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BERUF: Zuger Lobbyistin: «Manchmal genügt ein Gespräch»

Die Zugerin Judith Fischer verbringt jährlich sehr viel Zeit in Bern, wo sie für Anliegen von Firmen und Personen lobbyiert. Sie erklärt, wie sie dazu gekommen ist und warum sie ihre Arbeit liebt.
Charly Keiser
Judith Fischer in ihrem Büro in Inwil bei Baar. (Bild: Stefan Kaiser (27. Februar 2018))

Judith Fischer in ihrem Büro in Inwil bei Baar. (Bild: Stefan Kaiser (27. Februar 2018))

Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Die Zugerin Judith Fischer ist Lobbyistin. Die 55-jährige Juristin und Ersatzrichterin des Zuger Verwaltungsgerichts übt ihre jetzige Tätigkeit seit 2015 mit ihrer Firma Judith Fischer GmbH in Inwil bei Baar aus.

Judith Fischer, getrauen Sie sich überhaupt zu sagen, Sie seien Lobbyistin? Wird doch dieser Beruf oft sehr negativ dargestellt.

Ja klar. Ich bin Lobbyistin. Dies ist ja lediglich die abgewandelte englische Bezeichnung für Interessenvertreterin oder politische Beraterin. Das Negative kommt meist davon, wenn viel zu viele Leute die Parlamentarier zur Unzeit mit Schreiben und Mails überschwemmen und diese sich dann bedrängt fühlen.

Wie sind Sie dazu gekommen, Interessen zu vertreten?

Ich habe als Mitarbeiterin von Bundesrätin Metzler ein Sicherheitsprojekt geleitet. Da musste ich Themen der inneren Sicherheit gegenüber Medien und Politikern erklären. Diese Arbeit begann, mich immer mehr zu faszinieren. Danach war ich zehn Jahre lang Generalsekretärin der Suva in Luzern. Ich musste den Parlamentariern in Bern die Revision des Unfallversicherungsgesetzes erklären, damit diese verstanden, was für Folgen ihre Entscheidungen haben.

Waren Sie da, salopp ausgedrückt, von Amtes wegen Lobbyistin?

Zum Teil sicher, ich hatte aber noch viele andere Aufgaben. Wir mussten als bundesnaher Betrieb den Parlamentariern die gesetzlichen Grundlagen erklären. Denn diese sind das A und O der Geschäfte der Suva.

Warum haben Sie sich als Interessenvertreterin selbstständig gemacht?

Weil mich dieser Teil der Arbeit immer am meisten interessiert hat. Ganz gezielt schauen und die Situation analysieren. Schauen, was stört und wie man das ändern könnte.

Das heisst konkret?

Lobbying ist eine Art Übersetzungsarbeit. Am Anfang steht eine tiefgründige Recherchearbeit.

Haben Sie ein Beispiel?

Ja klar. Eine Firma will ein neues Verkehrsmittel in die Schweiz importieren, das noch keine Strassenzulassung hat, und engagiert mich. Ich kläre ab, wie viele Bundesämter und Departemente betroffen sind und wie viele Gesetze im Weg stehen. Oder sind es gar nur Verordnungen des Bundesrats? Je nach dem gibt es völlig verschiedene Wege und Komplexitäten. Manchmal genügt bereits ein verständnisvolles Gespräch am richtigen Ort, um das Problem zu lösen.

Und komplizierte Fälle?

Dann mache ich die angesprochene Grundlagenarbeit und Recherche, damit in etwa klar ist, wie viel Zeit und Geld es braucht oder, ob gar das Volk an die Urne muss.

Wer ist ihre Hauptkundschaft?

Hauptsächlich Unternehmen, die mit einem Anliegen bei einer öffentlichen Stelle nicht mehr weiterkommen.

Aus welchen Branchen stammen die Firmen?

Ganz unterschiedlich: Zum Beispiel aus dem Gesundheitswesen und der Industrie.

Und Politiker, die gewählt werden wollen?

Das ist jetzt besonders aktuell. So kann ich sicher jemandem helfen, der beispielsweise Nationalrat werden will. Ich kenne die Fussangeln und Probleme und kann Politiker beraten, wie sie Menschen dafür gewinnen, sie zu wählen. Und dann geht es ja bereits um die richtige Positionierung für die Wiederwahl. Auch diese muss aktiv geplant werden.

Ist eine Politkarriere planbar?

Absolut. Mann muss diese sogar planen und vorbereiten, und zwar ganz individuell und massgeschneidert.

Zurück zum Lobbyismus: Was ist das Wichtigste, um dort erfolgreich zu sein?

Ganz klar das persönliche Netzwerk. Es geht um Vertrauen und darum, dass sich die Politiker auf die Aussagen der Lobbyisten verlassen können.

Wie wichtig ist das Vorgehen?

Sehr wichtig. Es braucht den richtigen Moment, die richtige Länge und den richtigen Ansprechpartner, wenn man Erfolg haben will. Es ist die grosse Kunst, die massgebenden Leute passend anzugehen und so am meisten Wirkung zu erzielen.

Vertreten Sie alle und alles?

Nein, es muss ein ehrliches Anliegen sein und es darf keinesfalls zum Nachteil von Menschen und der Gesellschaft sein. Ich bin für gute Sachen zu haben, von denen ich auch überzeugt bin.

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