Boris Becker muss seinen Pfarrer nur teilweise entschädigen

Der deutsche Ex-Tennisstar Boris Becker hat vor Gericht gegen seinen St.Moritzer Pfarrer Brent Fisher verloren – aber nur zu einem kleinen Teil. Er muss den Geistlichen entschädigen, aber nicht im geforderten Umfang von 9600 Franken.

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Am 28. Oktober stand Boris Becker in Zug vor Gericht. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Am 28. Oktober stand Boris Becker in Zug vor Gericht. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Mehr als zwei Jahre nach seiner Hochzeit mit dem Model Lilly Kerssenberg hat Becker immer noch eine Rechnung offen: Jene des evangelischen Pfarrers Brent Fisher, der die beiden Prominenten in der St.Moritzer Kapelle «Regina Pacis» zu Mann und Frau machte.

Sie beträgt 9600 Franken - viel zu hoch, wie Becker findet. Fisher habe ihm gesagt, dass eine Zeremonie bei ihm etwa 2100 Franken koste. Der Pfarrer begründete den Betrag mit dem «erheblichen Zusatzaufwand», der ihm durch die an den Fernsehsender RTL verkaufte Promi-Hochzeit entstanden sei.

Becker muss nur 1300 Franken mehr bezahlen

Weil Becker nicht zahlen wollte, zerrte der Pfarrer ihn vor das Zuger Kantonsgericht. Dieses ist für den Fall zuständig, weil Becker offiziell Einwohner von Risch am Zugersee ist. Gemäss dem Urteil, das der Nachrichtenagentur sda vorliegt, muss Becker nun tatsächlich etwas tiefer in die Tasche greifen als gewollt.

Er muss statt wie vereinbart 2100 nun 3400 Franken zahlen. Dieser Betrag soll den Mehraufwand des Pfarrers begleichen, da dieser im letzten Moment versuchen musste, eine katholische Zeremonie zu organisieren - weil Beckers Mutter dies plötzlich so wünschte.

Zudem bemerkte Fisher, dass es Becker und seine Braut versäumt hatten, mit dem katholischen Pfarrer der «Regina Pacis» das Gespräch zu suchen. Dies wäre nötig gewesen, weil Kerssenberg evangelisch und zudem geschieden ist.

Die katholische Trauung war zwar nicht mehr möglich, aber immerhin musste die Zeremonie in der katholischen Kapelle nicht abgesagt werden. Becker selber räumte im Oktober 2011 vor Gericht ein, «den einen oder anderen nicht gefragt zu haben.»

Unter dem Strich Verlustgeschäft für den Pfarrer

Auf den Rest der geforderten 9600 Franken muss Fisher jedoch verzichten. Dies, weil er Becker nicht darüber informierte, dass die Kosten aus dem Ruder liefen. Der Pfarrer habe damit seine Benachrichtigungspflicht verletzt, schreibt das Gericht.

Fisher habe seinen Aufwand zudem nicht detailliert aufgelistet und alle Punkte nachweisen können, so etwa Telefonate und E-Mails. Weiterer Streitpunkt, in dem Fisher nun unterlag, waren die Interviews mit den Medien, zu denen er sich zwar bereit erklärte - sie dann aber mit vier Stunden à 175 Franken in Rechnung stellte.

Weil Fishers Klage damit zu einem grossen Teil abgewiesen wurde, muss der Pfarrer einen Teil von Beckers Anwaltskosten übernehmen, konkret 2935 Franken. Unter dem Strich bleiben Fisher damit als Honorar gerade mal noch 465 Franken.

Becker akzeptiert das Urteil

Da seine Anwaltskosten darin noch nicht eingerechnet sind, dürfte die Traumhochzeit für den Pfarrer zum Verlustgeschäft werden. Ob er das Urteil akzeptiert, ist noch unklar. Sein Anwalt war am Donnerstag nicht zu erreichen.

Zufrieden ist man hingegen auf der Gegenseite. Boris Becker akzeptiere das Urteil, sagte sein Anwalt auf Anfrage. Was sein Mandant nun noch draufzahlen müsse, sei schliesslich deutlich tiefer als das, was der Pfarrer gefordert habe.

sda