BILDUNG: Lehrer sollen automatisch befördert werden

Mehrere bürgerliche Kantonsräte wollen das Beförderungssystem an den Schulen anpassen. Die Regierung will davon nichts wissen – weil «Aufwand und Ertrag nicht stimmen».

Samantha Taylor
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Die Beförderung von Lehrern beschäftigt den Kantonsrat. (Bild: Maria Schmid (Finstersee, 4. Mai 2016))

Die Beförderung von Lehrern beschäftigt den Kantonsrat. (Bild: Maria Schmid (Finstersee, 4. Mai 2016))

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Die Lehrerinnen und Lehrer der gemeindlichen Schulen im Kanton sollen auch weiterhin nach dem bisherigen System befördert werden. Der Regierungsrat will in diesem Punkt keine Änderung vornehmen, wie er in einem Bericht ausführt. Eine Beförderung von Lehrpersonen einzig auf Basis von Leistungsbeurteilungen sei mit erheblichem personellem Mehraufwand für die Schulleitungspersonen verbunden. Zudem ginge dem Betriebsaufwand ein erheblicher Erarbeitungsaufwand voraus.

Auslöser für die regierungsrätliche Stellungnahme ist die Motion der Kantonsräte Peter Letter (FDP, Oberägeri), Philip C. Brunner (SVP, Zug), Daniel Thomas Burch (FDP, Risch), Daniel Marti (GLP, Zug), Thomas Meierhans (CVP, Steinhausen), Karl Nussbaumer (SVP, Menzingen), Cornelia Stocker (FDP, Zug) und Silvia Thalmann (CVP, Zug). Sie verlangen in dem Vorstoss die Abschaffung der Automatismen bei der Beförderung der gemeindlichen Lehrpersonen. Heute ist es so, dass ein Lehrer der gemeindlichen Schulen jährlich in derselben Gehaltsklasse befördert werden kann. Eine Gehaltsklasse verfügt über zehn Gehaltsstufen. Der Aufstieg in eine höhere Gehaltsklasse ist an die Anzahl geleisteter Dienstjahre gekoppelt. Gemäss geltendem Recht ist ein solcher Aufstieg lediglich nach 3, 12 und 24 Dienstjahren möglich. Gewährt werde dieser Aufstieg ausserdem nur bei «guter Leistung, Fähigkeit und Eignung». Ist dies nicht der Fall, kann ein Aufstieg auch hinausgeschoben werden.

Gemeinden stellen sich hinter Regierung

An dieser Regelung will der Regierungsrat festhalten und nicht auf die Forderung der Motionäre eingehen. Sie verlangen, dass die Zahl der Gehaltsstufen auf 19 erhöht und der Automatismus beim Aufstieg innerhalb der Gehaltsklassen abgeschafft wird. Für einen Aufstieg sollen die Leistungsbeurteilung, die allgemeine Wirtschaftslage und der Finanzhaushalt berücksichtigt werden. Ausserdem soll die Beförderungssumme gesetzlich flexibler werden und neu in der Kompetenz der Gemeinden liegen. Heute gilt eine einheitliche Summe für alle Gemeinden.

Die geforderten Änderungen des Beurteilungssystems würden mehr Schulbesuche notwendig machen und erheblich mehr Stellenprozente bei Schulleitungspersonen bedingen, schreibt die Regierung in ihrem Bericht. Denn das Kerngeschäft der Lehrer sei der Unterricht, und der finde nun mal in den Schulzimmern statt. «Diese Arbeit wird durch Vorgesetzte weder direkt angeleitet noch begleitet.» Würde das System den Forderungen der Motionäre entsprechend angepasst, wäre laut der Regierung sowohl von Seiten des Kantons wie auch der Gemeinden mit einem höheren finanziellen Aufwand zu rechnen. Die Regierung kommt deshalb zum Schluss: «Die heutige Regelung der Einstufung und Beförderung der Lehrpersonen ist zweckmässig und effizient im Sinne der vorhandenen Ressourcen.»

Diese Auffassung teilen auch die Gemeinden, wie dem Bericht zu entnehmen ist. Sie stellen fest: «Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis.» Zudem befürworten sie, dass die kantonale Gesetzgebung die Anstellungs- und Beförderungsbedingungen gemeindeübergreifend regelt. «Eine Konkurrenz unter den Gemeinden etwa aufgrund unterschiedlicher Besoldungen werde nicht als förderlich für ein qualitativ gutes öffentliches Bildungswesen angesehen», heisst es im Bericht.

Aus all diesen Gründen beantragt der Regierungsrat dem Parlament, die Motion nicht erheblich zu erklären. Der Kantonsrat wird dies an seiner heutigen Sitzung diskutieren.

 

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch