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BILDUNG: Pläne der Regierung sorgen für Kritik

Die Eintrittsquote ins Gymnasium soll gesenkt werden. Das kommt auf verschiedenen Seiten nicht gut an. Sogar das Gewerbe zeigt sich kritisch.
Kreativ und erfolgreich beim nationalen Wissenschaftswettbewerb: Zuger Kantischüler bei ihrer Vorführung mit UV-Licht. (Archivbild Stefan Kaiser)

Kreativ und erfolgreich beim nationalen Wissenschaftswettbewerb: Zuger Kantischüler bei ihrer Vorführung mit UV-Licht. (Archivbild Stefan Kaiser)

Samantha Taylor

Weniger Kantischüler: Das ist kurz zusammengefasst das Ziel der Zuger Regierung (Ausgabe von gestern). Konkret sollen sowohl die Eintrittsquote ans Langzeitgymnasium als auch die gymnasiale Maturitätsquote im Kanton Zug gesenkt werden (siehe Box). Erreichen will man dies laut Bildungsdirektor Stephan Schleiss mittels einer «sanften Steuerung» und über den Notenschnitt. Damit wolle man zum einen die Sekundarschule und die Berufslehre stärken. Zum anderen ist dieser Schritt für die Regierung aber auch eine Sparmassnahme im Rahmen des Entlastungsprogramms, denn die Kosten für Sekundarschüler tragen die Gemeinden.

Abbild der Gesellschaft

Die Pläne der Regierung haben bereits für Diskussionsstoff gesorgt. So ist das Vorhaben für die Lehrerschaft der Kantonsschule Zug «nicht nachvollziehbar». Und auch diverse Zuger Kantonsräte geben sich kritisch. «Die geplante Steuerung der Eintrittsquote ans Langzeitgymnasium halte ich für falsch», sagt CVP-Kantonsrat und Präsident der Bildungskommission, Martin Pfister (Baar). Die Quote sei im Kanton nicht zu hoch, auch angesichts der grossen Nachfrage der Wirtschaft nach akademisch gebildeten Fachkräften. Die gleiche Meinung vertritt SP-Kantonsrat und Sekundarlehrer Zari Dzaferi (Baar). Die Idee einer künstlichen Senkung der Quote der Kantonsschüler sei nicht zielführend. «Man muss bedenken, dass Zug im Vergleich zu anderen Kantonen über ein hohes Bildungsniveau verfügt.» Das gibt auch Kantonsrat Daniel Stadlin (GLP, Zug) zu bedenken: «Die Zuger Zahlen sind ein Abbild der Gesellschaft.»

Für Dzaferi und Pfister ist die Verbindung dieser Frage mit dem Sparprogramm ausserdem äusserst fraglich. «Die Verquickung von Gymnasialquote und Entlastungsprogramm ist abzulehnen», so Martin Pfister. Es handle sich um eine bildungs- und keine finanzpolitische Frage. Dzaferi kritisiert zudem, dass der Regierungsrat unter dem Deckmantel der Stärkung der Berufslehre «ein paar Franken sparen wolle». «Er sollte besser die Volksschule aktiv stärken.»

Oberstufe stärken

Von einem reinen Blick auf die Eintrittsquote hält auch SVP-Kantonsrat Jürg Messmer (Zug) wenig. «Es macht keinen Sinn, zu sagen, dass wir grundsätzlich weniger Eintritte ans Langzeitgymnasium wollen. Wenn es einen starken Jahrgang gibt, dann treten halt mehr ein als bei einem schwachen», so Messmer. Man müsse an einem anderen Punkt ansetzen. «Die gemeindliche Oberstufe muss gestärkt werden, und zwar auch so, dass von den Schülern dort mehr verlangt wird, sodass sie für die Berufswelt attraktiv und fit sind.» Für eine Stärkung der gemeindlichen Sekundarstufe spricht sich auch CSP-Kantonsrätin und Bildungschefin der Stadt Zug, Vroni Straub, aus. Aber: «Diese Stärkung soll nicht durch Zugangsbeschränkungen ans Gymnasium erreicht werden, sondern durch eine Attraktivitätssteigerung der Sekundarstufe I.»

Seitens des Gewerbes würdigt man zwar die Pläne der Regierung, die Sekundarstufe zu stärken. Gleichzeitig betont man aber, dass es keineswegs sinnvoll sei, die verschiedenen Bildungswege gegeneinander auszuspielen. «Es geht nicht darum, dass weniger Schüler ans Langzeitgymnasium gehen. Es geht darum, dass sich mehr für die Berufsbildung entscheiden», sagt CVP-Kantonsrat und Unterneh- mer Jean-Luc Mösch (Cham). Damit dies der Fall sei, müsse bereits früher aufgezeigt werden, wie gut der Weg über die Berufsmaturität funktioniere und wie viele Möglichkeiten diese biete. «An den Schulen wird der Fokus heute zu stark auf den gymnasialen Weg gelegt», findet Mösch. Für Kurt Erni, Präsident des Zuger Gewerbeverbands, ist klar: «Unser duales Bildungssystem mit der Berufslehre und den verschiedenen Aufstiegsmöglichkeiten ist der Königsweg. Das Bildungssystem ist absolut durchlässig.» Genau das gelte es in den Vordergrund zu rücken. «Wenn es uns gelingt, diesen Weg attraktiv zu machen, dann wird es weniger Diskussionen über die Eintrittsquote ins Langzeitgymnasium geben.»

Einführung einer Prüfung

Das Vorhaben der Regierung ruft nicht nur kritische Stimmen auf den Plan. «Die Regierung zielt in die richtige Richtung. Vor allem angesichts dessen, dass die Fachhochschulen in den vergangenen Jahren eine enorme Aufwertung erfahren haben», sagt FDP-Kantonsrätin Cornelia Stocker (Zug). Und sie geht sogar noch einen Schritt weiter: «Ich bin dafür, dass wieder eine Prüfung eingeführt wird, die nicht alleine, aber doch schwerpunktmässig für den Übertritt zählt.»

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