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Flüchtlinge erzielen Glanznoten: Zuger Berufsintegration wird immer erfolgreicher

Flüchtling Yusuf Rashidi hat sein Berufsattest mit der Note 5,6 abgeschlossen. Er ist nicht das einzige Beispiel geglückter Eingliederung.
Laura Sibold
Yusuf Rashidi macht weiter und beginnt in Baar bald die zweijährige Zusatzlehre zum Maurer mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis. Bild: Philipp Schmidli/PD

Yusuf Rashidi macht weiter und beginnt in Baar bald die zweijährige Zusatzlehre zum Maurer mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis. Bild: Philipp Schmidli/PD

Yusuf Rashidi hat’s gepackt: Der mittlerweile 24-jährige Afghane kam 2013 in die Schweiz, war zuerst ein halbes Jahr in der Durchgangsstation Steinhausen, um daraufhin beim Zuger Amt für Brückenangebote Deutsch zu lernen. Schliesslich absolvierte er bei der Gebrüder Hodel AG ein Praktikum, das in eine Lehre zum Baupraktiker mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) mündete. Diese schloss der Flüchtling kürzlich mit der Glanznote 5,6 ab.

Yusuf Rashidis Weg ist beispielhaft und bietet Lösungen für ein Problem, das sich immer mehr verstärkt. Den Handwerkerbetrieben gehen die Lehrlinge aus, die Nachfrage nach der Berufslehre nimmt auch in der Zentralschweiz ab. Dies bestätigt Ivan Rust, Verantwortlicher Ausbildung bei der Gebrüder Hodel AG in Baar. «Da es immer weniger Lehrlinge auf dem Markt hat, ist der Aufwand für die Rekrutierung in den letzten fünf Jahren gestiegen.» Man investiere mehr Zeit in die Suche nach geeigneten Lehrlingen – und finde diese vermehrt im Migrationsbereich.

Berufsspezifische Förderung hilft

«Yusuf Rashidi hat früh mit seinen Maurerfähigkeiten überzeugt und arbeitet selbstständiger als so mancher Schweizer Lehrling», betont Ivan Rust. Dabei geholfen hat ihm auch seine Maurererfahrung, die er während eineinhalb Jahren im Iran sammelte, um den Weg in die Schweiz zu finanzieren. Der junge Afghane, welcher nun in einer Wohngemeinschaft in Baar zu Hause ist, ist aber längst nicht der einzige Flüchtling, der seine Chance gepackt hat. Auch Rashidis Berufskollege Payman Qasemi, der bei der Landis Bau AG die EBA-Lehre absolvierte, schloss diese mit der Note 5,3 ab. Zudem sind bei der Gebrüder Hodel AG neben Rashidi noch zwei weitere Flüchtlinge angestellt. Dies sind Adam Moussa und Said Isaq Husseini, die beide die Integrationsvorlehre (Invol) absolviert und sich somit auf eine Lehre mit eidgenössisch anerkanntem Abschluss vorbereitet haben. Moussa befindet sich inzwischen im zweiten Lehrjahr als Baupraktiker EBA, Husseini beginnt im August mit der Lehre als Bauwerktrenner mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ).

Laut Ausbildner Ivan Rust hat sich die Zusammenarbeit mit dem kantonalen Amt für Brückenangebote bewährt. «Wir stehen in regelmässigem Austausch und der Kanton nimmt uns viel Last von den Schultern.» Denn im Rahmen der Invol und des Integrationsbrückenangebots werden die Migranten bei Wissenslücken berufsspezifisch gefördert, nicht nur in der Sprache, sondern auch in Fächern wie Mathematik, Informatik oder Hauswirtschaft. Diese berufsbezogene Förderung zahle sich langfristig aus, ist Rust überzeugt.

Die Invol-Erfolgsquote liegt bei 100 Prozent

Zufrieden ist man auch beim Amt für Berufsbildung. Es laufe sowohl in den Lehrbetrieben als auch im Schulunterricht gut, bestätigt Roger Augsburger, der für die Koordination der Invol zuständig ist. Die Integrationsvorlehre bietet praktische und schulische Vorbereitung auf eine berufliche Grundbildung und besteht im Kanton seit zweieinhalb Jahren. «Im aktuellen Jahr können wir eine hundertprozentige Erfolgsquote ausweisen. Jeder der 14 Invol-Absolventen hat einen Anschlussvertrag für eine EBA- oder EFZ-Ausbildung erhalten», freut sich Augsburger. Die Quote sei so hoch wie in keinem anderen Kanton. Und auch für das kommende Schuljahr sei die Nachfrage gross – die 15 verfügbaren Invol-Plätze sind auf den Schulstart im August bereits ausgebucht. Laut Augsburger gibt es über 30 Zuger Betriebe, die an einer Zusammenarbeit mit der Invol interessiert sind, «und es werden laufend mehr». Die Lehrbetriebe würden das Konzept mit praktischer Prüfung und Kursausweis über schulische und praktische Kompetenzen schätzen. Mit der Invol habe man schon über 20 Flüchtlinge erfolgreich in den Arbeitsmarkt integrieren können.

Auch Yusuf Rashidi wird bei der Gebrüder Hodel AG bleiben. Im August beginnt er die zweijährige Zusatzlehre zum Maurer EFZ. «Mir gefällt die Arbeit im Betrieb und jetzt, wo ich gut Deutsch kann, wird es einfacher», sagt er. Auch nach der EFZ-Lehre stehen ihm die Türen im Baarer Bauunternehmen offen. «Leute wie ihn, die auf dem Beruf bleiben und motiviert sind, können wir immer gut gebrauchen», betont Ivan Rust. Da nehme er auch den Mehraufwand in Kauf, um weiterhin gute Lehrlinge zu rekrutieren.

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