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BOSSARD: Die Familie hinter der Zuger Erfolgsfirma

Seit mehr als 185 Jahren schreibt das Zuger Unternehmen Industriegeschichte. Über Generationen hinweg gelingt es den Nachkommen der Gründerfamilie, die Firma zu führen. Ein Einblick in die Machtzentrale des börsenkotierten Familienkonzerns.
Thomas Schmuckli, Verwaltungsratspräsident von Bossard (links), und Beat Grob, Verwaltungsratspräsident der Kolin-Holding, im Logistikzentrum von Bossard. (Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 19. Juni 2017))

Thomas Schmuckli, Verwaltungsratspräsident von Bossard (links), und Beat Grob, Verwaltungsratspräsident der Kolin-Holding, im Logistikzentrum von Bossard. (Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 19. Juni 2017))

Ernst Meier

ernst.meier@zugerzeitung.ch

Der Name Bossard dürfte ausserhalb von Zug vor allem Sportinteressierten ein Begriff sein, denn das Stadion des EV Zug, die Bossard-Arena, ist nach dem Unternehmen benannt. In der Wirtschaftswelt fällt Bossard immer mal wieder auf. Unter anderem, weil das Unternehmen zu den Zulieferern des Elektrofahrzeugherstellers Tesla zählt. In den Elektrofahrzeugen stecken Schrauben – genauer gesagt Verbindungstechnologie – von Bossard. Dank Innovation, Spezialisierung und einer geschickten Hand bei Übernahmen ist es Bossard gelungen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Speziell: Bossard wird bis heute von den Nachkommen der Gründerfamilie geführt. Derzeit bestimmt die siebte Generation die Geschicke, während Vertreter der achten Generation allmählich anfangen, im Konzern Fuss zu fassen.

Die Entscheidungsträger bei Bossard standen immer wieder vor schwierigen Situationen und blieben auch von Schicksalsschlägen nicht verschont. Während des Zweiten Weltkriegs musste das Geschäft trotz gestoppter Eisenzufuhr weitergeführt werden. Und eine erste Übernahme in den 1970er-Jahren in Deutschland erwies sich als Fehler. Nach Jahren des Wachstums musste Bossard Personal abbauen. Die akquirierte Firma wurde wieder verkauft.

Abrupter Generationenwechsel

Anfang der 2000er-Jahre verlor Bossard durch tragische Ereignisse Verwaltungsratspräsident und CEO. Peter Bossard war 2001 Zuger FDP-Regierungsrat und gleichzeitig Bossard-Präsident, als er beim Attentat im Kantonsparlament getötet wurde. Ende 2004 verstarb sein Bruder Heinrich, der als CEO das Familienunternehmen leitete, bei einem Flugzeugabsturz in Neuseeland. «Früher als erwartet standen wir von der siebten Generation in der Verantwortung», erzählt Beat Grob (55). Seine Mutter, Susy Grob-Bos­sard, ist die Schwester von Peter und Heinrich Bossard. Beat Grob leitet heute das Zentraleuropa-Geschäft von Bossard und ist Verwaltungsratspräsident der Kolin-Holding. In dieser Gesellschaft sind alle Bossard-Aktien der Familienmitglieder, sprich die Kontrollmehrheit an Bossard, eingebracht. Das Aktien­paket umfasst zusammen mit den Aktien in der familieneigenen Unternehmensstiftung mit 28 Prozent des Kapitals rund 56 Prozent aller GV-Stimmen.

Beat Grob: «Wir sind 2005 in der Familie zusammengesessen und haben uns die Frage gestellt, ob wir die Arbeit unserer Vorfahren weiterführen wollen und überhaupt können.» Konkurrenzunternehmen und auch Finanzinvestoren ­waren damals interessiert, Bossard zu übernehmen. «Wir haben uns aber einstimmig entschieden, Bossard in der Familie zu behalten», sagt Grob und führt aus: «Für uns ist Bossard nicht nur eine Frage des Besitzes, sondern auch der Kultur und der Werte. Will heissen: Wir wollen sicherstellen, dass Familien­mitglieder aktiv im Unternehmen in bedeutenden Positionen tätig sind und die Werte vorleben, die uns wichtig sind.» Entsprechend habe man 2005 ein Leitbild erarbeitet. «Darin ist festgehalten, wie wir das Unternehmen führen.»

