BILDUNG: Studenten haben genug von Papiertigern

Mit Theorie gibt sich der Abschlussjahrgang der Höheren Fachschule für Technik und Gestaltung nicht zufrieden. Studienleitung und Studenten spannen zusammen und bringen den Stoff vom Papier in die Praxis. Entstanden ist eine eigene Produktlinie.

Wolf Meyer
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Irene Durrer (links) und Ruth Herger präsentieren einige der selbstentwickelten Designobjekte. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 20. Dezember 2016))

Irene Durrer (links) und Ruth Herger präsentieren einige der selbstentwickelten Designobjekte. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 20. Dezember 2016))

Wolf Meyer

redaktion@zugerzeitung.ch

Im Trakt 4 beginnt das sonst eher nüchtern wirkende Gewerblich-industrielle Bildungszentrum Zug (GIBZ) lebendiger zu werden. In den Gängen liegen Schaumstoffprototypen verschiedener Kleiderbügel aus. Hier versucht eine Gruppe junger Studenten die Form des Altbekannten aus seinen festgefahrenen Bahnen zu stemmen.

Doch bleibt es dabei, bei einer blossen Formstudie, oder hat die Höhere Fachschule für Technik und Gestaltung (HFTG) ihren Studenten mehr zu bieten als einen gut gewärmten Kreisssaal für Kopfgeburten? Eine handfeste Antwort auf diese Frage stand bis am vergangenen Donnerstag in den weiss gebeizten Regalen des betont spartanisch gehaltenen Ladenlokals an der Zürichstrasse 44 in Luzern.

Gesamte Entwicklung des Produkts übernommen

Unter dem Namen «Linitiert» bot dort die diesjährige Abschlussklasse der HFTG ihre eigens kreierte Produktlinie feil. «Am Anfang hatten wir noch gar keine Vorstellung, wohin uns diese Reise bringen würde», erinnert sich Ruth Herger. Sie ist eine der Studentinnen und setzte sich leidenschaftlich für das Projekt ein. Vor zehn Monaten stand einzig fest, dass sie die gesamte Entwicklung eines Produkts – von der Idee bis zur Produktion einer limitierten Auflage durch Drittpartner – realisieren wollten. Und dass sich die Produkte irgendwo im Bereich Accessoires bewegen sollten. «Die ungeheure Vielschichtigkeit dieses Unterfangens haben wir völlig unterschätzt», sagt die Studentin. «Von der Finanzierung über die Prüfung der Zulassung bis hin zur Organisation verschiedener Teile und Rohstoffe aus Übersee haben wir alle eine Menge Arbeit investiert, damit wir unsere Ideen verkaufen konnten», so Herger. «So etwas ist einmalig», findet Moreno Suter. Er hat zusammen mit Irene Durrer und einer anderen Studentin eine kabellose Ladestation für Handys entworfen und produziert.

Bewusst auf öffentliche Unterstützung verzichtet

«Und Spass hatten wir dabei erst recht noch mehr, als wenn das Projekt als blosser Papiertiger verstaubt wäre», betont Durrer. Finanziert wurde das ungewöhnliche Projekt aus dem privaten Sektor. Sogenannte «Business-Angels» erklärten sich bereit, den Studenten Darlehen von teilweise bis zu 12 000 Franken zur Verfügung zu stellen. «Das ist eine riesige Verantwortung für uns», erklärt Suter. Auch gerade deshalb waren die Studenten «wild darauf, an den Produkten zu arbeiten», erklärt Andreja Torriani, der Leiter der HFTG. «Hier geht es um etwas Reales, und mittlerweile haben bereits mehrere Geschäfte Interesse an unseren Accessoires bekundet», berichtet er stolz. Auf finanzielle Unterstützung aus der öffentlichen Hand haben er und sein Fachleiter Markus Hostettler bewusst verzichtet. «Gerade beim aktuellen Sparklima wollten wir das Projekt nicht unter politischen Druck setzen.» Wären die Projekte seiner Schüler nicht erfolgreich, würde Torriani privat für deren Verluste haften. Diese auf den ersten Blick wagemutige Entscheidung setzt er aber gleich ins richtige Licht: «Wäre ich dazu nicht bereit, müsste ich meine Arbeit mit den Studenten und die Inhalte, die wir ihnen vermitteln, ernsthaft hinterfragen.» So aber sind er und sein Team sich sicher, dass sie zusammen mit ihren Studenten auch in Zukunft spannende Projekte mitten im Markt realisieren möchten.

Hinweis

Der Onlineshop von «Linitiert» ist unter www.linitiert.ch noch bis Ende Mai 2017 geöffnet.