BILDUNG: Missachten Zuger Schulen Grundsätze?

Grundsätze des Bildungsrates werden kaum eingehalten. Ein Kantonsrat befürchtet, die Oberstufe könne zum Jekami werden.

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Grundsätzlich sollen Schüler der Sekundarstufe I «in Gruppierungen mit nicht zu grossen Leistungsunterschieden» gefördert werden. (Bild: Keystone)

Grundsätzlich sollen Schüler der Sekundarstufe I «in Gruppierungen mit nicht zu grossen Leistungsunterschieden» gefördert werden. (Bild: Keystone)

Der Baarer SP-Kantonsrat und Seklehrer Zari Dzaferi thematisierte in zwei Kleinen Anfragen die Entwicklung der Sekundarstufe I im Kanton Zug. Dzaferi wollte in Bezug auf die Schularten wissen, unter welchen Überlegungen diese eingerichtet wurden. Auskunft verlangte er auch darüber, was erstrebenswerter sei: das Führen der Schularten in separaten Leistungsgruppen oder in gemischten Gruppen.

Mittlerweile liegen die Antworten des Regierungsrats auf Dzaferis Fragen vor. Aber ganz zufrieden ist der Baarer Kantonsrat damit nicht. So schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort auf Dzaferis Vorstoss zu den Schularten: «Hinter der Gliederung der Sekundarstufe I steckt grundsätzlich die Überzeugung, dass Jugendliche in Gruppierungen mit nicht zu grossen Leistungsunterschieden besser gefördert werden und die Lehrpersonen in solchen Klassen gezielter auf die schulischen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen können.»

«Nicht wirklich gegliedert»

Gerade dieses Zusammenführen von Jugendlichen mit nicht zu grossen Leistungsunterschieden werde nicht erreicht. «Ein Blick auf die Oberstufenklassen in den verschiedenen Gemeinden zeigt jedoch bereits auf, dass sich die Oberstufe nicht ‹wirklich› in die drei Schularten gliedert», erklärt Dzaferi. Es sei nicht mehr die Ausnahme, dass die Werk- zusammen mit der Realschule unterrichtet werde. «Das ist bereits die Regel», so Dzaferi. Lediglich in Unterägeri werde die Werkschule separat geführt. In allen anderen Gemeinden sei die Werk- bereits in die Realschule integriert. «Das wiederum erhöht den Druck auf die Eltern, ihr Kind möglichst in die Sekundarstufe zu bringen.» In einigen Gemeinden würden von der Werk- bis zur Sekundarschule alle Kinder gemeinsam beschult. «Dadurch wird die vom Bildungsrat angestrebte Homogenisierung nicht erreicht», führt der SP-Kantonsrat aus.

Unklare Kriterien

Dzaferi bemängelte in seinen Anfragen die fehlenden Kriterien, nach denen eine Gemeinde die Oberstufe schulartenübergreifend führen dürfe. Gemäss regierungsrätlicher Antwort «ist eine sinnvolle Gliederung dann nicht möglich, wenn die Schülerzahl zu klein ist». Aber: Habe eine solche Gemeinde einmal das Einverständnis der Direktion für Bildung und Kultur, sei das schulartenübergreifende Führen der Oberstufe unbefristet möglich, auch wenn die Klassengrösse sich nach oben ändern sollte. «Dabei ist nicht klar ersichtlich, welche Gemeinde schulartengemischt unterrichten muss und welche nicht. Alle, die das wollen, scheinen dies auch zu dürfen», so Dzaferi.

Für den Fragesteller ist auffallend, dass die Bildungsverantwortlichen im Kanton Zug den Unterricht «in eher homogeneren Leistungsgruppen möchten, in der Praxis allerdings heterogenere Klassen geschaffen werden.» Die Gemeinden erhielten damit – «unter dem Deckmantel des kooperativen Lernens» – zusätzliche Freiräume bei der Schülerzuteilung. «Gleichzeitig wird die Stossrichtung des Bildungsrates, möglichst Gruppen mit wenigen Leistungsunterschieden zu haben, missachtet», erklärt Zari Dzaferi. Das manifestiere sich auch bei der Bildung von Niveaufächern. Gemeinden können, sofern sie bereits zwei Niveaufächer anbieten, das dritte Niveaufach in einer einzigen Klasse mit allen Niveaus zusammen unterrichten und unterschiedliche Niveaus im Zeugnis ausweisen. Im Extremfall führe das dazu, dass die Lehrperson in derselben Klasse bis zu drei Niveaus (A, B und C) unterrichte. Und dies wiederum erhöhe den Aufwand und entspreche keinesfalls der Grundidee der Niveaufächer. Diese wurden nämlich geschaffen, um möglichst leistungsgleiche Gruppen zu haben.

Nicht doch eine Sparmassnahme?

Grundsätzlich sei es Dzaferi in diesen beiden Vorstössen darum gegangen, die vom Bildungsrat definierten Grundsätze und Überlegungen in Erinnerung zu rufen. Wenn jede Gemeinde diese Grundsätze individuell interpretiert, entstehe nun mal ein Jekami, was nicht das Ziel sein könne.

Letztendlich befürchtet der SP-Kantonsrat, dass Abweichungen bei den Grundsätzen des Bildungsrats weniger aus pädagogischen Überlegungen gemacht würden, sondern vielmehr aufgrund von Sparmassnahmen, die auf dem Rücken von Schülern und Lehrpersonen zugleich ausgetragen würden. «Das kann man so akzeptieren, muss aber auch hinnehmen, dass irgendwo die Qualität leidet.»

Harry Ziegler