Boswil und Bünzen sprechen über eine Fusion

Die beiden Gemeinden haben eine Arbeitsgruppe zur Vorbereitung eines Zusammenschlusses gebildet.

Marc Ribolla
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Die beiden unabhängigen Gemeinden machen erste Schritte Richtung Fusion.

Die beiden unabhängigen Gemeinden machen erste Schritte Richtung Fusion.

Bild: Marc Ribolla

«Hallo, ja, grüezi Frölein, da isch Kuenz. Kuenz im Moment in Bünze bi Boswil.» Diese Worte zum Auftakt eines legendären Telefonats von Kabarettist César Keiser machten die beiden Gemeinden Boswil und Bünzen in der ganzen Schweiz berühmt. Der Sketch aus den 1960er-Jahren ist ein Klassiker in der Geschichte des Cabarets. Würde Keiser noch leben, müsste er seine Nummer sprachlich vielleicht bald anpassen.

Denn die beiden bisher unabhängigen Gemeinden haben erste Schritte zu einer Fusion unternommen. Wie der Boswiler Ammann Michael Weber auf Anfrage bestätigt, hat die Vorbereitungsgruppe zum Zusammenschluss Boswil–Bünzen kürzlich die Ortsparteien über den Stand der Dinge informiert. In der Kommission haben nebst Weber auch der Boswiler Vizeammann Jakob Dolder und Gemeindeschreiber Roger Rehmann Einsitz.

Von Seiten Bünzens sind Gemeindeammann Marlise Müller, Vizeammann Peter Huber und Gemeindeschreiberin Denise Jakob vertreten. In beratender Funktion begleitet Hans Vogel die Gruppe. Er hat als ehemaliger Ammann von Scherz, die dortige Fusion mit Lupfig abgewickelt.

Die Initiative zur möglichen Fusion sei beidseitig erfolgt. Michael Weber sagt zu den Hintergründen: «Beide Gemeinden waren seit dem gemeinsamen Projekt der SBB-Brücke 2014 in gutem Austausch. Dieses Projekt klappte sehr gut und wir sprachen davon, dass man auch politisch gut näher zusammenarbeiten könnte. Dies ist beispielsweise im Zivilschutz oder der Feuerwehr schon jetzt der Fall.»

Fragebogen wird in alle Haushaltungen verschickt

Als Nächstes geht es darum, herauszufinden, wie die Bevölkerung einen Zusammenschluss Boswils und Bünzens findet. Die Arbeitsgruppe hat deshalb einen Fragebogen erarbeitet, der in alle Haushaltungen der beiden Gemeinden verschickt werden soll.

In Bünzen waren Ende vergangenen Jahres 1079 Einwohner registriert, in Boswil deren 2848. Der Boswiler Ammann Michael Weber sagt: «Die Umfrage soll herausspüren, wie die Stimmung in der Bevölkerung ist. Ich denke, sie ist einer Fusion eher positiv gesinnt.»

Orientierungsanlass für beide Gemeinden

Noch vor dem Versand der Umfrage wird ein Orientierungsanlass für beide Gemeinden an einem Ort stattfinden. Der genaue Zeitpunkt ist noch nicht bestimmt, dürfte aber in den kommenden zwei bis drei Monaten sein. «Alle weiteren Fragen, die sich bei einer Fusion stellen, können wir erst klären, wenn wir wissen, dass die Idee von der Bevölkerung getragen wird», sagt Michael Weber. Ist dies der Fall, würde man an der Gemeindeversammlung im Herbst einen entsprechenden Kredit beantragen, um weitere Massnahmen zu finanzieren.

Boswil und Bünzen haben auch die Nachbargemeinden Besenbüren und Kallern über ihren Plan informiert. «Es steht den beiden Gemeinden frei, mitzumachen», erklärt Michael Weber.

Zeithorizont liegt zwischen vier und sechs Jahren

Die bisher letzte Fusion im Bezirk Muri war 2012 zwischen Merenschwand und Benzenschwil. Aktuell existieren noch 19 Gemeinden. Bis eine Gemeinde namens Boswil–Bünzen auf dem Papier Tatsache wäre, dauert es noch eine Weile. Michael Weber geht von einem Zeithorizont von vier bis sechs Jahren aus. «Es sind einige Schritte nötig, aber die Weichen dazu können jetzt bald gestellt werden», sagt er. Apropos Weichen: Beim Bahnhof sind sie seit langem so gestellt. Dieser heisst bereits Boswil–Bünzen.

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