BILDUNG: Kantonsschule Zug will bei Informatik aufrüsten

An der Mittelschule will man dem Fach Informatik mehr Platz einräumen. Im nächsten Schuljahr startet man mit einem Pilotversuch. Das ist jedoch erst der Anfang.

Samantha Taylor
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Vorläufig bringen erst die Schüler der Wirtschaftsmittelschule ihren eigenen Computer mit. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 15. Juni 2016))

Vorläufig bringen erst die Schüler der Wirtschaftsmittelschule ihren eigenen Computer mit. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 15. Juni 2016))

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Noch kurz eine WhatsApp-Nachricht verschicken, die Hausaufgaben auf dem Computer erledigen und sich im Klassenchat austauschen: Computer und die digitalen Technologien bestimmen den Alltag – von Erwachsenen und Jugendlichen. Das hat auch die Kantonsschule Zug erkannt. Aus diesem Grund will man dort das Fach Informatik stärken. «Wir planen Anpassungen in verschiedenen Bereichen», sagt Peter Hörler, Direktor der Kantonsschule Zug. Heute werden die Jugendlichen im Gymnasium in der dritten und vierten Klasse lediglich jeweils während einer Lektion pro Woche im Fach Informatik unterrichtet.

Das soll sich ändern. Ein erster Pilotversuch, mit dem der Fachbereich Informatik gestärkt werden soll, wurde bereits auf das laufenden Schuljahr 2016/17 eingeführt. So erhalten zwei Klassen aus der zweiten Stufe des Untergymnasiums derzeit Unterricht im Fach «Programmieren/Technik». «Das werden wir auf das nächste Schuljahr noch erweitern beziehungsweise in einem Wahlbereich anbieten», erklärt Hörler. Die Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klasse des Untergymnasiums können sich ab dem nächsten Schuljahr zwischen zwei Wahlbereichen entscheiden. Wie der Stundentafel für das Schuljahr 2017/18 zu entnehmen ist, stehen «Latein» und neu der Bereich «MINT» zur Auswahl. Bei den sogenannten MINT-Fächern handelt es sich um die Bereiche «Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik». Wer sich für diesen Bereich entscheidet, wird in der ersten Klasse während zweier Lektionen pro Woche im sogenannten «Geometrischen Praktikum» unterrichtet und ab der zweiten Klasse, ebenfalls während zweier Lektionen, im Wahlbereich der MINT-Fächer in den Bereichen Programmieren und Technik.

Eine bedeutende Entwicklung

Die Schule wolle mit diesen Anpassungen der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung tragen, sagt Hörler. «Die Digitalisierung ist eine bedeutende Entwicklung, wenn nicht sogar die bedeutendste unserer Zeit», ist Peter Hörler überzeugt. Man habe deshalb auch als Gymnasium die Aufgabe, nah am Thema dranzubleiben. Das sei eine Forderung, die in erster Linie seitens der Gesellschaft gestellt werde. «Wir möchten der Informatik schrittweise und langfristig jene Bedeutung einräumen, die sie in der heutigen Gesellschaft und in der heutigen Berufswelt hat. Es handelt sich dabei nicht einfach um einen Trend, der wieder vorbeigeht. Es ist eine nachhaltige Veränderung», ist der Direktor der Zuger Kantonsschule überzeugt.

Und aus diesem Grund will man an der Zuger Mittelschule den Informatikunterricht längerfristig auch noch weiter ausbauen. Dazu hat man an der Kantonsschule eine Arbeitsgruppe geplant, die sich vertieft mit dem Thema befasst. Dies auch deshalb, weil es auf eidgenössischer Ebene Bestrebungen gibt, die Informatik zu einem obligatorischen Grundlagenfach wie Deutsch, Mathematik oder Französisch zu machen. «Wir waren mit den bisherigen Arbeitsgruppen in diesen Fragen schon ziemlich weit. Sprich, wir hätten auch Ideen, wie Wochenstundentafel und Unterricht gestaltet werden könnten», sagt Peter Hörler. Allerdings wolle man seitens der Kantonsschule in dieser Frage nicht weiter vorpreschen. «Wir wollen die Diskussion auf nationaler Ebene abwarten. Es macht keinen Sinn, dass wir unser System so weit entwickeln, dass es am Ende dann vielleicht nicht zu allfälligen Vorgaben des Bundes passt», erklärt der Direktor.

