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BESUCHER: Chinesische Touristen entdecken Zug

Die Zahl Reisender aus China hat in der Stadt deutlich zugenommen. Während sie bei einzelnen Geschäften für Umsatz sorgen, machen sie an anderen Orten Probleme.
Zoe Gwerder
Die Zuger Neugasse bietet viele Bildermotive für die asiatischen Touristen. (Bild: Werner Schelbert (21. Juli 2017))

Die Zuger Neugasse bietet viele Bildermotive für die asiatischen Touristen. (Bild: Werner Schelbert (21. Juli 2017))

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

«Wir müssen nun handeln, denn es ist inzwischen eine Plage.» Guido Gilar­doni spricht von den vielen Asiaten, die seit etwas mehr als einem Monat Tag für Tag ins Seebad Seeliken in Zug pilgern. Er ist Mitinhaber des Seebistros und muss derzeit täglich mehrmals eingreifen. «Unsere Gäste fühlen sich unwohl. Sie werden fotografiert und als Attraktion angeschaut. Es werden Selfies gemacht, auf denen im Hintergrund auch ungefragt Badegäste zu sehen sind.» Das Fotografieren sei derzeit in der Seeliken zwar noch nicht offiziell verboten. Trotzdem sei es störend.

Wie der Badi-Wirt erzählt, sind es meist Gruppen von 20 bis 30 Personen, die ohne einen Gruppenleiter bis ins Seeliken finden. «Wie ich gehört habe, hat es sich herumgesprochen, dass es hier noch Ur-Zuger zu sehen gibt», so Gilardoni. Das Problem beschränke sich aber nicht nur auf das Fotografieren: «Sie benützen auch unsere Toiletten. Diese sehen dann meist nicht mehr ganz so aus, wie man diese eigentlich gerne antreffen würde.» Die Touristen seien zwar nett und reagierten sofort, wenn man sie auf etwas hinweise. «Oft scheitert es aber an der Sprache.»

Das Phänomen der Asiaten in der Seeliken sei eigentlich nicht neu. Das Ausmass aber schon. «Seit zirka sechs Wochen haben wir täglich zwei bis drei so grosse Gruppen, die zu uns kommen», erzählt Gilardoni. Davor hätten sich die zwei bis drei Gruppen auf eine Woche verteilt. «Wir werden nun mit dem Sportamt Kontakt aufnehmen, welches für die Badis zuständig ist.» Der Bistro-Wirt hofft, dass das Problem mit Hinweistafeln etwas beruhigt werden kann.

Wechselgeld sorgt für ratlose Blicke

Die Zahlen von Zug Tourismus bestätigen die deutliche Zunahme an Reisenden aus Asien. Nach einem Einbruch im vergangenen Jahr sind von März bis Mai dieses Jahres deutlich mehr Chinesen in Zug abgestiegen als im Vorjahr. Die jüngsten Zahlen übertreffen gar diese von 2015. Zuzüglich kommen jene Car-Touristen, die nicht in Zug übernachten und somit auch nicht erfasst werden. «Wie viele das sind, wissen wir nicht», sagt die Geschäftsführerin von Zug Tourismus, Seraina Koller. Allerdings müsse man auch beachten, dass bei den Logiernächten auch Chinesen erfasst werden, die beruflich in der Schweiz weilen.

