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Bijouterie-Räuber in Zug vor Gericht: Sie kamen in die Schweiz, um gutes Geld dazuzuverdienen

Im August 2017 wurde eine Bijouterie im Metalli ausgeraubt. Am Montag standen die Täter – zwei Serben – vor Gericht. Sie waren in die Schweiz gekommen, um schwarzzuarbeiten. Da dies nicht klappte, wollten sie zumindest nicht mit leeren Händen zurückkehren.
Christopher Gilb
Mit diesem Fahndungsbild suchte die Zuger Strafverfolgungsbehörde nach dem Täter. (Bild: Zuger Strafverfolgungsbehörde)

Mit diesem Fahndungsbild suchte die Zuger Strafverfolgungsbehörde nach dem Täter. (Bild: Zuger Strafverfolgungsbehörde)

Am 20. August 2017 reisten zwei Serben in die Schweiz ein. Der eine, ein damals 35-Jähriger, hatte als Nachtwächter in einer Belgrader Entzugsklinik – so erzählte er es vor dem Zuger Strafgericht – einen Patienten aus Genf kennengelernt. Sie hätten sich angefreundet, und dieser habe ihm Visitenkarten in die Hand gedrückt, falls er mal einen Job in der Schweiz bräuchte. Als dann sein Vater unerwartet gestorben sei und ihm nicht nur das Geschäft, sondern auch die Geschäftsschulden vererbt worden seien, habe er von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Auf Anfrage habe ihm einer der Geschäftsmänner dann mitgeteilt, er solle sich melden, sobald er in der Schweiz sei. Er nahm einen gleichaltrigen Kumpel mit, einen einstigen Absolventen einer Polizeiakademie, der gegen ein Schweizer Salär auch nichts einzuwenden hatte. Doch in der Schweiz angekommen, sei der Unternehmer nicht mehr erreichbar gewesen.

Opfer setzte sich beherzt zur Wehr

Sie hätten gewartet, doch ihr Geld sei immer knapper geworden und damit die Angst, mit leeren Händen nach Hause zurückzukommen, gewachsen. Dann sahen sie die Bijouterie Bruno Iten Uhren & Schmuck im Zuger Einkaufszentrum Metalli. Sie kauften Kabelbinder und Klebeband. Am 24. August um 9 Uhr betraten sie das Geschäft. Anwesend war lediglich eine junge Verkäuferin. «Es war abgemacht, keine Gewalt anzuwenden», betonten die Angeklagten, die vor Gericht keine Möglichkeit ausliessen zu sagen, wie sehr sie die Tat bereuen. Auch deshalb sei es so schwer gewesen, die Verkäuferin ruhigzustellen. Die Frau wehrte sich beherzt, entfernte mehrfach das Klebeband auf ihrem Mund, und auch gegen die Kabelbinder an ihren Händen setzte sie sich zur Wehr. Schlussendlich brachte man sie in die Toilette. Dort jedoch gab es einen Alarmknopf, den sie betätigte. Die beiden Täter flüchteten. Dabei hatten sie Schmuckstücke im Wert von 245'708 Franken mitgenommen. Auch wenn die Angeklagten immer wieder behaupteten, dass der ursprüngliche Plan gewesen sei, nur so viel mitzunehmen, wie sie bräuchten, um ihre Schulden zu tilgen. Was die Gegenfrage der Staatsanwältin provozierte, wieso sie dann eine Bijouterie und kein Schreibwarengeschäft ausgeraubt hätten. Der Eine wurde aufgrund einer Personenbeschreibung noch in Zug geschnappt, der Nachtwächter Monate darauf in Kroatien.

Beide sitzen sie derzeit in der Strafanstalt Bostadel. Ihr Verhalten dort wird als vorbildlich beschrieben, auch vorbestraft sind sie nicht, weder in der Schweiz noch in Serbien. Zudem sind sie geständig. Die Staatsanwältin beantrage unbedingte Strafen von 4 Jahren sowie 3 Jahren und 8 Monaten mit anschliessender Landesverweisung von 5 Jahren. Eine angemessene Höhe, denn ohne Gewalt sei so ein Überfall gar nicht möglich. Dazu passt auch die Darstellung des Opfers, ihre Anwältin forderte von den Tätern 22000 Franken. Dies für den Erwerbsausfall, die Heilungskosten und als Entschädigung. Die psychischen und physischen Folgen seien schwerwiegend. Unter anderem sei sie bis Juni 2018 zu 100 Prozent erwerbsunfähig gewesen. So habe sie bei den Fesselversuchen unter anderem ein Schultertrauma und diverse Quetschungen erlitten.

Verteidiger nennen die Tat dilettantisch

Als eher leichten Raub definierten die Verteidiger der Zwei die Tat, weshalb das Strafmass im unteren Bereich angesetzt werden sollte. Schonungsvoll und fast schon anständig seien die beiden vorgegangen. Um die Verkäuferin zu beruhigen, habe man der Frau, wie es dem Kulturkreis entspreche, ohne andersweitige Absichten sogar einen Stirnkuss gegeben. In die Toilette habe man sie nicht eingesperrt, sondern auf diese gebeten. Die Tat sei eher spontaner Natur gewesen und dazu noch äussert dilettantisch: Nicht einmal maskiert seien sie gewesen. Sie forderten teilbedingte Strafen von 24 und 30 Monaten, von denen jeweils die Hälfte vollzogen werden soll.

Teilbedingte Strafen sprach dann auch das Gericht aus. Zwar beurteilt auch dieses die Tat als mittelschwer, gewichtet aber unter anderem die Reuebekundungen und der Wiedergutmachungseifer der beiden höher. Sie werden zu Strafen von 36 Monaten und 34 Monaten verurteilt. Davon sollen jeweils 14 beziehungsweise 12 Monate vollzogen werden. Beide sind bereits länger in vorzeitiger Haft, sodass das Gericht die Entlassung angeordnet hat. Was in diesem Fall wohl die Einleitung der Ausschaffung bedeutet. Des Landes verweisen werden sie für acht Jahre. Die geforderten fünf Jahre sieht das Gericht als zu wenig an. Dem Opfer wurde eine Genugtuung von 2000 Franken zugesprochen. Weitere Forderungen wurden auf den Zivilweg verwiesen.

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