Unterricht auf drei Ebenen

Wie ein solcher Unterricht aussehen könnte, da hat man an der Kantonsschule diverse Vorstellungen. «Grundsätzlich geht das von der konkreten Nutzung von informatischen Anwendungen über theoretische Konzepte, die hinter der automatischen Datenverarbeitung liegen, bis hin zur Entwicklung, Beurteilung und Umsetzung von algorithmischen Lösungsansätzen», erklärt Hörler. Ein allfälliger Grundlagenunterricht würde sich wohl zwischen diesen drei Ebenen bewegen. «Wie viel von was einfliesst, das müsste wohl noch definiert werden und hängt dann eben auch von den Vorgaben des Bundes ab», sagt Hörler. Bis wann das Grundlagenfach schweizweit eingeführt wird, kann Hörler nicht sagen. Er geht jedoch davon aus, dass es sicher noch zwei bis drei Jahre dauert. Und Hörler setzt auch hinter die Umsetzung noch einige Fragezeichen. «Es muss auch geklärt werden, zu welchen Kosten oder in welchen Stufen diese zusätzlichen Lektionen untergebracht werden können», so Hörler weiter.

An der Kantonsschule Zug sei man auf alle Fälle auf dem Weg zur Umstellung. Nicht zuletzt auch dank eines Pilotversuchs, der derzeit an der Wirtschaftsmittelschule läuft. Dort arbeitet eine Klasse seit Beginn dieses Schuljahres in gewissen Fächern mit ihren eigenen Tablets und Computern. «Das ist für uns ein Test. Wenn es gut funktioniert und wir die Finanzen haben, wird das wohl die Zukunft der ganzen Schule sein», sagt Hörler.

 

Kinder lernen programmieren und mehr

Bildung Kinder wachsen heutzutage mit Handys, Tablets und Spielkonsolen auf. Sie lernen zwar schnell, die Geräte zu bedienen, aber es braucht mehr, das Innenleben eines Computers zu verstehen.

Ein neues Kursangebot der Freizeitanlage Loreto/Volkshochschule Zug will Abhilfe schaffen: In Kooperation mit Codillion, der Programmierschule für Kinder, finden neu in den Zuger Schulferien Kurse für Primarschüler in Informatik und Medienkompetenz statt. In diesen Kursen lernen Kinder, was ein Computer eigentlich ist und wie man die neuen Medien verantwortungsvoll nutzt. Marloes Caduff gründete Codillion mit dem Ziel, Kindern bereits in der Primarschulstufe einen spielerischen Zugang zur Informatik zu ermöglichen. «Denn wer weiss, wie Computer funktionieren, verfügt über eine Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts», so Caduff.

In den Kursen werden jedoch keine Computer-Freaks und Programmier-Nerds herangezüchtet. «Die Kinder sollen Freude entwickeln am Ausprobieren und Problemelösen.» Die Kinder schreiben in den Kursen in einer lockeren Atmosphäre erste Programme, erteilen kleinen Robotern Befehle und entwickeln einfache Spiele. In allen Kursen bleibe, so Caduff, viel Raum zum Basteln und für Bewegung.

Die Kursinhalte decken einen Teil des Fachs Informatik und Medienkompetenz des neuen Lehrplans 21 ab und sollen somit Kinder in der frühkindlichen digitalen Bildung unterstützen. Ein Kurs dauert jeweils fünf Halbtage und findet in einer Kleingruppe mit individueller Betreuung statt. Anmeldungen für die Zuger Sport- und Frühlingsferien sind direkt auf der Homepage der Freizeitanlage Loreto/Volkshochschule Zug möglich: http://loreto.ggz.ch.
 

(red)

 

Informatik für Kinder: Spielerisch lernen sie in den Codillion-Kursen den Umgang mit dem Computer. (Bild: PD)

Informatik für Kinder: Spielerisch lernen sie in den Codillion-Kursen den Umgang mit dem Computer. (Bild: PD)