BIENEN: Die Imkerei erlebt einen Aufschwung

Seit 125 Jahren gibt es den Zuger Imkerverein. Anlass genug, die Honigbienen genauer zu betrachten. Das tun auch immer mehr Junge.

Julian Feldmann
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Der Vereinspräsident Friedrich Arnet in Steinhausen vor einem seiner vielen Bienenhäuser. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der Vereinspräsident Friedrich Arnet in Steinhausen vor einem seiner vielen Bienenhäuser. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Julian Feldmann

«Wenn das Tier einen mal gepackt hat, lässt es nicht mehr los», so der leidenschaftliche Imker Friedrich Arnet. Seine Liebe zu den fleissigen Insekten liegt in der Familie: So war schon sein Vater Imker, und auch sein Sohn führt diese Tradition weiter. Friedrich Arnet ist seit dem Jahr 1958 Bienenzüchter und seit 1982 Präsident des Kantonalen Zuger Imkervereins, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert.

Griff in die Geschichte

Zu diesem Jubiläum hat der Verein das Tor zur Vergangenheit geöffnet, um in alten Zeiten zu wühlen. Und wer könnte das besser, als der Historiker Christian Raschle. «Bienen gehören zum Urbestand der Tierwelt. Bereits in den ersten Hochkulturen erscheint die Biene als Symbol und Sinnbild der Fruchtbarkeit», so der ehemalige Stadtarchivar.

1866 wurde der Zuger Landwirtschaftliche Verein gegründet, in welchem viele Bauern Einsitz nahmen, die Imkerei betrieben. «An der Versammlung des landwirtschaftlichen Vereins im Februar 1889 präsentierten sieben Mitglieder einen Entwurf für die Statuten eines zukünftigen Imkervereins», berichtet Raschle. Einen grossen Anteil daran darf man Peter Theiler anrechnen. Der Landwirt, Lehrer, Politiker und erfahrene Bienenzüchter hatte dem zugerischen und schweizerischen – Imkerwesen entscheidende Impulse gegeben. In seinem Restaurant Rosenberg wurde am 24. März 1889 der Kantonale Imkerverein gegründet. Peter Theiler gab die Begeisterung für die Bienen seiner Familie weiter: Vier Generationen Theiler prägten das Präsidium des Imkervereins. Friedrich Arnet ist mit 32 Jahren aber der am längsten amtierende Präsident des Vereins.

80 Bienenvölker hält Friedrich Arnet verteilt im ganzen Kanton Zug. Seit 1974 bietet der Kenner auch Kurse und Beratungen an. «Heute nehmen viel mehr jüngere Leute daran teil als früher», freut er sich. Die Imkerei erlebt ein Aufleben: «Das Interesse bei den Jungen ist gross, es sind gute Ansätze vorhanden – auch wenn sie teilweise etwas verschrobene Vorstellungen haben.» Denn Bienen zu züchten sei alles andere als einfach. «Es erfordert viel – aber es ist auch etwas sehr Schönes und Erfüllendes», so Arnet. Und etwas sehr Wichtiges: «Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben – keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr», soll Einstein gesagt haben.

Auch wenn vermutet wird, dass diese Worte nie aus dem Mund des bekannten Physikers kamen, beinhalten sie laut Arnet viel Wahres: «Ungefähr ein Drittel der Nahrung wäre wohl nicht mehr vorhanden. Wenn man ihren Nutzen für die Wildpflanzenbestäubung und somit für die Biodiversität mitrechnet, kann man ohne falsche Bescheidenheit sagen, dass die Honigbiene das wichtigste Nutztier überhaupt ist», so Arnet. «Kein anderes Tier hat für die Wirtschaft und den Kreislauf der Natur eine solch grosse Bedeutung.» Der wirtschaftliche Schaden einer bienenlosen Welt wäre enorm, wie Arnet sagt. «Um die Bestäubung durch die Bienen zu kompensieren, müsste man weltweit jährlich einen dreistelligen Milliardenbetrag investieren.»

Das wichtigste Nutztier überhaupt

Die Bedrohungen, mit denen die Honigbiene zu kämpfen hat, sind vielfältig: der zunehmende Artenverlust von Nahrungspflanzen, die dynamische Entwicklung chemischer Giftstoffe und ihr Einsatz in der Landwirtschaft. Dazu kommen Krankheiten allen voran die in den 1980er-Jahren aus Asien in die Schweiz übergeschwappte Varroamilbe. Die anhaltende Globalisierung könnte zudem zu weiteren Schwierigkeiten führen: «Möglicherweise kommt ein neues Problem auf uns zu», so Arnet. Er spricht vom kleinen Beutekäfer, der sich in Italien breit macht.

Für Arnet überwiegt aber das Positive trotzdem sieht er die Zeit gekommen, den Mahnfinger zu erheben: «Wir können als Verein stolz sein auf die Leistungen unserer 125-jährigen Geschichte. Aber heute besteht mehr denn je die Aufgabe, die Mitmenschen aufzufordern, alles zu tun, was den Bienen nützt und alles zu unterlassen, was ihnen schadet.»