BETREUUNG: Er will Kinder zum Lachen bringen

Jarmo Fiechter engagiert sich als freiwilliger Helfer bei den Entlastungstagen für Kinder mit einer Behinderung. Bei diesen Anlässen schöpft er auch selbst Kraft.

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Jarmo Fiechter liest als freiwilliger Helfer Nina am Entlastungstag ein Buch vor. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 29. Januar 2017))

Jarmo Fiechter liest als freiwilliger Helfer Nina am Entlastungstag ein Buch vor. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 29. Januar 2017))

Auf den ersten Blick scheint es ein Betreuungsangebot zu sein wie jedes andere. Erst bei genauerer Betrachtung sieht man, was die Entlastungstage auszeichnet. Der letzte Entlastungstag fand vergangenen Sonntag an der Heilpädagogischen Schule Zug statt. Jedes Kind, das daran teilnimmt, ist auf die eine oder andere Weise eingeschränkt. An diesem Sonntag sind die Teilnehmer vor allem Kinder mit Trisomie 21 oder Autismus. Abhängig von der Schwere ihrer Beeinträchtigung, werden sie auf den Ausflügen und während der Spielevormittage eins zu eins betreut.

Einer, der sich die Zeit für diese Betreuung nimmt, ist Jarmo Fiechter. Er ist 19 Jahre alt, wohnt in Steinhausen und arbeitet als ausgebildeter Fachmann Betreuung am Heilpädagogischen Schul- und Beratungszentrum Sonnenberg in Baar. Sein Engagement für Menschen mit Behinderung reicht über das rein Berufliche hinaus. Er ist regelmässig als freiwilliger Helfer bei den Zuger Entlastungstagen dabei.

«Es gibt noch viel mehr, was diese Person ausmacht.»

Jarmo Fiechters Interesse rührt nicht zuletzt daher, dass er selbst mit einer Schwester aufgewachsen ist, bei der Trisomie 21 diagnostiziert worden war. Für seinen Geschmack ist die Gesellschaft bei dem Thema häufig etwas «übersensibel». «Wenn ich mit einem Freund unterwegs bin und einen Behinderten antreffe, dann reagieren die Leute oft mit grossem Mitgefühl oder Mitleid. Ich muss dann manchmal darauf aufmerksam machen, dass auch Behinderte sehr glücklich sein können. Die Leute tendieren etwas dazu, jeweils nur die Beeinträchtigung zu sehen und zu vergessen, dass es noch viel mehr gibt, was diese Person ausmacht», erklärt er.

Damit hängt auch Fiechters Devise bei der Betreuung bei den Entlastungstagen zusammen. Es geht ihm nämlich nicht nur darum, die Kinder zu beschäftigen. Er will sie auch glücklich machen. «Für mich ist es extrem wertvoll, wenn ich die Kinder zum Lachen bringen kann. Gerade bei Kindern, die sonst kaum zum Lachen kommen», erzählt der 19-Jährige. Auf diese Weise gebe einem die Arbeit auch enorm viel zurück.

Vielfältiges Programm

Veranstaltet wurde der Entlastungstag von der Organisation Insieme Cerebral. In Zug ist für diese Anlässe Toya Stocker (24) aus Walchwil verantwortlich. Sie versucht, bei den monatlichen Betreuungsveranstaltungen ein abwechslungsreiches Programm für die Kinder zusammenzustellen. Am vergangenen Sonntag stand etwa Schlitteln auf dem Programm. An anderen Tagen gab es auch schon Ausflüge in den Tierpark Goldau oder auf den Zugerberg. Der Unternehmenslust der Kinder seien an diesen Tagen kaum Grenzen gesetzt, berichtet Stocker. Gleichzeitig verlange ein solcher Tag von den Betreuern so einiges ab. «Bei den Ausflügen muss man sehr aufmerksam sein.» Es seien also durchaus immer auch anstrengende Tage. Man könne allerdings auch viel Kraft aus diesen Anlässen ziehen. Stocker: «Vor allem dann, wenn am Ende alle den Tag genossen haben: die Kinder, die Freude am Programm hatten, die Eltern, die dank dem Programm ein wenig entlastet wurden, und nicht zuletzt natürlich auch die Betreuer, die eine wertvolle Erfahrung gemacht haben.»

Julian Koller

redaktion@zugerzeitung.ch