BESTATTUNGSWESEN: Das harte Geschäft mit dem Grabstein

Auf den Zuger Friedhöfen steigt der Anteil der Urnen stetig. Diesen Wandel spürt eine Berufsgruppe besonders.

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Böbbi Schiess in seinem Atelier in Cham.(Bild Dominik Hodel/Neue ZZ).

Böbbi Schiess in seinem Atelier in Cham.(Bild Dominik Hodel/Neue ZZ).

«Die Zeiten ändern sich.» Böbbi Schiess, Bildhauer aus Cham, sagt es ohne Groll. Seit Mitte der Achtzigerjahre ist er im Grabmalgeschäft, hat «Trends kommen und gehen» sehen. Er spricht von Zeitgeist, davon, dass eben jede Gesellschaft eine bestimmte Bestattungskultur pflege. Und davon, dass gewisse Faktoren heute dazu führen, dass sich die Menschen immer öfter für eine Einäscherung und die Bestattung in der Urne entscheiden als für eine Erdbestattung im Sarg und mit Grabstein.

Diese Tendenz geht aus den Statistiken der Zuger Gemeinden deutlich hervor. So lag der Anteil der Erdbestattungen im Jahr 1967 in der Stadt Zug bei 88,5 Prozent, 30 Jahre später noch bei 17,3 Prozent. Und letztes Jahr wurden 14 Prozent der Verstorbenen im Sarg beerdigt. Ähnliches zeigen die Chamer Zahlen. Vor 10 Jahren wurden dort 17 Prozent im Erdgrab beigesetzt, letztes Jahr 8 Prozent. Ebenso klar ist der Trend zum Gemeinschaftsgrab. Am Beispiel Baar: Im Jahr 1997 wurden auf den gemeindlichen Friedhöfen 14 Urnen ins Gemeinschaftsgrab gelegt, letztes Jahr waren es deren 47.

Mit der Mode mitgehen
Doch woran liegt das? Nicht nur daran, dass es im Vergleich zur Urnenbestattung im Gemeinschaftsgrab teurer ist, sich im Sarg beerdigen zu lassen. Böbbi Schiess sieht weitere Motive: «Ein Platz im Gemeinschaftsgrab oder in der Urnenwand ist für die Hinterbliebenen einfacher im Unterhalt.» In Zeiten zunehmender Mobilität durchaus ein Kriterium. Der Chamer Bildhauer spricht weiter die Platzprobleme auf den Friedhöfen an. «Beerdigen braucht halt Raum», sagt er. Als es auf den Friedhöfen enger wurde, mussten die Gemeinden nach neuen Bestattungsarten suchen. Der Chamer Bildhauer bleibt – trotz der schwieriger gewordenen Auftragslage bei den Grabsteinen – gelassen. Und passt sich dem Trend einfach an. So hat er bei der Neugestaltung des Walchwiler Gemeinschaftsgrabs beim Schriftkonzept mitgeholfen.

Sarah Kohler

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Sonntag in der Zentralschweiz am Sonntag.