Bossard verzeichnet Gewinnrückgang

Obwohl die Wirtschaft in Europa im vergangenen Jahr schwächelte, hat der Schraubenhändler Bossard seinen Umsatz 2012 um 2,9 Prozent auf 487,1 Mio. Fr. steigern können. Mit 42,9 Mio. Fr. wurde zudem der dritthöchste Gewinn der Geschichte des 1831 in Zug gegründeten Unternehmens erzielt.

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In der Gewinnzone: Der Zuger Schraubenhändler Bossard. (Bild: PD)

In der Gewinnzone: Der Zuger Schraubenhändler Bossard. (Bild: PD)

Massgeblich zum Resultat beigetragen hat die Geschäftsentwicklung in den USA und in Mexiko. Dort verzeichnete Bossard ein Umsatzwachstum von 10,6 Prozent. Mit umgerechnet 152 Mio. Fr. trägt das Geschäft in Amerika mittlerweile nicht ganz ein Drittel zum gesamten Umsatz bei.

Treibende Kraft hinter dem Wachstum ist ein Grosskunde, der inzwischen laut Konzernchef David Dean knapp 48 Prozent zu Bossards Umsatz auf der anderen Seite des Atlantiks beiträgt: der bekannte Traktorenhersteller John Deere. Dank einer guten Nachfrage nach Landmaschinen und Preiserhöhungen entwickelt sich das amerikanische Unternehmen derzeit blendend. Und mit ihm Bossard.

Das Schweizer Unternehmen liefert dem Hersteller der grün-gelben Traktoren und Mähdrescher 12'000 verschiedene Schrauben und Verbindungselemente. Pro Jahr werden insgesamt 600 Mio. Teile an 27 Produktionsstandorte von John Deere spediert, wie es am Dienstag an der Medienkonferenz von Bossard hiess.

Nicht nur für Bossard ist das Geschäftsverhältnis ein besonderes, auch für John Deere: Er hat Bossard für das vergangene Jahr deshalb als «Partner Level Supplier» ausgezeichnet. Gemäss Bossard ist das die höchte Bewertung, die John Deere einem Zulieferer aufgrund dessen Pünktlichkeit, Produktequalität und Vorschlägen zur Verbesserung der Produktivität überhaupt zuspricht.

Modell nicht einfach kopierbar

Das erfolgreiche Modell des engen Geschäftsverhältnisses zwischen Hersteller und Zulieferer auf andere Grossunternehmen auszuweiten, ist allerdings nicht einfach. Bossard-Chef David Dean wies vor Analysten und Journalisten drauf hin, dass Grosskonzerne bei ihren Entscheidungen oft schwerfällig seien.

Dadurch gestalte sich der Aufbau einer weitergehenden Geschäftsbeziehung aufwendig. «Es geht zudem darum, eine gute Marge zu erzielen», sagte Dean weiter. Wenn dies mit kleineren Unternehmen besser gehe, sei es Bossard auch recht. Bei der Kundenakquisition in den USA sieht Dean insbesondere Potenzial bei Unternehmen, die bereits in Europa Bossard-Kunden sind.

Mit der letzten Oktober bekannt gegebenen Übernahme der Verbindungstechniksparte der KVT König Gruppe hat Bossard seinen Kundenstamm erheblich ausweiten können. Fast noch wichtiger als die zusätzlichen Kunden ist gemäss Dean aber die Palette an spezifischen Produkten, die durch die Übernahme von KVT Fastening nun von Bossard aus einer Hand angeboten werden könnten.

Kapitalerhöhung notwendig

Der rund 200 Mio. Fr. teure Kauf der KVT-Sparte führt aber auch dazu, dass Bossard neues Geld braucht, um den Eigenkapitalanteil wieder zu erhöhen. Die Übernahme drückte Bossards Eigenfinanzierungsrad von 62,3 Prozent Ende 2011 auf 13,3 Prozent Ende vergangenen Jahres. Im März führt das Unternehmen deshalb eine Kapitalerhöhung durch.

Doch auch operativ dürfte es Bossard gelingen, sein Eigenkapital wieder aufzubauen. Zwar ist der Reingewinn 2012 um 4,2 Prozent tiefer ausgefallen als noch im Jahr davor und der Betriebsgewinn (Ebit) um 5,4 Prozent auf 47,6 Mio. Fr. gesunken. Im langjährigen Vergleich bewegt sich der Gewinn aber weiter auf hohem Niveau. Zudem ist die Gewinnmarge nach Bossards eigenen Angaben eine der besten der Branche. Und jene der akquirierten KVT Fastening liegt sogar noch höher.

sda