BIJOU: Dieses Schiff ankert wieder in Zug

Es war von den ­Dreissigern bis in die Fünfziger ein Blickfang in der Katastrophenbucht: ein zwei Meter langes Modellschiff. Nun darf es erneut bestaunt werden.

Drucken
Teilen
Oskar Rickenbacher freut sich, das Modellschiff «Stadt Zug» wieder in seine Heimat geholt zu haben. (Bild Stefan Kaiser)

Oskar Rickenbacher freut sich, das Modellschiff «Stadt Zug» wieder in seine Heimat geholt zu haben. (Bild Stefan Kaiser)

Susanne Holz

«Jetzt ist die Reise des Schiffs wohl zu Ende.» Oskar Rickenbacher ist glücklich: Zusammen mit dem Orion-Club Zugerland hat er vor kurzem das Modellschiff «Stadt Zug» erworben – und so das knapp zwei Meter lange und rund 45 Kilo schwere Schiff wieder in seinen Heimathafen zurückgeholt. Und auch wenn das Schiff nicht erneut in der Katastrophenbucht ankern und dort von den Passanten bestaunt werden wird wie ­Jahrzehnte zuvor (siehe Box): Bewundern kann man es allemal – zuerst im Schaufenster von Foto-Optik Grau am Bundesplatz und dann im Zuger Depot für Technikgeschichte in Neuheim.

Kapitän und Modellbauer

Gebaut wurde das Modellschiff «Stadt Zug» zwischen 1929 und 1931 – von einem Zuger Kapitän. Martin Weiss, 1889 geboren, lenkte sommers sowohl das Motorschiff «Schwan» als auch das Dampfschiff «Rigi» über den Zugersee. Im Winter betätigte sich der Familienvater als Gasableser bei den Wasserwerken Zug. In seinem Dachgeschoss hatte Martin Weiss eine mechanische Werkstatt – dort half ihm sein Bruder August, ein Emaillemaler, beim Bau des Modellschiffs.

Das auffällige Modellschiff lag erstmals im Sommer 1931 in der Katastrophenbucht vor Anker. Bis weit in die Fünfzigerjahre konnten die Zuger das Schiff, gebaut nach dem Vorbild des Dampfschiffs «Stadt Luzern», bewundern – auf dem Wasser. Und auch zu Lande: Denn während der Wintermonate stellte sein Erbauer es unter Dach aus: am Reiffergässli, hinter den Vorstadthäusern Zugs, dort, wo er wohnte. 1973 starb Martin Weiss-Elmiger. Mitte der Siebziger wurde das Schiff verschenkt und in einem Garten in Steinhausen aufgestellt. In den Neunzigern wurde es von einem Ostschweizer Sammler entdeckt, gekauft und restauriert. Nach dem Tod des Ostschweizers verkaufte dessen Frau das Modellschiff «Stadt Zug» an einen holländischen Bootshändler. Dieser Händler bot das Schiff einige Jahre später via Internet zum Kauf an: Ein Zuger Privatmann ergriff 2008 die Gelegenheit – und holte das Kleinod wieder in seine Heimat.

Happy End

Doch schien dem Modellschiff weiterhin keine ruhige Zukunft beschieden: Auch dieser Besitzer schrieb es nach einigen Jahren im Internet zum Wiederverkauf aus – genauer gesagt diesen Frühling.

Nun war der Ball bei Oskar Rickenbacher. Dem 76-Jährigen, der schon lange Ansichtskarten der Stadt Zug sammelt und diese bei Vorträgen zeigt – so auch die Kartenansicht des beliebten Modellschiffs –, war es ein grosses Anliegen, die Reise des historischen Schiffs zu einem guten Ende zu führen. Mit dem Orion-Club Zugerland, der alte Fahrzeuge und Erinnerungsgegenstände des zugerischen Verkehrswesens pflegt und erhält, hat der geschichtsbewusste Zuger das Modellschiff gekauft, entstaubt, geputzt, wie er mit einem Lachen bemerkt. Nach all seinen Recherchen freut er sich übers Happy End: «Das Schiff ist ein Zeitzeuge meiner Jugend und etwas, das mir am Herzen liegt.»

Hinweis

Das Modellschiff ankert vom 9. bis 22. November bei Foto-Optik Grau. Danach kommt es ins Zuger Depot für Technikgeschichte in Neuheim (ZDT).

Lange ists her, dass es bei Zuger Umzügen zu Ehren kam: wie hier beim Jugendfestumzug 1934 (Bild Stefan Kaiser)

Lange ists her, dass es bei Zuger Umzügen zu Ehren kam: wie hier beim Jugendfestumzug 1934 (Bild Stefan Kaiser)