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Interview

Bei einem Nein zur Übernahme des EU-Waffenrechts müsste die Politik klären

Die Diskussion über eine Übernahme des EU-Waffenrechts wird emotional geführt. Welche Auswirkungen hat der Abstimmungsausgang auf internationale Unternehmen im Kanton Zug? Eine Unternehmerin und ein Politiker geben Antworten.
Interview: Harry Ziegler
Am 12. Dezember 2018 war das Schengener Abkommen 10 Jahre in Kraft. Im Bild der Grenzübergang in Bardonnex im Kanton Genf. (Bild: Keystone/Martin Rütschi, 13. August 2008)

Am 12. Dezember 2018 war das Schengener Abkommen 10 Jahre in Kraft. Im Bild der Grenzübergang in Bardonnex im Kanton Genf. (Bild: Keystone/Martin Rütschi, 13. August 2008)

Am 19. Mai stimmt die Schweiz über die Übernahme des EU-Waffenrechts ab. Daran hängt auch die Zukunft des Schengen-Abkommens. Welche Auswirkungen ein Nein hätte, sagte Annette Luther, Geschäftsführerin von Roche Diagnostics International in Rotkreuz.

Annette Luther, wäre es für Roche Diagnostics International derart schlimm, wenn der Nachvollzug des verschärften EU-Waffenrechts in der Schweiz abgelehnt würde?

Das Schengener Abkommen ist wichtig für die Reisefreiheit und für Roche eine zentrale Voraussetzung, um unser Geschäft erfolgreich aus der Schweiz heraus zu betreiben.

Zur Person

Annette Luther (48) ist Pharmazeutin mit Promotion in biomedizinischen Wissenschaften. Sie ist seit 2014 Geschäftsführerin von Roche Diagnostics International in Rotkreuz. In der Region engagiert sich die Zugerin als Vizepräsidentin der Zuger Wirtschaftskammer (ZWK) und des Technologieforums Zug. Annette Luther ist Anfang Mai zur Wahl in den Bankrat der Zuger Kantonalbank vorgeschlagen.

Roche Diagnostics ist das Hauptquartier für Europa, den Mittleren Osten, Afrika und Lateinamerika (Emea-Latam). Sie befürchten, dass Mitarbeiter aus Drittstaaten bei einem Wegfall der Personen­freizügigkeit neben einem Schengen-Visum ein weiteres für die Schweiz benötigen. Welche Auswirkungen hätte das konkret auf die Arbeit von Roche Diagnostics International?

Neben der Vertriebsregion Emea-Latam ist der Standort Rotkreuz auch der Hauptsitz für andere globale Geschäftseinheiten mit Forschungs- und Entwicklungsabteilungen sowie für die weltweite Produktion. Dadurch üben wir innerhalb von Roche Diagnostics eine globale Drehscheibenfunktion aus mit einer grossen Wertschöpfung in der Schweiz und der Region Zug. Dies würde erschwert.

Wo gäbe es bei einem Nein Probleme für Schweizer Forschende, die beruflich reisen müssten?

Es geht hier nicht nur um Schweizer Forschende. Viele strategisch relevante Entwicklungsprojekte werden zwar zentral von Rotkreuz aus geführt, beinhalten aber zunehmend Allianzen und Zusammenarbeit mit anderen Roche-Standorten oder Partnerfirmen in EU-Ländern. Im Ganzen besteht die Gefahr, angesichts der technologisch-wissenschaftlichen Beschleunigung aufgrund der Einschränkung der Personenfreizügigkeit unnötig an Flexibilität und Agilität zu verlieren.

Können Sie ein Beispiel aus Ihrem Arbeitsfeld machen?

Nehmen wir unsere zentrale Rolle für die Region Emea-Latam als Beispiel. Diese beinhaltet, dass häufig Mitarbeitende aus den Roche-Gesellschaften dieser Regionen als Drittstaatler zu uns kommen, um für die weitere Marktentwicklung in den Heimmärkten ausgebildet oder in globale Marketing-Kampagnen eingebunden zu werden. Diese Trainings erfolgen in der Regel «On-the-Job» anhand konkreter Projekte und beinhalten häufig Besuche in europäischen Verkaufsorganisationen zum weiteren Erfahrungsgewinn. Solche Weiterbildungen wären ohne Schengen-Visum sehr umständlich.

Forschung und Entwicklung sind wichtige Gebiete für die Roche Diagnostics International. Wäre bei einer Ablehnung der Übernahme des EU-Waffenrechts die Zusammenarbeit beispielsweise mit ausländischen Universitäten oder anderen wissenschaftlichen Institutionen noch barrierefrei möglich?

Möglich ja, jedoch durch die eingeschränkte Reisefreiheit unnötig erschwert.

Böte nicht gerade die Digitalisierung bei einem Nein die Chance auch weiterhin international tätig zu sein, ohne dass Forschende aus Drittstaaten ausserhalb der EU häufig in die Schweiz reisen müssen?

Wir nutzen und fördern bereits heute Video- und Telefonkonferenzen sowie die neusten digitalen Technologien und soziale Netzwerke sehr intensiv, um unsere geschäftliche Reisetätigkeit zu reduzieren – dies auch im Sinne der Nachhaltigkeit.

Sind persönliche Treffen vor Ort für die Produktentwicklung derart nötig?

Persönliche Treffen sind gerade für die Produktentwicklung nach wie vor wichtig. Die besten Ideen entstehen immer im persönlichen Austausch.

Bei einem Ja zur Übernahme des EU-Waffenrechts und damit zur Weiterentwicklung des Schengen-Besitzstandes entstünden für Roche Diagnostics International keine oder kaum Probleme. Sie müssen sich allerdings auch auf ein Nein vorbereiten. Wie sähe da das Szenario aus?

Wir haben kein Szenario vorbereitet, sondern erwarten für diesen Fall eine zügige Klärung durch die Politik.

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