellen Hitze (am Montag betrug die Temperatur auf der Donauinsel 36 Grad, Anm. d. Red.) nicht übertreiben. Jede versucht, etwas abzuschalten und den Motor etwas runterzufahren. Meine Familie ist hier in Wien, und da gibt es zum Beispiel die Möglichkeit von gemeinsamen Nachtessen.

Wie hat Ihr spielfreier 1. August ausgesehen?

Am Vormittag hatten wir eine Trainingseinheit und danach noch einen Physio-Termin. Am Nachmittag war runterfahren, relaxen und etwas Gemütlichkeit angesagt. Dann war ja auch noch die Auslosung der Sechzehntel­finals. Damit hat dann auch die Vorbereitung auf den nächsten Tag angefangen. Es war wichtig, dass ich eine gute Mischung zwischen Abschalten und Fokus-Behalten gefunden habe.

Sie haben sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Was ist an dieser WM für Hüberli/Betschart noch möglich?

Das ist schwierig zu sagen. Wir haben grundsätzlich die Mittel, um viele Teams schlagen und grosse Teams ärgern zu können. Das ist letztlich auch unser Ziel. Aber wir dürfen uns jetzt nicht nervös machen lassen. Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen und versuchen, unser Spiel zu spielen und die Gegner mit unseren Mitteln zu schlagen.

Wenn Sie sagen, dass Sie über die Mittel verfügen: Heisst das, dass die Grenze nach oben offen ist?

Stimmt, die Mittel dazu haben wir. Aber: Wir sind als Nummer 8 gesetzt, und es gibt Teams, die schon längere Zeit und konstant auf diesem hohen Niveau spielen. Es wird schwierig sein, an einer WM solche Teams zu knacken. Aber es ist nicht unmöglich. Mit dieser Einstellung gehen wir auch auf das Feld.

Haben Sie für die WM ein Minimalziel definiert?

Ja, den Achtelfinal. Das heisst, dass wir noch eine Runde weiterkommen müssen. Mindestens.

Die Prognosen sehen für den Freitag in Wien Temperaturen von bis 39 Grad vor, und im Sand des Center Courts auf der Donauinsel dürfte es deutlich heisser sein. Ein Problem für Sie?

Nein, ich habe mit der Hitze kein Problem. Es wird aber bei hohen Temperaturen für alle Spielerinnen anstrengender werden, das ist klar. Darum ist es wichtig, dem Körper die nötige Erholung zu geben. Aber letztlich können wir das Wetter und die Temperaturen nicht beeinflussen.

Wien ist für viele Touristen ein attraktives Reiseziel. Und für Sie? Ein Wiener Schnitzel oder einen Eismarillenknödl essen – bleibt dafür nach dem WM-Turnier noch etwas Zeit?

Wir buchen bei Turnieren den Rückflug in die Schweiz meistens so, dass wir unmittelbar nach dem Turnier abreisen. Wenn das Turnier für uns vor dem Finaltag zu Ende geht, nehmen wir eine Umbuchung vor und verbringen die Freizeit daheim. Wir werden von Wien also nicht viel zu sehen bekommen. Im aktuellen Fall wäre ein Umbuchen toll, denn der Rückflug ist ursprünglich für Donnerstagabend gebucht.