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BENACHTEILIGUNG: Ausländische Namen: Das Problem ist kleiner geworden

Kürzlich wurde bekannt, dass Callcenter-Mitarbeitern mit ausländischem Namen die Verwendung eines Pseudonyms nahegelegt wurde. Ist man mit ausländischem Namen also immer noch benachteiligt? Das ist auch eine Frage der Generation.
Christopher Gilb
Werbeanrufe sind in der Schweiz zwar bereits seit vier Jahren verboten. Das entsprechende Gesetz ist jedoch zahnlos geblieben, denn nach seinem Inkrafttreten wanderten viele Callcenter ins Ausland ab. (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Werbeanrufe sind in der Schweiz zwar bereits seit vier Jahren verboten. Das entsprechende Gesetz ist jedoch zahnlos geblieben, denn nach seinem Inkrafttreten wanderten viele Callcenter ins Ausland ab. (Bild: KEYSTONE/GAETAN BALLY)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Kürzlich enthüllte die «Sonntagszeitung», dass Mitarbeiter eines Contactcenters mit ausländisch klingenden Namen nahegelegt wird, sich bei Kunden mit einem Schweizer Pseudonym zu melden. Ist es also hinderlich, einen ausländischen Namen zu haben? «Es gibt es immer wieder, dass Schülerinnen und Schüler glauben, dass sie eine Ausbildungsstelle aufgrund ihres ausländischen Namens nicht erhalten haben», sagt Urs Brütsch, der Leiter des Amtes für Berufsberatung des Kantons Zug. «Dies mag in einzelnen Fällen zutreffen, doch gibt es andere Gründe.» Oft würden bei Ausländern durch Unkenntnis des Schweizer Bildungssystems unrealistische Erwartungshaltungen bestehen. «Von den Kindern wird verlangt, dass sie entweder ein Gymnasium besuchen oder mindestens eine KV- oder eine Informatiklehre machen.» Wofür ihre Noten aber manchmal einfach nicht genügen würden.

SP-Kantonsrat Zari Dzaferi ist Sekundarlehrer in Baar und erlebt regelmässig Schülerinnen und Schüler in der Bewerbungsphase. «Bei der Lehrstellensuche ist der Name oft weniger ein Problem, da die Schüler zuerst im Betrieb schnuppern und der Lehrmeister somit eine Person hinter dem Namen sieht.»

Fussballspieler als Namensbotschafter

Er selbst habe wegen seines Namens wenig Mühe gehabt, so Dzaferi. «Das lag aber auch daran, dass ich früh im Verein und auch politisch engagiert war und man mich gekannt hat.» Beim FC Baar hätten ihm aber immer wieder Kollegen mit Migrationshintergrund gesagt, dass sie Schwierigkeiten bei der Berufs- oder Wohnungssuche hätten und glaubten, dass ihr Name dafür verantwortlich sei. «Es steht und fällt mit dem Austausch. Das betrifft Schweizer und Ausländer.» Erfolgreiche Fussballspieler mit Migrationshintergrund wie Xherdan Shaqiri würden zudem dazu beitragen, dass mit ihren oder ähnlichen Namen auch bei Schweizern Erfolgserlebnisse verbunden seien. «Man muss sich zeigen, das Wochenende nur im Klub des Ausländervereins zu verbringen, ist nicht ideal.»

Der Zuger SP-Kantonsrat Rupan Sivaganesan ist Präsident von «Gewählter Stimme», einem Zusammenschluss von Parlamentariern mit Migrationshintergrund. In Kooperation mit der Universität Bern führte die Gruppe 2014 eine Studie zum Thema «Diskriminierung bei der Wohnungssuche» durch. Auf 1000 Wohnungsinserate schickten sie schriftliche Besichtigungsanfragen: einmal mit Schweizer und einmal mit ausländischem Namen. In der Zentralschweiz beispielsweise, so das Ergebnis, ist die Wahrscheinlichkeit, zu einem Besichtigungstermin eingeladen zu werden, für Ausländer um 2,6 Prozent tiefer als für Schweizer.

In internationalen Firmen weniger relevant

Als er neu in der Schweiz gewesen sei, habe auch er Vorbehalte gespürt, erinnert sich Sivaganesan. «Bei der Arbeitssuche spürte ich komische Reaktionen auf meinen Namen, aber auch auf meine damalige Aufenthaltsbewilligung.» Er verweist aber darauf, dass Zug ein eher internationaler Kanton mit hohem Ausländeranteil ist: «In internationalen Firmen ist die Herkunft weniger wichtig.» Auch sei es eine gute Entwicklung, dass es hier doch mindestens ein paar Volksvertreter mit Migrationshintergrund gebe. «Ich wurde ja trotz meines Namens gewählt. Aber vielleicht auch deswegen, da er auffällt», fügt er schmunzelnd an.

Nur wenige wollen Namen ändern

Auch wenn die ausländischen Mitarbeiter von Callcentern sich teilweise Pseudonyme zulegen, lassen sie ihren regulären Namen unangetastet. «Wir hatten bisher nur einen Fall von einer Person, die ihren Namen vollständig gegen einen Schweizer Namen austauschen wollte», sagt Markus Stoll, Abteilungsleiter Zivilstands- und Bürgerrechtsdienst der Direktion des Innern des Kantons Zug. Von den rund 100 Gesuchen für eine Namensänderung pro Jahr würde nur bei ein bis zwei Fällen Diskriminierung als Grund angegeben werden. «Diese Leute müssen uns aber nachweisen, dass sie konkrete negative Erfahrungen gemacht haben oder dass der Name in eine andere Sprache übersetzt etwas Anstössiges oder Lächerliches bedeutet.»

Der Name würde in der Regel aber nicht komplett geändert, sondern einfach abgekürzt oder leicht angepasst. Auch komme es teilweise vor, so Stoll, dass ausländische Ehegatten nachträglich den Namen ihres Schweizer Partners annehmen wollen.

Auf die Frage, wieso Menschen mit ausländischem Namen trotz möglicher Benachteiligung ihren Namen nicht ändern, hat Milomir Egeric, der Ex-Präsident des jugoslawischen Vereins Zug (heute serbischer Kulturklub), eine Antwort: «Wir sind stolz auf unseren Namen.» Das heisse aber nicht, dass der Name nicht zu Problemen führe. «Einfach gesagt: Den Schweizer Pass sollte man nur nehmen, wenn man gleichzeitig seinen Namen ändert», sagt Egeric. «Denn mit Pass oder ohne wird man manchmal darauf reduziert.»

Mit billigen Ausreden abgespeist

Immer wieder käme es vor, dass Verwandte, ob bei der Wohnungs- oder der Jobsuche, mit billigen Antworten abgespeist würden. «Es heisst dann, die Wohnung wäre vergeben oder sie hätten jemand Passenderes.» Aber es liege auch an der Sprache. Bei den Jungen höre man nicht mehr, woher sie kommen, sodass sie es einfacher hätten.

Diese These bestätigt Sylvie Marinkovic, die 19-jährige Zugerin wurde bekannt, als sie vor einigen Jahren im Film «Cure – Das Leben einer Anderen» die Hauptrolle spielte. Gerade hat die Zugerin ihre Matura gemacht. «In meiner Generation ist das kein Problem mehr. Ich habe noch nie Nachteile wegen meines Nachnamens erlebt.»

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