Besondere Gäste haben der Sitzung des Zuger Kantonsrats beigewohnt

Am Donnerstag hat es nicht nur Parlamentarier, Regierungsräte und Medienschaffende in der Dreifachturnhalle der Kantonsschule Zug, eine Gruppe Gehörlose wohnt der Sitzung ebenfalls bei.

Andrea Muff
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Ein ungewohntes Bild während der Zuger Kantonsratssitzung: Neben dem Rednerpult auf der kleinen Bühne in der Dreifachturnhalle der Kantonsschule Zug steht eine Frau, die in Gebärdensprache das Gesagte der Votanten übersetzt. Ihre Gesten werden auf einen Bildschirm übertragen. Über diesen verfolgt eine Gruppe von Gehörlosen auf der Tribüne die Debatte.

Sie freue sich sehr über den Besuch, sagt Kantonsratspräsidentin Monika Barmet (CVP/Menzingen) bei der Begrüssung zur Sitzung. «Das Engagement ist beachtlich», lobt sie. So sei sie bereits letzte Woche von den besonderen Gästen besucht worden. «Sie sind extra hierher gekommen, um mehr über die Abläufe im Kantonsrat zu erfahren.»

Kein Wort mit den Augen verpassen: Über den Bildschirm verfolgen die Gehörlosen die Debatte.

Kein Wort mit den Augen verpassen: Über den Bildschirm verfolgen die Gehörlosen die Debatte.

Bild: Andrea Muff (Zug, 27. August 2020)

Damit auf der Tribüne keine Voten verpasst werden, sind zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen am Werk. Die Gruppe ist guter Dinge und wird am Vormittag die Debatten im Kantonsrat verfolgen.

Und wenn die Voten mal weniger spannend sind, ist die Aussicht von der Tribüne ebenfalls sehenswert.

Und wenn die Voten mal weniger spannend sind, ist die Aussicht von der Tribüne ebenfalls sehenswert.

Bild: Andrea Muff (Zug, 27. August 2020)

Die Gruppe, zu der auch zwei Zuger gehörten, interessiert sich für den politischen Betrieb und organisiert sich unter dem Dach Beratung für Schwerhörige und Gehörlose Zentralschweiz. Der Zuger Kantonsrat ist das zweite Parlament, welches die Fünf besuchten. Es geht der Gruppe darum, einen Zugang zur Politik zu bekommen. «Die direkte Demokratie geht in der Schweiz bis jetzt an uns vorbei», äusserte sich Patrick Mock mit der Gebärdensprache, welche eine Dolmetscherin dann in Sprache übertrug. Er sei sehr an Politik interessiert, habe auch schon Debatten am Fernsehen verfolgt, das Sehen alleine reiche aber nicht aus. Mock erklärte weiter, dass Gehörlose zwar nicht bewusst ignoriert würden, aber diese Hörbehinderung sei nicht sichtbar: «Deshalb müssen wir auf uns aufmerksam machen.» Mock versteht darunter aber keineswegs nur die Übertragung der Debatte mit der Gebärdensprache, sondern auch die politische Mitarbeit als Kantonsrat oder in einer anderen Funktion. Nach einem halben Tag im Zuger Kantonsrat auf dem Gelände der Kantonsschule Zug hatten die fünf Gehörlosen mitbekommen, dass es heftig zu und her gegangen sei.

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