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Zuger Berufsbeistände stossen an Belastungsgrenze

Berufsbeistände im Kanton Zug sind einer hohen Arbeitsbelastung ausgesetzt. Sie plädieren für eine Reduktion der Fallzahlen.
Laura Sibold
Die Berufsbeistände Christian Siegwart und Isabelle Schmidli im Mandatszentrum Zug. (Bild: Stefan Kaiser, 8. Juli 2019)

Die Berufsbeistände Christian Siegwart und Isabelle Schmidli im Mandatszentrum Zug. (Bild: Stefan Kaiser, 8. Juli 2019)

Sie kommen zum Einsatz, wenn in den schwierigsten Lebenssituationen andere Massnahmen nicht gefruchtet haben: Berufsbeistände. Sie vermitteln bei Besuchsrechtskonflikten, helfen psychisch Kranken oder Süchtigen eine Wohnung oder einen Job zu finden, verwalten das Vermögen von Senioren und vertreten ihre Mandanten in vielen anderen delikaten Angelegenheiten. Diese an sich schon herausfordernde Arbeit wird durch die stetig hohe Arbeits­belastung noch erschwert.

Berufsbeistände im Kanton Zug sind nämlich verpflichtet, auf 100 Stellenprozente 80 Fälle zu führen. Dies geht aus dem Newsletter des Amtes für Kindes- und Erwachsenenschutz (Kes) hervor. Zum Vergleich: Durchschnittlich führen Berufsbeistände in der Schweiz 72 Fälle (siehe Box). Zuger Berufsbeiständen bleibt somit pro Fall rund eineinhalb Stunden Zeit im Monat. «Es ist nicht zu leugnen, dass wir haarscharf an die Belastungsgrenze stossen», bestätigt Beistand Christian Siegwart.

Die Fälle werden
immer komplexer

Christian Siegwart und Isabelle Schmidli sind die Teamleitenden der Berufsbeistandsteams im Mandatszentrum Zug des Kes. Unter der hohen Arbeitsbelastung würde vor allem die Beziehungspflege leiden, bedauert Schmidli. «Immer mehr sind wir quasi nur noch die Feuerwehrmänner und -frauen, welche die Situation beruhigen. Zeit, um tiefer zu gehen, und auch für alltägliche Anliegen der Mandanten da zu sein, bleibt leider kaum.» Besonders bei Fällen im Kindesschutz, die unvorhersehbar eingehen würden, seien Berufsbeistände stark absorbiert. Fälle, in denen keine akute Krisensituation vorliegt, würden dann darunter leiden. Stemmbar sei die hohe Arbeitsbelastung zurzeit nur dank der gut funktionierenden Sachbearbeitung und dem erfahrenen Team, das kaum Fluktuationen aufweist. «Es ist eine ständige Gratwanderung, die sich aber lohnt», so Schmidli.

Die Arbeit als Berufsbeistand sei anspruchsvoll, aber auch vielseitig und erfüllend. Etwa 1200 Mandate im Kindes- und Erwachsenenschutz behandeln Beistände jährlich im Kanton Zug – zwei Drittel davon wickeln die 15 Berufsbeistände im Mandatszentrum ab. Die Privatbeistände, die rund 400 Fälle pro Jahr bearbeiten, seien zwar wichtig und wertvoll, würden jedoch kaum entlasten, erklärt Siegwart. «Denn Privatbeistände erhalten hauptsächlich die eher einfachen Fälle. Komplexere Angelegenheiten wie etwa Familienstreitigkeiten oder psychische Erkrankungen bleiben bei den Berufsbeiständen.» Dass gerade bei diesen zeitintensiven, komplexen Situationen wegen der hohen Fallzahlen Zeit für die Beziehungspflege fehle, sei unbefriedigend und problematisch.

Die hohe Arbeitsbelastung der Zuger Berufsbeistände geht auf einen Regierungsratsentscheid im Jahr 2015 zurück. Dabei handelte es sich allerdings nicht um eine Sparmassnahme, sondern um eine Bestätigung des angewendeten Schlüssels. Dieser lag bei den Erwachsenenmandaten schon damals bei 80 Fällen auf ein 100-Prozent-Pensum. Die Regierung hat damals entschieden, auch bei den Kindesschutzmandaten auf 80 Fälle aufzustocken. Da die Fälle immer komplexer würden, werde die hohe Arbeitsbelastung aber auch immer mehr zum Problem, betonen Schmidli und Siegwart. Beide Berufsbeistände wünschen sich daher mehr Entlastung und plädieren für eine Reduktion der Mandate.

Der Ball liegt nun
bei der Regierung

Die hohe Arbeitsbelastung der Berufsbeistände im Kanton Zug bleibt auch von der Politik nicht unbemerkt. Als Vorsteher der Direktion des Innern behalte er die Belastung der Berufsbeistände genau im Auge, sagt Regierungsrat Andreas Hostettler. «Denn diese Fachleute leisten eine anspruchsvolle Arbeit, sie tragen viel Verantwortung und haben auch eine Sorgfaltspflicht.» Das Zivilgesetz gibt zudem vor, dass ein Beistand nur mit einem neuen Fall beauftragt werden darf, wenn er für das Mandat auch «die dafür erforderliche Zeit einsetzen kann». Es dürfe daher nicht sein, dass die verbeiständeten Personen zu kurz kommen, ist Hostettler überzeugt. Derzeit seien zwar noch keine konkreten Massnahmen geplant, die Situation werde allerdings gegenwärtig intern geprüft. Dies sei nicht ganz einfach, da die Beistände auch mit viel administrativer Arbeit zugedeckt sind, die es zwingend zu erledigen gilt. «Das A und O bei der gegenwärtig hohen Arbeitsbelastung sind die Priorisierung und die optimale Gestaltung der internen Abläufe», so der Vorsteher der Direktion des Innern. Für die optimale Gestaltung ihrer Fälle wünschen sich viele Berufsbeistände – darunter Siegwart und Schmidli – aber auch mehr Zeit für ihre Mandanten. Eine Reduktion der Mandate lässt sich allerdings nur über politische Entscheidungsträger – also über den Zuger Regierungsrat – erwirken.

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