Werden Zugreisende in den Süden länger auf die schnellere Verbindung warten müssen?

Wegen des Coronavirus ruhen die Arbeiten auf der Bahnstrecke von Zug bis Arth-Goldau. Die Konsequenzen daraus sind noch unklar.

Marco Morosoli
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Eines ist gewiss: Am Gründonnerstag um 19.35 Uhr wird für längere Zeit die letzte Stadtbahn vom Bahnhof Zug nach Oberwil fahren. Wie es dann weitergeht, ist jedoch derzeit noch unklar. Der SBB-Sprecher Oli Dischoe verweist auf An­frage auf eine Mitteilung seines Arbeitgebers. Dort ist festgehalten, dass die SBB die ungefähr 270 Grossbaustellen für «den Ausbau und die Erneuerung der Bahninfrastruktur» temporär heruntergefahren haben.

Davon betroffen sind auch die Bauarbeiten am Zugersee-Ostufer. Je nachdem, wie lange die Coronavirus-bedingte Sperre noch dauert, müsste die Wiedereröffnung der Bahnstrecke von Zug über Walchwil nach Arth-Goldau zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2020 wohl nach hinten verschoben werden. Dann müsste der Wendezugbereich über den Ennetsee für länger als geplant aufrechterhalten bleiben.

Stadtbahnen nach Oberwil werden vorerst nur noch bis zum Abend am Gründonnerstag fahren.

Stadtbahnen nach Oberwil werden vorerst nur noch bis zum Abend am Gründonnerstag fahren.

Bild: Maria Schmid (7. April 2020)

Auf der Bahnstrecke Zugersee-Ost, so schrieb Dischoe Anfang März auf Anfrage, sind «rund 200 Arbeiter» im Einsatz. Den Baufortschritt beschrieb der SBB-Sprecher damals als «auf Kurs». Durch die am 20. März getroffene Entscheidung der SBB, alle nicht systemrelevanten Arbeiten einzustellen, dürften Verzögerungen im Bereich von Zugersee-Ost eintreten. Am 14. April würden eigentlich die Bauarbeiten auf der Strecke Zug–Oberwil beginnen. Diese Arbeiten haben in vielen Bereichen Schnittstellen mit Bauvorhaben der Stadt Zug. So etwa im Bereich der Mänibachbrücke. Diese wiederum wirken sich auf eine andere Brücke aus. Die Stadt Zug will zudem in der Gotthardstrasse eine Personenunterführung bauen. Diese Arbeiten bedingen wieder ein Agieren der SBB, die eine Weiche in diesem Bereich ausbauen müssen. Gemäss einem unserer Zeitung vorliegenden Bauablaufplan sind die Zeitfenster für gewisse Abläufe und Arbeiten jedoch nicht endlos verlängerbar.

Die Stadt und die SBB müssen wohl reden

Klar scheint deshalb, dass sich die SBB-Verantwortlichen und die Stadt Zug nach dem Ende der Arbeitssperren an einen Tisch setzen müssen, um den eng getakteten Ablaufplan für die Arbeiten am letzten Stück der Bahnstrecke von Zug nach Arth-Goldau noch einmal aufzugleisen. Die Strecke dürfte nicht am Tag nach dem Abzug des letzten Bauarbeiters wieder befahrbar sein. Für die notwendigen Prüfungen und Testfahrten rechnen die SBB mit rund einem Monat.

Infolge der Massnahmen gegen das Coronavirus ist der Bahnverkehr schweizweit sehr stark eingebrochen. Das macht sich natürlich auch in Zug bemerkbar. So fährt zum Beispiel mittlerweile zwischen Luzern und Zürich nur noch ein Zug pro Stunde. Diese SBB-­Strecke ist die dritthäufigst frequentierte Verbindung in der Schweiz. Weitere Züge dürften gestrichen werden. Im Vorjahr waren an einem Werktag 9223 Züge unterwegs. Wie viele es derzeit sind, kann der SBB-­Sprecher Oli Dischoe nicht sagen.