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Kolumne

Bittere Tränen

Seitenblick
Rahel Hug
Rahel Hug (Bild: stk)

Rahel Hug (Bild: stk)

Ich weiss es noch, als wäre es gestern gewesen: Es ist der 17. Juli 1994, das Finalspiel der Fussball-Weltmeisterschaft in den USA, in dem Brasilien auf Italien trifft. Ich, gerade fünf Jahre alt geworden, schaue mir mit meiner Familie und Bekannten in Nachbars Stube auf Grossleinwand den Match an.

Dabei habe ich einen klaren Favoriten: die Azzurri. Die Italiener und niemand anderes haben in meinen Augen den Sieg verdient. Vielleicht liegt es daran, dass wir kurz zuvor tolle Badeferien in Kalabrien verbracht haben. Daran, dass ich Pizza und Pasta liebe. Daran, dass die Trikotfarbe – ein leuchtendes Königsblau – meine Lieblingsfarbe ist. Oder daran, dass ich seit Kindsbeinen in Sachen Sport irgendwie immer auf der Seite der Underdogs stehe.

Wie auch immer – je länger das Spiel dauert, desto nervöser werde ich. Bis zum Schluss gibt es keine Tore. Dann das Penaltyschiessen, bei dem es für unsere südlichen Nachbarn immer enger wird. Ich schicke einige Stossgebete zum Himmel, im kindlichen Irrglauben, damit das Ruder vielleicht noch herumreissen zu können. Die Anspannung wächst und wächst. Am Schluss die Tragödie: Italien verliert beim Elfmeterschiessen. Schluss, Ende, Finito, Basta. Eine wuchtige Enttäuschung für mich.

Die kleine Rahel kann das Augenwasser nicht mehr zurückhalten. Und weil sie sich derart schämt, rennt sie ohne Abschiedsworte raus, nichts wie weg von der gemütlichen Runde, rauf in die eigene Wohnung, und verkriecht sich im Bett. Bittere Tränen weinend.

Eine kleine Welt war zusammengebrochen. Weder Papa noch Mama und auch nicht Göttis Griff in die Glacétruhe können mich trösten. Der Abend war gelaufen – und auch die folgenden Tage, in denen ich betrübt weiterhin über das missglückten Endspiel nachdenke.

Heute kann ich, was Sport angeht, besser mit meinen Emotionen umgehen. Und über meine Kindheitserinnerung lachen. Tränen gab es seit dem Sommer vor 24 Jahren, soweit ich mich erinnern kann, nicht mehr. Zu einem erneuten Final zwischen Brasilien und meiner damaligen Lieblingsmannschaft kann es bekanntlich an dieser Weltmeisterschaft nicht kommen. Ein Déjà-vu ist also ausgeschlossen. Eines ist bis heute gleich geblieben: Mein Herz schlägt stets für die schwächere, weniger prominente Mannschaft. In diesem Sinne sage ich nur: Hopp Schwiiz!

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