Leserbrief

«Black Friday for Future»

Zum Black Friday vom Freitag, 29. November, und dem damit einhergehenden Konsumwahn

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«Greta meets Mammon.» Auf- und Untergang rücken heute manchmal ganz schön nahe zusammen. Schizophrenie im Alltag. Dass, wer einen solchen schwarzen Tag ausruft, auch noch zu einer Menge Geld kommt, kann erstaunen.

Es kam so: Am vierten Donnerstag im November feiert man in den USA Erntedank. Ein (konsumfreier) Feiertag. Umso grösser der Hunger (nach «Fressen und Saufen») danach. Der Black Friday soll diesen Hunger so richtig anstacheln. Der «Startschuss für den Weihnachtsverkauf» soll gleichentags gezündet werden, heisst es. Auch von «Rabattschlacht» ist in diesem Zusammenhang immer wieder die Rede. Beide Begriffe sind wohlgemerkt der Kriegssprache entliehen.

Mit Halloween und dem Black Friday sind in den letzten Jahren gleich zwei dieser weitgehend sinnfreien Anlässe von Amerika nach Europa übergeschwappt. Mein Vorschlag: Ganz einfach zurückschicken, portofrei, haben doch beide dieser Anlässe keinerlei Berührung mit unserer Kultur.

Die Globalisierung bringt manches durcheinander. Ein Einheitsbrei droht, die Auslöschung des Individuellen. Kunststück, nimmt Langeweile Überhand. Medienmagie und Konsumwahn tragen das Ihre dazu bei. Beide haben uns ganz schön im Griff. Belämmerte Bürger, die gesenkten Blicks, mehr ab- denn anwesend scharenweise durch die Gegend geistern, sind immer noch besser als aufmüpfige.

Trostvoll nur: Dem Tiefschlaf auf dem Fuss folgt das Erwachen. Jeder «schwarze Freitag» lädt ein, aufzuwachen, das Zepter wieder in die eigene Hand zu nehmen. Kein neuer Tag ohne vorausgehende Umnachtung. Und je schwärzer die Nacht, desto kostbarer ist das wieder gefundene Licht.

Daniel Wirz, Zug