Blicke hinter die Klostermauern

Die Prägung der Sakrallandschaft um den Bodensee ist in ihrer Dichte einzigartig. Die so genannten «Klostererlebnistage» führen in die spirituellen Zentren der Bodenseeregion.

Andreas Faessler
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Inneres der Klosterkirche Ittingen. (Bild: Andreas Faessler)

Inneres der Klosterkirche Ittingen. (Bild: Andreas Faessler)

Konstanz war einst das mit Abstand grösste der deutschen Bistümer und entsprechend einflussreich, was die kulturelle und spirituelle Entwicklung ­seines Einzugsgebietes betraf. Dieses reichte mitunter von Bern bis nördlich von Stuttgart und schloss die Zentralschweizer Kantone mit ein. Über die Jahrhunderte gedieh in der Diözese Konstanz wie auch im angrenzenden Bistum Augsburg eine ausgeprägt vielfältige klösterliche Wirtschafts- und Lebensweise, Klostergemeinschaften und Ordensleute waren hierbei wichtige ­Impulsgeber. Besonders reich ist die Sakrallandschaft im Einzugsgebiet des Bodensees angewachsen, wo wir eine Dichte an einflussreichen Klosteranlagen und historisch bedeutenden Kirchen finden, wie sie im Abendland ihresgleichen sucht. In der näheren Seeregion sind neben der Fürstabtei St. Gallen und der Reichsabtei Salem insbesondere die Klöster Reichenau, Weingarten, Weissenau, Diessenhofen, Schaffhausen oder Ittingen hervorzuheben.

«Bodenseebarock» in der Zentralschweiz

Die Bedeutung dieser Klöster war und ist freilich nicht nur im Wirken der jeweiligen Gemeinschaft zu suchen – sie zeugen eindrucksvoll von der Handwerkskunst, welche die Meister von damals bis zur höchsten Vollendung beherrschten. Vor allem der in der Bodenseeregion stark vertretene süddeutsche Barock war im 17. und 18. Jahrhundert stilprägend bis weit über die Bistumsgrenzen hinaus. Gefeierte Barockmeister wie Caspar Moosbrugger, Peter Thumb, Franz Beer oder Jacob Singer zeichnen unter anderem auch in der Zentralschweiz für bedeutende Sakralbauten verantwortlich. Zu den wichtigsten, vom süddeutschen Barock beeinflussten Bauwerken in unserer Gegend zählen unter anderem die Klöster Einsiedeln, St. Urban, Seedorf, Engelberg und Muri sowie die Jesuitenkirche in Luzern und die Pfarrkirche in Lachen.

Kartause Ittingen. (Bild: Andreas Faessler)
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Kartause Ittingen. (Bild: Andreas Faessler)
Kloster St. Katharinental, Diessenhofen. (Bild: Andreas Faessler)
Kloster St. Katharinental, Diessenhofen. (Bild: Andreas Faessler)
Fürstabtei St. Gallen. (Bild: Andreas Faessler)
Fürstabtei St. Gallen. (Bild: Andreas Faessler)
Reichsabtei Salem. (Bild: Andreas Faessler)
Reichsabtei Salem. (Bild: Andreas Faessler)
Kloster Ottobeuren. (Bild: Andreas Faessler)
Kloster Ottobeuren. (Bild: Andreas Faessler)
Kloster Schussenried. (Bild: Andreas Faessler)
Kloster Schussenried. (Bild: Andreas Faessler)
Kloster Weingarten. (Bild: Andreas Faessler)
Kloster Weingarten. (Bild: Andreas Faessler)
Kloster Wiblingen. (Bild: Andreas Faessler)
Kloster Wiblingen. (Bild: Andreas Faessler)

Kartause Ittingen. (Bild: Andreas Faessler)

Klöster aus diverser Sicht erleben

Um diese aussergewöhnliche Vielfalt an Stätten spirituellen und kulturellen Wirkens rund um das «Schwäbische Meer» auf neuen Wegen erleb- und erfahrbar zu machen, führt die Projektgemeinschaft «Kirchen, Klöster & Konzil in der Bodenseeregion» vom 11. bis 14. Oktober 2018 erstmals die so genannten «Klostererlebnistage Bodensee» durch. Facettenreiche Einblicke in die prägende Geschichte des klösterlichen Lebens werden ermöglicht im Rahmen von Führungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, mit Gesprächen, Impulsvorträgen oder auch Übernachtungen in einem Kloster und der damit verbundenen Gelegenheit, am spirituellen Leben der Gemeinschaft aktiv teilzunehmen. Die ehemaligen Zentren von Wissen, Handwerk, Kultur und Macht zeugen bis heute von der einstigen Hochblüte, vom wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung, der bis weit über die Grenzen der Region ­hinaus reiche Früchte trug.

21 Stätten spirituellen Wirkens

Die Klostererlebnistage Bodensee zeigen anschaulich auf, wie eng das spirituelle Leben hinter Klostermauern mit Baukunst, Landschaft und nicht zuletzt auch mit dem weichenstellenden Konzil von Konstanz verknüpft war und immer noch ist. Insgesamt 21 historisch stark aufgeladene Orte stehen zur Auswahl – vier davon in der Schweiz –, von denen einige auch im weiteren Einzugsgebiet des Bodensees liegen, aber noch Teil der Oberschwäbischen Barockstrasse sind. Die für die «Klostererlebnistage Bodensee» verantwortlich zeichnende Projektgemeinschaft ist ein Zusammenschluss von Vertretern der Kirche, Kulturschaffenden und Touristikern.

Klostererlebnistage Bodensee vom 11. bis 14. Oktober 2018. Sämtliche Informationen und das detaillierte Programm unter www.bodensee-kloester.eu