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Interview

Angeschlagener Beat Villiger: «Meine Familie weiss von der Sache»

Der Zuger Sicherheitsdirektor Beat Villiger (CVP) nimmt Stellung zu den Vorfällen rund um seine Person. Das mittlerweile eingestellte Verfahren der Luzerner Staatsanwaltschaft habe sein Amt als Regierungsrat nie tangiert.
Charly Keiser und Harry Ziegler
Der Zuger Regierungsrat und Sicherheitsdirektor Beat Villiger, hier bei einer Medienkonferenz nach der Abstimmung über das Entlastungspaket in Zug. Bild: Stefan Kaiser (27. November 2016)

Der Zuger Regierungsrat und Sicherheitsdirektor Beat Villiger, hier bei einer Medienkonferenz nach der Abstimmung über das Entlastungspaket in Zug. Bild: Stefan Kaiser (27. November 2016)

Der Zuger CVP-Regierungsrat Beat Villiger (61) ist unter Beschuss. Gegen ihn ermittelte die Luzerner Staatsanwaltschaft, wie diese Woche publik wurde. Das Verfahren ist zwar eingestellt, dennoch bleiben Fragen. Villiger wurde einerseits vorgeworfen sein Auto einer Person überlassen zu haben, die nicht im Besitze eines Führerausweises war. Schwerer wiegt allerdings der Vorwurf der Urkundenfälschung im Zusammenhang mit einem Kaufvertrag für besagtes Auto. Der Druck auf den Zuger Sicherheitsdirektor, sich zu erklären, hat laufend zugenommen. Gegenüber unserer Zeitung nimmt Villiger erstmals Stellung zum Fall.

Beat Villiger, statt sich um Ihren Wahlkampf zu kümmern, müssen Sie sich aktuell verteidigen. Wie stark belastet Sie das?

Es ist belastend, plötzlich so im öffentlichen Schaufenster zu stehen und sich zu einer privaten Angelegenheit äussern zu müssen, die bereits im Februar dieses Jahres mit einer rechtskräftigen Einstellungsverfügung abgeschlossen worden ist.

Als Zuger Sicherheitsdirektor muss Ihnen doch bewusst gewesen sein, dass Sie bezüglich Erkundigungen über die Fahrfähigkeit einer Person bei der Luzerner Polizei die Beamten in eine missliche Lage bringen.

Diese Frage hat Beat Villiger nicht beantwortet, sondern sie aus dem Fragenkatalog gestrichen.

Sie mussten zudem damit rechnen, dass die Einstellungsverfügung irgendwann öffentlich wird. Was hat Sie zum Versuch bewogen, die Sache unter dem Deckel halten zu wollen?

Ich habe ehrlich gesagt nicht erwartet, dass das an die Medien gelangt. Es gibt Amtsgeheimnisse, Privatsphäre und Vertraulichkeit. Das halte ich für hohe Werte. Mit der superprovisorischen Verfügung wollte ich vermeiden, dass falsche Anschuldigungen über mich in der Öffentlichkeit kursieren. Einmal veröffentlicht, haften sie an, ganz egal, ob man schuldig ist oder nicht.

Bei der Person, die Ihren Wagen gefahren hat, soll es sich um eine Person mit familiärer Beziehung zu Ihnen handeln. Was heisst das genau?

Es ist eine Person aus meinem privaten Umfeld. Ich möchte Privates privat halten und mein Umfeld damit schützen.

Was hat es mit dem Datum des Kaufvertrags auf sich – was ist denn nun richtig: Mai oder Juni?

Der Verkauf des Autos wurde im Frühjahr 2017 mündlich vereinbart. Der schriftliche Vertrag datiert vom 15. Mai 2017. Ich habe der Staatsanwaltschaft gesagt, dass es aber der 15. Juni sein müsste, und konnte dies auch glaubhaft darlegen. Die Vertragsunterzeichnung erfolgte jedenfalls deutlich vor der polizeilichen Kontrolle.

Laut Bericht in der «Republik» vom Mittwoch sollen Sie die Luzerner Strafverfolgungsbehörden nach erfolgter Einstellung des Verfahrens gebeten haben, den Fall nochmals aufzurollen. Warum?

Nachdem mich die Medien in der Sache kontaktiert hatten, wollte ich darlegen, dass ich nichts zu verbergen hätte und auch nichts dagegen gehabt hätte, wenn man die Angelegenheit nochmals prüfen würde. Ich bot sogar an, bei der Staatsanwaltschaft nachzufragen, ob das geht. Die Staatsanwaltschaft hat sich gestern Abend zu diesem Thema und dieser Frage geäussert, und zwar dahingehend, dass bei der Untersuchung alles korrekt abgelaufen sei.

Das Verfahren gegen Sie ist rechtskräftig eingestellt. Dennoch bleiben Fragen. Beispielsweise danach, ob Sie durch dieses Verfahren in Ihrer weiteren Arbeit als Regierungsrat beeinträchtigt sind oder nicht?

Das Verfahren ist in der Tat schon länger abgeschlossen und die Sache betrifft eine Angelegenheit aus meinem Privatleben. Ich sah meine Arbeit als Regierungsrat dadurch nicht beeinträchtigt.

Was sagt Ihre Familie zu den Vorkommnissen?

Meine Familie weiss von der Sache.

Mittlerweile haben Sie am Dienstag Ihre Kollegin und Kollegen im Regierungsrat orientiert. Warum erst jetzt?

Es betrifft eine private Angelegenheit. Also hielt ich es auch nicht für notwendig, die Regierung oder die Öffentlichkeit zu informieren.

In den USA gibt es den Spruch: «The cover-up is always worse than the crime» – also «Das Vertuschen ist immer schlimmer als das Verbrechen selber». Hätten Sie nicht offensiver kommunizieren müssen?

Es ist eine private Angelegenheit. Das Verfahren wurde eingestellt. Deshalb war meiner Meinung nach eine Information auch nicht nötig.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dem Fall?

Diese Frage hat Beat Villiger nicht beantwortet, sondern sie aus dem Fragenkatalog gestrichen.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

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