Dass wohl trotzdem viele der Logiernächte von Touristen stammen, bestätigt ein Augenschein im Lebensmittelgeschäft Spar an der Bahnhofstrasse in Zug. Dort sind die Chinesen schon seit längerer Zeit ein Thema – und man hat sich an sie gewöhnt. «Bei uns halten die Cars oft gleich vor der Filiale bei der Bushaltestelle», erklärt Marktleiterin Milica Milosavljevic. «Sie kaufen Markenschokolade, aber auch Gemüse und Früchte.» Bei Letzteren bestehe das Problem, dass die asiatischen Kunden die Ware nicht selber wägen. «Sie stellen dann den Einkaufskorb, voll mit losen Früchten, einfach aufs Kassenband.» Viel mehr Mühe macht den Spar-Mitarbeitern aber etwas anderes: die Sprache. «Die Chinesen verstehen meist kein Englisch.» Dies führt auch zu Problemen an der Kasse: «Viele von ihnen verstehen es nicht, wenn wir ihnen Schweizer Franken als Wechselgeld auf ihre Euro rausgeben. Sie sehen bei uns die Schweizer Währung manchmal zum ersten Mal und wollen sie nicht akzeptieren.» Aus diesem Grund wurde bei Spar in Zug vor einiger Zeit gehandelt und ein Plakat angebracht, welches mit Illustrationen erklärt, dass es keine Euro als Wechselgeld gibt. «Ich würde mir wünschen, dass die Reiseleiter ihre Gruppen besser über die hiesige Währung und den Umgang mit dem Euro aufklären würden», so die Marktleiterin.

Ebenfalls mehrjährige Erfahrung mit asiatischen Touristen hat die Destillerie Etter in Zug. Auch wenn hier die Zahl der Besucher aus China etwas abgenommen hat, hat sich Geschäftsleiter Gabriel Galliker-Etter auf sie eingestellt. «Wir hatten vor zwei Jahren wesentlich mehr chinesische Gruppen als heute. Aber auch heute kommen sie noch bei uns vorbei. Die Besuche waren zu Beginn nicht ganz einfach und sind es auch heute manchmal nicht.» Es kommt sehr auf den Guide an, der dabei ist, wie Galliker erklärt: «Wenn dieser der Gruppe sagt, was man darf und was nicht, funktionierte es gut.» Ansonsten könne es auch vorkommen, dass die Touristen beispielsweise in die Büros spazieren. «Wir mussten uns schon an die Chinesen gewöhnen, und wir haben auch gewisse Massnahmen getroffen.» So stehen bei der Destillerie Etter seit einiger Zeit zwei zusätzliche Toiletten hinter dem Gebäude, die speziell für die asiatischen Gäste gedacht sind.

Zug Tourismus verweist bei Anfragen zu chinesischen Touristen an den Zuger Uhren- und Schmuckhändler Franco Lohri. «Wir bearbeiten den Markt China nicht selber», sagt Seraina Koller. «Wir können aber zwischen betroffenen Unternehmern und den zuständigen Stellen vermitteln, wenn es zu Konflikten kommt.» Für die konkreten Probleme seien am Ende aber die einzelnen Behörden zuständig, wie beispielsweise die Polizei oder die Stadt.

Franco Lohri ist wohl der Grund, dass chinesische Reiseanbieter überhaupt nach Zug gefunden haben. «Gemeinsam mit Zug Tourismus reiste ich vor etwa vier Jahren nach China, um uns dort verschiedenen Reiseagenturen vorzustellen», erklärt der Inhaber der Lohri Joaillerie. Auch heute noch wenden sich die asiatischen Anbieter an ihn, wenn sie Empfehlungen für Restaurants benötigen oder andere Anliegen haben. Die Reisecars parkieren jeweils auf dem Parkplatz unterhalb der Frauensteinmatt. «Die Touristen kommen dann zu Fuss in Richtung Landsgemeindeplatz», so Lohri. Dass sie aber auch die Seebadi Seeliken in grösseren Gruppen besuchen, sei ihm neu. «Das wird wohl während der freien Zeit sein, die es auf solchen geführten Touren gibt.»

In Luzern herrscht dasselbe Bild

Dass es nach dem Einbruch auf dem Markt China im vergangenen Jahr nun wieder deutlich mehr chinesische Touristen in die Zentralschweiz zieht, bestätigen auch die aktuellen Zahlen des grossen Tourismusnachbarn Luzern. Dort haben in der Stadt die Übernachtungen aus China von Januar bis Mai 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 4,5AABB22Prozent zugenommen.

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