Gibt es bald erste Betreuungsgutscheine im Berg?

Die Gemeindeversammlung Oberägeri wird über eine Reglementänderung befinden, die das System bei der Unterstützung von Krippenplätzen ändern würde – aber nicht nur.

Raphael Biermayr
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Gut behütet: Oberägeri will Betreuungsgutscheine für Plätze in Kindertagesstätten einführen. (Bild: Maria Schmid)

Gut behütet: Oberägeri will Betreuungsgutscheine für Plätze in Kindertagesstätten einführen. (Bild: Maria Schmid)

Als sechste Gemeinde im Kanton Zug will Oberägeri Betreuungsgutscheine für Plätze in Kindertagesstätten anbieten, als erste im Berggebiet. Die Gemeindeversammlung (GV) am 9. Dezember wird über eine dahin gehende Reglementänderung befinden, die auf das Schuljahr 2020/21 wirksam würde. Darüber hinaus sollen auch Mittagstisch und Randstundenbetreuung ausgebaut werden. Und schliesslich soll der Gemeinderat eine höhere Kompetenz erhalten, um künftig schnell auf die schwankende Nachfrage nach den Betreuungsangeboten reagieren zu können. Der Sozialvorsteher Paul Iten (Forum) sagt offen: «Ich habe keine Angst, dass das nicht angenommen wird.» Der Wunsch nach einem grösseren Angebot werde im Dorf immer wieder an ihn herangetragen. «Manche Eltern hätten am liebsten eine Kinderbetreuung bis 20 Uhr», sagt er.

Im Fall der Einführung solcher Gutscheine würde die Gemeinde Oberägeri keine eigene Kita führen, sondern auf private Anbieter vertrauen. Im Ort gibt es mit dem Nussbaum Kinderhaus und der Ägerikrippe gegenwärtig deren zwei. Die Betreuungsgutscheine würden aber auch weiterhin im Wichtelhuus in Unterägeri akzeptiert. Dort hat Oberägeri derzeit acht subventionierte Plätze für Kinder aus der eigenen Gemeinde gemietet. Sollte die Umstellung auf Betreuungsgutscheine nicht erfolgen, würden diese Plätze erhalten bleiben, versichert Gemeinderat Iten.

Geplante Anhebung der Einkommensobergrenze

Wie andernorts üblich, würde auch in Oberägeri nicht jedermann Anspruch auf Betreuungsgutscheine erheben können. Die Obergrenze des steuerbaren Einkommens pro Haushalt liegt dafür bei 90000 Franken. Damit wolle man «den Mittelstand entlasten», sagt Iten. Dieser Betrag würde den Kreis der Anspruchsberechtigten deutlich erweitern im Vergleich zur aktuellen Situation: Heute können sich Haushalte mit maximal 70000 Franken an steuerbarem Einkommen um subventionierte Kitaplätze bewerben. Diese Massnahme sei im Kontext der Politik des Gemeinderats zu sehen, «für gute Steuerzahler noch attraktiver zu sein», sagt Iten.

Das Vorhandensein der Nachfrage nach dem Ausbau des gesamten Kinderbetreuungsangebots fusst nicht nur auf Gesprächen des Sozialvorstehers. Sie sei auch das Ergebnis einer Masterarbeit, die der Leiter der Sozialabteilung in Oberägeri im Rahmen einer Weiterbildung verfasst habe. Daraus gehe hervor, dass in den kommenden Jahren 21 Kitaplätze sowie 67 Plätze für Mittagstisch und Randstundenbetreuung nachgefragt werden, führt Iten aus. Für die Umsetzung rechnet er – im Vergleich zu heute – mit höheren jährlichen Kosten von 108000 Franken.

Hinweis
Am 16. November wird ab 10 Uhr ein für jedermann offenes Politcafé zum Thema Betreuungsgutscheine im Foyer der Hofmatt stattfinden.