Zug
Beste Blasmusik – im voll besetzten Saal

Nach langem Unterbruch: Endlich konnte die Stadtmusik Zug wieder ihr Jahreskonzert durchführen. Es herrschte ausgezeichnete Stimmung bei den Ausführenden und im Publikum – fast wie in Vor-Corona-Zeiten.

Jürg Röthlisberger
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Ein «Glanzpunkt»: Oboistin Catarina Castro war Gastsolistin am Konzert der Stadtmusik Zug.

Ein «Glanzpunkt»: Oboistin Catarina Castro war Gastsolistin am Konzert der Stadtmusik Zug.

Bild: Roger Zbinden (Zug, 13. November 2021)

Offensichtlich hatten viele auf das Konzert der Stadtmusik gewartet. Dies bezeugte der Publikumsaufmarsch, welcher den grossen Casinosaal fast bis auf den letzten Platz füllte. Noch mehr beeindruckte die ausgezeichnete Vorbereitung unter der Leitung von Sandro Blank; offensichtlich ist die erzwungene Spielpause bei den Mitwirkenden schadlos vorbeigegangen.

Das Programm bestand aus lauter Werken des 20. Jahrhunderts aus dem angloamerikanischen Sprachraum, mit Ausnahme des Engländers Derek Bourgeois alles US-amerikanische Komponisten. Trotzdem wirkte das Programm stilistisch ausgesprochen vielfältig. Verschiedene Komponisten machten auch Anleihen in frühere Stilepochen. Zu Beginn befand man sich nach Grundstruktur und verschiedenen Details der Stimmführung im Umfeld des Barocks. Später bewegte man sich mit einer nur wenig erweiterten Tonalität häufig in der Nähe der Romantik und Nach-Romantik.

Präzises, sicheres Zusammenspiel

Die Originale verlangten nur wenig Anpassungen an die vorhandene Besetzung; die Stadtmusik verfügt in allen Registern über spieltechnisch versierte Leute. Beneiden wird sie manche Musikgesellschaft um die 6 Waldhörner und die 4 Posaunen, diese allerdings nur sparsam solistisch eingesetzt. Fast durch das ganze weitere Programm gelang ein präzises und sicheres Zusammenspiel; vergessen blieben danach einige Unsicherheiten nur ganz zu Beginn mit den überhasteten Einsätzen der «Rainbow-Ouverture». Transparent überzeugte die fast immer ausgezeichnete Intonation, und auch die dynamische Abstufung zwischen den einzelnen Registern erschien innerlich logisch.

Einen zusätzlichen Glanzpunkt setzte die professionelle Oboistin Catarina Castro mit dem Solopart des «Autumn Soliloquy» von James Barnes. Mit makelloser Tongebung gestaltete sie mehrere Kadenzen, und sie fand auch ein präzises Zusammenspiel mit einzelnen Mitgliedern des Orchesters (Horn!). Auch sonst überzeugte der oft sehr enge Wechsel zwischen den Soli der Stimmführer und den Tuttistellen. Neben der Hauptsolistin gestalteten auch Urs Thomann (Englischhorn) und Sabin Birrer (Fagott) mehrere exponierte Soli. Besonders gefordert waren die Mitwirkenden der quantitativ nur schwach, aber qualitativ sehr gut besetzten Bassstimmen. Als umfangreichstes Werk erklang «Gallimaufry» von Guy Woolfenden (1937-2016), bestehend aus sechs Sätzen, welche aber praktisch nahtlos aneinander gefügt wurden. Ein weiteres Mal beeindruckte die ausgezeichnete Vorbereitung; ohne Erklärungen nicht nachvollziehbar war allerdings das durch die Musik geschilderte Gemisch zwischen dem historischen Rückblick auf ein Drama von Shakespeare und kirchenkritischen Äusserungen.

Bis an die akustischen Grenzen des Saales...

Einen scharfen Kontrast bildeten die beiden nachfolgenden Stücke: Der fast immer homofone «Symphonic essay» erreichte mit der gewählten Lautstärke manchmal die akustischen Grenzen des Casinosaals. Romantisch beruhigend wirkte daneben «Sheltering Sky» von John Mackay. Den Abschluss bildete die «First Suite von Alfred Reed», mit vier diesmal zeitlich und stilistisch klar unterscheidbaren Sätzen. Mit ihrer leicht fasslichen Struktur fanden sie auch einen sehr direkten Draht zum Publikum.

Den langen und intensiven Applaus verdankte die Stadtmusik mit dem weltbekannten Amerikanischen Marsch von John Philip Sousa.

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