Leserbrief

Befristete Steuersenkung ist kontraproduktiv

«205 Millionen Franken über Budget», Ausgabe vom 3. April

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Unsere Zuger Regierung macht vieles Gut, ja sehr gut. Nur dank strikter Kostendisziplin und vorausschauende Beurteilung der wirtschaftlichen Situation im Kanton Zug ist es möglich, ein solches Glanzresultat zu erzielen. Ein grosses Dankeschön gilt es unserem Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler auszusprechen. Herr Tännler hat innert kürzester Zeit bewiesen, dass er ein umsichtiger Finanzdirektor ist, ich erinnere an die Esaf-Abrechnung – dafür gebührt ihm unser Dank.

Mit dem Vorschlag einer generellen Steuersenkung von 4 Prozent bin ich hingegen nicht seiner Meinung. Es ist aus meiner Sicht ein «Giesskannenprinzip», die Steuern generell zu senken. Profitieren von der Senkung würden vor allem die vermögenden Firmen in Zug, die schon jetzt von einem moderaten Steuersatz profitieren dürfen. Ich schlage vor, die Steuerzahler in den unteren Einkommensklassen mit einem «Coronavirus-Bonus» zu entlasten.

Ich denke bei der Entlastung nicht an die Profisportler, die jetzt wegen der Kurzarbeit nur noch Einkommen von 118000 Franken von der ALV beziehen. Ich denke an die Leute mit den, in der Zeitung vom 3. April aufgeführten Mindestlöhnen zwischen 4000 Franken und 5000 Franken.

Für Mindestlohnbezüger würde ein Corona-Bonus eine grosse Entlastung sein. Leute mit Kurzarbeit und Lohnkürzungen von 20 Prozent sind direkt betroffen. Eine generelle Steuersenkung könnte sich schon bald als Bumerang erweisen. Steht doch in der Zukunft ein grosser finanzielle Nachholbedarf an. Ich möchte dem Zuger Regierungsrat beliebt machen, über (k)eine Steuersenkung zu diskutieren.

Hanspeter Heierli, Rotkreuz


Man darf sich zu Recht fragen, ob die vom Regierungsrat angekündigte allgemeine Steuersenkung auf 78 Prozent die beste Massnahme zur Bekämpfung der Folgen der Coronakrise ist oder ob zielgerichtetere fiskalpolitische Massnahmen nicht effektiver wären.

Zum einen ist zu bezweifeln, ob die allgemeine Steuersenkung zum volkswirtschaftlich gewünschten Nachfrageeffekt führen wird. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass ein grosser Teil der Steuererleichterungen bei den natürlichen Personen angesichts der Unsicherheit gespart wird und auch juristische Personen, solange die Folgen der Krise unabsehbar sind, mit Investitionen und anderen Ausgaben zurückhaltend sein werden.

Meines Erachtens wäre es sinnvoller, die von der Krise am stärksten betroffenen Unternehmen und freiberuflich Tätigen direkt zu unterstützen. Zu deren Hauptproblemen zählt die angespannte Liquidität. Darum wäre es wohl zielführender, diese Gruppe direkt mit Liquiditätshilfen zu unterstützen. Dies könnte in Form von Steuerrückvergütungen von bereits bezahlten Steuern oder auf den Verzicht der Erhebung von noch zu leistenden Steuern geschehen. Gegenüber der Gewährung von Krediten hätte diese Massnahme den Vorteil, dass die Schulden und die Zinslast der Unternehmen nicht zusätzlich ansteigen würden. Zudem liesse sich das primäre Ziel der Krisenbekämpfung, möglichst viele durch die Krise gefährdete Unternehmen am Leben zu erhalten und damit Arbeitsplätze und zukünftiges Steuersubstrat zu sichern, besser als mit einer Steuersenkung erreichen.

Samuel Mösli, lic. oec. HSG, Cham