BOSSARD-ARENA: Die laute Hatz auf den Bären

So leidenschaftlich, wie die EVZ- Fans ihre Mannschaft anfeuern, ist der Final eigentlich vorprogrammiert. 60 Minuten in der Nordkurve sind der beste Beweis dafür.

Wolfgang Holz und Luc Müller
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In der Herti-Nordkurve war gestern der Teufel los. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

In der Herti-Nordkurve war gestern der Teufel los. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der eiskalte Wind bläst fast so frostig über den Zuger Arenaplatz wie durch die Wälder von Novosibirsk. Dort, wo noch Russen wilde Bären erlegen. In der Bossard-Arena versuchte gestern Abend ein ganz anderer Bär in Zug zu brüllen – der aus Bern. Doch der zeigt sich so lendenlahm, dass ihn die Zuger Hockeyspieler am Ende fast problemlos erlegen. Nicht zuletzt dank der lautstarken Unterstützung ihrer Fans in der Nordkurve – die ihre Mannschaft regelrecht zum Erfolg peitschen.

Jubel bei den EVZ-Fans nach Spielschluss. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
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Ausgelassene Stimmung bei EVZ-Fans nach einem Tor. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Liebling der Fans: EVZ-Spieler Reto Suri, der am Dienstagabend zwei Tore schoss. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Nicht alle sind mit den Entscheidungen der Schiedsrichter einverstanden. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Zugs Linus Omark kann seine Chance vor dem Berner Tor nicht nutzen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Zug Linus Omark setzt vor Berns Philippe Furrer zum Schuss an. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Zugs Josh Holden und Berns Philippe Furrer (links) und Christoph Bertschy (rechts). (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Zugs Linus Omark in Bedrängnis durch Berns Beat Gerber. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Voller Emotionen: Zwei EVZ-Fans. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Zugs Fabian Sutter im Duell mit Berns Christoph Bertschy (#94). Ganz rechts Linus Omark vom EV Zug. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Zugs Reto Suri und Josh Holden. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Zugs Nolan Diem (rechts) im Zweikampf mit Cédric Schneuwly. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Jubel bei den EVZ-Fans. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Reto Suri, Josh Holden, Timo Helbling, Corsin Casutt und Andreas Furrer (von links) feiern einen Treffer des EVZ. (Bild: Keystone)
Jubel bei Björn Christen nach seinem Traumpass auf Fabian Sutter (nicht im Bild). (Bild: Keystone)
Zugs Josh Holden feiert das 2:0. (Bild: Keystone)
Fabian Sutter, Linus Omark und Björn Christen feiern einen Treffer des EVZ. (Bild: Keystone)
Zugs Josh Holden (Mitte) gegen Berns Ivo Rüthemann. (Bild: Keystone)
Zugs Alessandro Chiesa (links) gegen Berns Tristan Scherwey. (Bild: Keystone)
Jubel bei Zugs Reto Suri nach dessen Tor, zusammen mit Alessandro Chiesa (links) und Josh Holden. (Bild: Keystone)
Die Zuger Jussi Markkanen, Andy Wozniewski und Alessandro Chiesa gegen Berns Tristan Scherwey (von links). (Bild: Keystone)
Zugs Nolan Diem (links) gegen Berns Franco Collenberg. (Bild: Keystone)
Nolan Diem vom EVZ (links) beim Bully gegen Berns Byron Ritchie. (Bild: Keystone)
EVZ-Stürmer Linus Omark. (Bild: Keystone)
Zugs Andy Woziewski (links) gegen Berns Tristan Scherwey. (Bild: Keystone)
Zugs Josh Holden trifft zum 5:2 und lässt Marco Bührer alt aussehen. (Bild: Keystone)
Captain Fabian Schnyder und seine Mitspieler nach Abpfiff. (Bild: Keystone)
Enttäuschte Berner Gesichter nach Spielende. (Bild: Keystone)
Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ
Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ

Jubel bei den EVZ-Fans nach Spielschluss. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Suri elektrisiert die Fans

Die Fans nehmen schon vor dem Match die Fährte des Bären auf. «Wir schlagen die Berner heute Abend – weil wir Zuger sind», ist ein Mann im ­blauen Anorak, der eigentlich für das «Jugendzentrum» in der Nordkurve schon fast zu gereift wirkt, total überzeugt. Was solls. Hier im klassen- und alterslosen Epizentrum der Zuger Eishockeyleidenschaft ist die Freiheit grenzenlos. Allein das Herz für den EVZ zählt. Und das macht sich längst lautstark seit einigen Minuten bemerkbar, als sich das Rund verdunkelt hat und die Zuger Bärenfänger aufs Eis kommen. Die Fans schreien aus vollen Kehlen «EVZ olé!». Dem Einpeitscher am Mikrofon schwellen die Halsadern bedrohlich an. Die Trommeln dröhnen im düsteren «Dschungelrhythmus». Und die blau-weissen Fahnen wirbeln wie bei einem veritablen Schlachtzug über den Köpfen der Fans. Als Reto Suri das erste Mal den Puck in die Maschen donnert, scheint es, wie wenn der Bär zum ersten Mal von einem grosskalibrigen Geschoss an der Hüfte getroffen worden ist. Als dieser mit einer Tatze zurückfaucht, schicken ihn die Schiedsrichter auf die Strafbank. Und die Zuger Fans winken ihn genüsslich weg: «Usse, usse, usse.» Als Suri zum zweiten Mal die Hatz auf die Berner Bären startet und wieder einen Treffer landet, kocht die Nordkurve vor Begeisterung. Die Dezibel knallen ohrenbetäubend aufs Trommelfell. Der Bär verkriecht sich fast in die Höhle. Doch es gibt kein Entkommen. «Wir sind immer vorne mit dabei, wir sind parat, wir sind ZG», singen die Fans ihre Schlachtgesänge und freuen sich über den frühen Triumph. Zu früh. Denn Raubtiere sind bekanntlich am gefährlichsten, wenn sie angeschlagen sind. Und prompt schiessen die Berner den Anschlusstreffer. «Puckverlust an der eigenen blauen Linie führt zum Tor», hackt ein sympathisches Nordkurven-Girlie in ihr iPhone. Und schon ist die Botschaft weg – wohin auch immer.

Doch die Bärenhatz im ersten Drittel hat nicht nur viel Schweiss auf den Stirnen der EVZ-Getreuen gekostet. Auch die Bärenfänger wirken im zweiten Abschnitt etwas müde. «Kämpfet, Zuger kämpfet», muntern die Fans ihre mutigen Mannen auf dem Eis auf. Und als der angeschlagene Bär nun plötzlich öfters vor dem EVZ-Goalie auftaucht, rufen sie dankbar «Jussi, Jussi!», als dieser die schwarze Scheibe sicher mit seinem Bärentöter-Handschuh fängt.

Das finale Halali

«Sie werden gewinnen, sie haben gut verteidigt», sagt ein echter Naturbursche in hellblauer Fanjacke und mit Rauschebart aus Arth-Goldau – vor dem letzten Drittel. Und Recht hat er. Denn danach blasen die Fans endgültig zum Halali: Sutter und Holden versetzen dem Bären den finalen Todesstoss. Die Schlachtenbummler in der Nordkurve verzücken in kollektiver Freude und verbrüdern sich spontan mit völlig Fremden. Und fallen sich bierselig in die Arme.

Hinweis:

Den Matchbericht zum Spiel lesen sie auf www.zugerzeitung.ch/evz