Beim ersten Corona-Heimspiel des EVZ verdient sich der Klub gute Noten – aber nicht in jedem Bereich

Unsere Zeitung hat sich beim ersten Heimspiel des EVZ unter Corona-Auflagen umgesehen und umgehört. Es zeigt sich, dass der Klub gut auf die Herausforderungen vorbereitet gewesen ist. Beim neuen Rahmenprogramm gibt es jedoch noch Luft nach oben.

Raphael Biermayr
Drucken
Teilen
Auch mit Schutzmaske lässt sich beim 2:1-Sieg des EVZ gegen Bern ein Tor beklatschen.

Auch mit Schutzmaske lässt sich beim 2:1-Sieg des EVZ gegen Bern ein Tor beklatschen.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zug, 10. Oktober 2020)

Eine Polonaise ist derzeit wohl keine gute Idee, auch nicht mit aufgesetzter Schutzmaske. Es war denn auch nicht die Aufstellung zu einem Schreittanz, die sich am Samstagabend vor dem Zuger Eishockeystadion formierte: Es handelte sich um eine Schlange von Zuschauern. Diese bildete sich 45 Minuten vor Beginn des ersten EVZ- Heimspiels unter Corona-Auflagen vor einem der vier Eingänge und zog sich schnell über den gesamten Vorplatz hin.

Die Zuschauer der Partie EVZ gegen Bern leisten der Maskentragepflicht im Stadion Folge

Die Zuschauer der Partie EVZ gegen Bern leisten der Maskentragepflicht im Stadion Folge

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zug, 10. Oktober 2020)

Dass beim Anstehen Geduld gefragt sein würde, war nach den Erfahrungen aus anderen Eishockey- und Fussballstadien keine Überraschung. Doch diese Ausmasse waren zu viel. Das sah auch der EVZ so und reagierte schnell. Zunächst fragten Mitarbeiter bei den geduldigen Fans nach, ob diese tatsächlich alle diesen Eingang nutzen mussten. Wenige Minuten später glich dort schliesslich eine weitere Person die personalisierten Tickets mit den Identitätskarten ab, und es ging zügig. Vielleicht war es auch den Umständen geschuldet, dass die Tickets gar nicht eingelesen wurden.

Mitarbeiter verzichten auf Sheriff-Allüren

Die offensichtlich unterschätzte Schlangenbildung war die einzige sichtbare organisatorische Fehlleistung an diesem Abend. Der EVZ war gut darauf vorbereitet. Schon in den schwierigen Wochen zuvor bestach er durch seine klare Kommunikation gegenüber den Saisonabonnenten. Für das Gelingen schoben Mitarbeiter Nachtschichten – und dies trotz Lohneinbussen, von denen dem Vernehmen nach manche Angestellte aus der Zeitung erfuhren. In der Bos­sard-Arena lief es am Samstag überwiegend reibungslos. Die Mitarbeiter spielten sich nicht als Sheriffs auf, sondern handelten zurückhaltend und mit Augenmass – selbst wenn manche Zuschauer die Masken nicht nur zum Essen oder Trinken, sondern auch zum Schnupfen von Tabak abnahmen.

Die Mitarbeiter auf den Tribünen agieren zurückhaltend.

Die Mitarbeiter auf den Tribünen agieren zurückhaltend.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zug, 10. Oktober 2020)

Und die Stimmung? Die war erwartungsgemäss bescheiden. Die Bossard-Arena wird selbst unter normalen Umständen dem Begriff «Hexenkessel» selten gerecht. Mit lediglich 3259 Zuschauern – 3800 sind zugelassen – und ohne Stehplätze ist sie dementsprechend sehr weit davon entfernt. Einige Tapfere stimmten zwar immer mal wieder Gesänge an, diese verebbten aber sehr schnell.

Wie viele Stehplätze werden künftig angeboten?

Es dürfte kein allzu abwegiges Gedankenspiel sein, dass es in Zug auch nach der Coronapandemie keine Gästestehplätze mehr geben könnte. Schliesslich verliert der EVZ wegen des Virus eine Menge Geld und wäre dankbar, könnte er bei den Sicherheitskosten sparen. Würden die Verantwortlichen jedoch mit dem Gedanken spielen, auch für die Zuger Fans keine Stehplätze mehr anzubieten, würden sie nach der Partie vom Samstag wohl wieder davon abrücken.

Auf der Stehrampe der Bossard-Arena sind temporär Sitzplätze eingebaut worden.

Auf der Stehrampe der Bossard-Arena sind temporär Sitzplätze eingebaut worden.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (Zug, 14. September 2020)

Verbesserungspotenzial gibt es nach der Meinung mancher Fans beim Rahmenprogramm. Das neue Intro, also die Videopräsentation zur Einstimmung der Zuschauer vor dem Matchbeginn, fällt bei vielen durch. Das war in Gesprächen auf den Rängen nicht zu überhören. Tatsächlich liess einen der Beitrag auf dem neuen, schmucken Videowürfel etwas ratlos zurück. Ein Schmied stellt darin das EVZ-Logo her, während eine Stimme einen Zuger Fansong nachspricht – jedoch fast flüsternd.

Anschliessend sieht man durchaus mitreissende Spiel- und Jubelszenen – allerdings unter Missachtung des überwiegenden Teils der Vergangenheit, weshalb nicht einmal der einzige Meistertitel 1998 vorkommt. Zudem ist die Musik harmlos, was nicht stimmungsfördernd war – zumindest nicht in beabsichtigter Weise: Ein junger Vater unter den Zuschauern erkannte seiner Bemerkung zufolge nämlich die Melodie einer Geschichte für seine Kinder, die von einem Piratenschiff handeln würde.

Seggingers Stimme ist nicht mehr zu hören

Schlecht weg kommt laut Gesprächen in der Fankurve zudem der neue Torsong. Nach Angaben des Vereins wurde dieser eigenes von einem «Sound Designer» kreiert. «Kein Ohrwurmpotenzial», lautete der Kommentar vieler sinngemäss. Er hat es aber auch schwer gegen seinen Vorgänger, gesungen von der EVZ-Reporterlegende Marco Segginger:

Dass die Zuschauer – abgesehen vom siegreichen Spiel natürlich – solche Nebenschauplätze beschäftigten und nicht die coronabedingten Einschränkungen, war ein gutes Zeichen. Es verdeutlichte, dass der EVZ diesbezüglich überzeugt hatte.