Verschiedene Funktionen konnten seither mit Familienmitgliedern neu besetzt werden. Verwaltungsratspräsident von Bossard ist heute Thomas Schmuckli-Grob (54). Der gebürtige Luzerner heiratete Susanne Grob, die Tochter von Susy Grob-Bossard und Schwester von Beat Grob. Der Jurist ist seit 2000 im Bossard-Verwaltungsrat und seit 2007 dessen Präsident. «Für mich war es eine grosse Chance, im Verwaltungsrat Einsitz zu nehmen», sagt Thomas Schmuckli. In den ersten Jahren habe er vor ­allem viel zugehört und gelernt. Nach dem Tod von Peter Bossard übernahm der langjährige Verwaltungsrat Kurt Reichlin das Präsidium. Thomas Schmuckli ist selber nicht an Bossard beteiligt. «Die Aktien der Kolin-Holding gehören meiner Frau», erklärt er. Auch einen Erb­anspruch an der Beteiligung hat Schmuckli als Zugeheirateter nicht. So wollen es die Regeln im Familienkonzern.

Neben Beat Grob und Thomas Schmuckli sind heute drei weitere Familienmitglieder im Unternehmen tätig: Daniel Bossard (Sohn von Heinrich) ­leitet das Nord- und das Osteuropa­geschäft, er ist auch Verwaltungsrat der Kolin-Holding, Andreas Bertaggia (Schwiegersohn von Peter) ist für Einkauf und Logistik verantwortlich und ist ebenfalls Verwaltungsrat der Kolin-Holding. Mit Helene Wetter-Bossard (Tochter von Peter) ist eine weitere Familienvertreterin im Verwaltungsrat. «Wir haben in unserem Leitbild festgeschrieben, was es braucht, damit ein Familienmitglied eine Position im Unternehmen übernehmen kann», erklärt Grob. Nebst einem überzeugten Wollen brauche es auch ein positions­gerechtes Können. «Nur weil man zur Familie gehört, hat man nicht automatisch eine Funktion auf sicher», sagt er und fasst zusammen: «Business first.»

CEO des Unternehmens, das 700 Millionen Franken Jahresumsatz erwirtschaftet und 2200 Personen beschäftigt, ist David Dean. Er ist der erste operative Gesamtverantwortliche in der Bossard-Geschichte, der nicht zur Familie gehört. Dean war Finanzchef und wurde nach dem Tod von Heinrich Bos­sard im Dezember 2004 CEO.

41 Angehörige umfasst die Bossard-Familie heute

Fünfmal pro Jahr trifft sich die Kolin-Holding zur VR-Sitzung. Neben der Generalversammlung führt die Holding jährlich einen Familien- und einen Strategietag durch. «Dabei geht es darum, den Kontakt unter den Familienmitgliedern zu pflegen», sagt Beat Grob. Ziel sei es auch, die nächste Generation mit dem Unternehmen vertraut zu machen. 41 Personen umfasst die Bossard-Familie heute – vom ältesten Familienmitglied mit Jahrgang 1929 bis zum jüngsten Vertreter mit Jahrgang 2014. «Wir haben die Strukturen geschaffen für den bevor­stehenden Generationenwechsel», sagt Beat Grob. «Unsere Nachkom­men sollen die Wahl haben, rein als Aktionäre mitzumachen, aktiv bei Bossard mitzuarbeiten oder auch teilweise oder ganz aus dem Unternehmen auszusteigen.»

Neben der Kolin-Holding unterhält die Familie deshalb noch eine Unternehmensstiftung. «Will ein Familienmitglied aussteigen, so muss es die Anteile erst den Geschwistern oder der Holding anbieten. Übernimmt niemand die Titel, so werden sie mit dem Geld aus der Stiftung zurückgekauft.» Dank der Strukturen sei ein Ausstieg möglich, ohne dass das Unternehmen verkauft werden müsse. «Dieser Fall ist bereits einmal eingetreten, und wir konnten ein Familienmitglied auszahlen», erklärt Beat Grob.

«Der Familienfrieden ist ein sehr wertvolles Gut», bilanziert Beat Grob. Es habe auch schon heikle, subjektive Themen in der Holding zu bewältigen gegeben. «Da ziehen wir bewusst externe, ob­jektive Experten bei, denn als Familienmitglied ist man letztlich immer auch Partei.»

Hinweis

Dieser Text erschien in der Sonderbeilage «Zuger Wirtschaft» vom 21. Juni 2017.

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