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Zug: Ein Festival zeigt Kurzfilme zum Thema Behinderung

Das Filmfestival «look&roll» zeigte im Kino Seehof Kurzfilme zum Thema Behinderung und begegnete heiklen Themen ohne Berührungsängste. Ein Highlight für Menschen mit und ohne Behinderung.
Wolfgang Meyer

Wenn es um Menschen mit Behinderung geht, gibt es Themen, bei denen man lieber wegschaut. Zu intim die Lebensbereiche, zu gross die Scham über die eigene Unwissenheit, zu beängstigend die Implikationen unserer Vorurteile. «Der Film eignet sich als Medium, solche Themen anzusprechen», sagt Gerhard Protschka. «Auf der Leinwand darf man ungeniert hinschauen.»

Protschka ist Gründer und künstlerischer Leiter des Filmfestivals «look&roll», welches am Montag im Kino Seehof gastierte und weit über die Schweizer Grenze hinaus hochkarätige Kurzfilme zum Thema Behinderung zeigt. So etwa den Titel «Mon Amoureux», in dem sich die Schwester einer jungen Frau mit Lernschwäche dazu bereit erklärt, diese und ihren Freund mit auf ein Landhaus zu nehmen. In der Privatsphäre des Anwesens sollen die beiden Behinderten erkunden können, was ihnen im Heim verboten ist: Sex. Dabei kommen auch unangenehme Themen zur Sprache: Zum Beispiel Kinderwunsch bei geistig Behinderten, oder Aufklärung und Sexualhilfe in der Betreuung. Berührungsängste, denen man als Zuschauer in der Sicherheit des dunklen Kinosaals begegnen kann.

Im Kopf des Zuschauers

In der Kurzdoku «Just As I Remember» ist man zu Besuch bei zwei Familien, deren Väter an Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erkrankt sind. Das ist eine rasch voranschreitende, degenerative Erkrankung des Nervensystems, bei der Betroffene kontinuierlich Muskelsubstanz verlieren. Der Kontrast der Väter, denen die Krankheit immer mehr zusetzt, inmitten ihrer vor Lebensenergie strahlenden Kinder geht durch Mark und Bein.

«Mit look&roll wollen wir auch das stark defizitäre Bild von Menschen mit Behinderung neu besetzen», sagt Michael Ledergerber. Er ist Geschäftsleiter der Beratungsstelle Procab, Vater zweier mehrfach behinderter Kinder und mit dem Filmfestival «look&roll» auf Tour. «Menschen mit Behinderung haben enorm viele Ressourcen. Sie haben einen eigenen Willen und wissen, was sie wollen.» Es liege an der Gesellschaft, sie so zu unterstützen, dass die Nachteile ausgeglichen würden und ihre Stärken zum tragen kämen.

Behinderte mit eigenen Assistenten

Ein vielversprechendes Model sieht Ledergerber etwa in der Assistenz, eine immer weiterverbreitete Form der Betreuung, in der Menschen mit Behinderung die Arbeitgeber ihrer eigenen Assistenten sind. Sie wohnen in der eigenen Wohnung, organisieren sich Pfleger und Helfer in Eigenregie und bestimmen ihr Leben selbst. «Die Strukturen in Pflege- und Wohninstitutionen fördern die Selbstständigkeit ihrer Bewohner leider oft nicht», sagt Ledergerber.

Die Filme werden mit Audiokommentar für Blinde und Untertitel für Gehörlose gezeigt. So konnte auch Siril Laura Wallimann die Filme geniessen. Die 22-jährige Psychologiestudentin ist seit zwei Jahren blind und eng mit dem «look&roll» verbunden. Sie begrüsst die Besucher und gibt Einführungen zu den verschiedenen Streifen.

«Auch mit einer Behinderung kann man vieles erreichen. Das Wichtigste ist der eigene Wille und Kampfgeist», sagt sie fröhlich. Den Film «Der Beste Weg» fand sie sehr authentisch. Hier liest Apples Computerstimme «Steffi» die mit Sarkasmus und Humor gespickten Kommentare einer Blinden vor. Untermalt werden die Worte von schlichten typografischen Spielereien. Der vorgelesene Text flimmert über schwarzen Hintergrund. Die einzigen Bilder entstehen im Kopf des Zuschauers.

Hinweis

Infos unter:
www.lookandroll.ch
www.siril-wallimann.ch

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