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BILDUNG: PH-Zug-Rektorin Brigit Eriksson-Hotz: «Es gab keine Zeit zum Innehalten»

Brigit Eriksson-Hotz tritt von ihrem Amt als Rektorin der PH Zug zurück. In den neun Jahren ihres Wirkens hat sie die Hochschule durch turbulente Zeiten geführt und sie auf nationaler Ebene «sichtbar» gemacht.
Samantha Taylor
Brigit Eriksson-Hotz vor ihrer Wirkungsstätte, der PH Zug. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 17. August 2017))

Brigit Eriksson-Hotz vor ihrer Wirkungsstätte, der PH Zug. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 17. August 2017))

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

«Es ist der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt.» Mit diesen Worten begründet Brigit Eriksson-Hotz ihren Rücktritt als Rektorin der Pädagogischen Hochschule Zug (PH Zug). Die 64-Jährige geht nach fast zehn Jahren in Teilpension. Ihr Büro an der Zugerbergstrasse hat sie Ende Juli geräumt. Noch bis Ende August arbeitet sie an der Übergabe des Amtes an ihre Nachfolgerin Esther Kamm (siehe Box).

Und auch danach wird Brigit Eriksson-Hotz der PH Zug noch erhalten bleiben. In einem Teilzeitpensum führt sie in Co-Leitung bis zum Sommer 2018 das Zentrum Mündlichkeit, das von ihr initiiert wurde und das den Fokus auf Kommunikation legt. Eine Aufgabe, auf die sich die ehemalige Primarlehrerin und promovierte Deutschdidaktikerin freut, weil ihr das Zentrum sehr am Herzen liege.

Mehr Studenten und Umsatz

Von Brigit Eriksson-Hotz bleibt an der PH Zug nach ihrer Pensionierung jedoch mehr als diese Einrichtung. Sie hat dazu beigetragen, dass die Institution ist, was sie heute ist. So war sie massgeblich an der Neuausrichtung der Hochschule beteiligt. Dies, nachdem der Kanton Luzern das damalige Konkordat der Zentralschweizer Pädagogischen Hochschulen (PHZ) 2013 aufgekündigt hatte. Eriksson-Hotz hatte damals seit 2010 bereits ein Teilmandat in der Direktion der PHZ inne. Parallel dazu baute sie in Zusammenarbeit mit dem Amt für Mittelschulen und Pädagogische Hochschule des Kantons Zug die neue PH Zug auf. «Das war keine leichte Aufgabe», sagt Eriksson-Hotz heute. Die Loslösung aus den alten Strukturen und vor allem die Etablierung der Hochschule habe viel Einsatz erfordert. «Das Schöne war, dass die Zusammenarbeit zwischen der Schule, dem Kanton und auch der Politik gut funktioniert hat. Der Kanton Zug hat sich sehr innovativ verhalten. Alle Beteiligten standen hinter der Hochschule.» Damit sei es gelungen, Vertrauen in die PH Zug zu schaffen.

Das Vertrauen allein reichte Eriksson-Hotz aber nicht aus. Sie wollte die Hochschule etablieren, sie «sichtbar machen», wie sie es nennt. «Um etwas bewegen zu können, müssen wir auf nationaler Ebene eine Rolle spielen. Auch als kleine Hochschule ist das wichtig», erklärt die Mutter von drei erwachsenen Söhnen: einerseits, um gutes Personal rekrutieren zu können, und andererseits, um Studenten anzuziehen. Um das zu erreichen, hat Eriksson-Hotz die PH Zug in diverse nationale Gremien gebracht. Sie hat die Zahlen gesteigert von rund 200 Studenten und einem Jahresumsatz von 15 Millionen Franken im Jahr 2008 auf über 350 Studenten und einen Jahresumsatz von 19 Millionen Franken im Jahr 2016. Daneben hat sie Schwerpunkte gesetzt. «Die PH Zug musste ihre Rolle finden und sich spezialisieren.» Mit dem Zentrum Mündlichkeit und den anderen Forschungsinstituten für Bildungsmanagement sowie für Zusammenarbeit in Bildungsfragen sei das gelungen. «Wir werden in diesen Bereichen als wichtiger Player wahrgenommen.»

Mehr Zeit für Diskussionen

Für Brigit Eriksson-Hotz ist klar, dass sich die PH Zug trotzdem nicht ausruhen kann. Die Hochschule befinde sich in einem äusserst dynamischen Umfeld. Fast atemlos habe sie sich in den letzten Jahren entwickeln, verändern und anpassen müssen. «Es gab keine Zeit zum Innehalten, und das wird die PH Zug auch künftig nicht haben.» Da sind die Herausforderungen in der Hochschullandschaft. «Hier geht es darum, dass wir in der Lehreraus- und -weiterbildung, aber auch in der Forschung und der Entwicklung im Bildungsbereich kompetent sein wollen.»

Und dann sind da die Herausforderungen in der Volksschule, die sich stets verändernden Anforderungen an Lehrpersonen, die Veränderung des Unterrichts durch technische Mittel, der Lehrplan 21, die Diskussionen um Fächer wie Informatik oder Frühfranzösisch ... «Ich wünsche mir für alle diese Diskussionen, dass man – damit meine ich Politiker, aber auch Eltern sowie alle anderen Involvierten – diesen Entwicklungen genügend Zeit gibt. Es braucht die Möglichkeit, etwas zu etablieren», ist Eriksson-Hotz überzeugt.

Einsatz für die Gemeinschaft

Daneben gebe es weitere Diskussionen, die geführt werden müssten, etwa zum Thema «Chancengleichheit von Schülern». «Da gibt es heute noch viel Aufholpotenzial», ist die Baarerin überzeugt. Für Eriksson-Hotz ein wichtiger Punkt und Grundstein unseres Systems. «Die Volksschule trägt wesentlich zur Gemeinschaftsbildung bei. Sie soll das Beste aus der Gemeinschaft holen. Das Individuum muss dar­um auch manchmal etwas zurücktreten. Das geht heute leider manchmal vergessen.»

Für die Gemeinschaft will auch Eriksson-Hotz weiter tätig sein. Einerseits privat, indem sie ihre Enkel hütet und so ihre Kinder entlastet. «Das ist für mich selbstverständlich. Wir haben doch einen Generationenvertrag.» Andererseits engagiert sie sich in diversen Institutionen wie der Bildschule K’werk, in denen sie zu Entwicklungen beitragen will. «Wir leben in einer Gemeinschaft. Damit sie funktioniert, kann man, solange man gesund ist und Kraft hat, auch ehrenamtlich einen Beitrag leisten.»

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