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Ein ehemaliger Weltklassespieler ist für Baar im Einsatz

Ding Yi (60) hat einst im Groll sein Geburtsland verlassen und als Österreicher bei den Olympischen Spielen einen sportlichen Coup gelandet. Heute spielt er für den TTC Baar in der Nationalliga C.
Martin Mühlebach
Salomon Kryenbühl (links) vom TTC Baar gehört zu den Schülern von Ding Yi. (Bild: Stefan Kaiser (Inwil, 24. Januar 2019))

Salomon Kryenbühl (links) vom TTC Baar gehört zu den Schülern von Ding Yi. (Bild: Stefan Kaiser (Inwil, 24. Januar 2019))

Ding Yi (60) blickt auf ein abwechslungsreiches (Sportler)Leben zurück. Der seit zweieinhalb Jahren für den TTC Baar spielende Akteur begann schon im 8. Lebensjahr mit Tischtennis. Und das sehr erfolgreich: Als 10-Jähriger wurde er Schülermeister der Stadt, ehe er im Alter von nur gerade 14 Jahren nach Peking zog, wo er einen Profivertrag unterschrieben hatte. 1980 gewann er an den chinesischen Landesmeisterschaften die Bronzemedaille.

Obschon Ding Yi nun die Nummer 3 der führenden Tischtennisnation war, hätte er als Nummer 4 für China an der bevorstehenden Weltmeisterschaft teilnehmen sollen. Das ärgerte ihn masslos. Ding Yi erzählt: «Da ich als Ersatzspieler hätte auf der Bank Platz nehmen müssen, verzichtete ich auf eine WM-Teilnahme – und kehrte nach Schanghai zurück.» 1983 belegte Ding Yi mit dem Team seiner Geburtsstadt den dritten Rang in der Landesmeisterschaft, aber im Einzel trat er nicht mehr an.

Ein spektakulärer «Menschenhandel»

Der Grund war ein damals kaum für möglich gehaltenes Arrangement: Im Austausch mit einem italienischen Fussballtrainer, den das Land unbedingt verpflichten wollte, durfte Ding Yi als erster chinesischer Spieler aus China ins Ausland wechseln. Auf Anhieb wurde er in der Serie A Mannschaftsmeister. 1985 zog es Ding Yi nach Österreich, wo er im Einzel sieben Mal Landesmeister wurde. Den grössten Coup gelang ihm 1988 an den Olympischen Spielen in Seoul, wo er als inzwischen österreichischer Staatsbürger den amtierenden chinesischen Meister aus dem Turnier warf. Über das ganze Gesicht strahlend, verrät Ding Yi: «Die Leute in China schüttelten den Kopf; sie verstanden nicht, dass man mich ins Ausland ziehen liess.» Als Trainer gelang es Ding Yi, der europäischen Elite die chinesische Spielkultur erfolgreich zu vermitteln. 2003 gewann der vom gebürtigen Chinesen trainierte Österreicher Werner Schlager in Paris den Weltmeistertitel im Einzel.

Als Ding Yi in Deutschland anheuerte, dauerte es ebenfalls nicht lange, bis sich Erfolge einstellten. Er gewann die Mannschafts-Silbermedaille in der Deutschen Bundesliga und im Einzel den prestigeträchtigen Trier-Cup. An der Senioren-Weltmeisterschaft 2015 knüpften Rolf Nölkes und Philipp Dossenbach, Ehrenpräsident des TTC Baar, erste Kontakte zu Ding Yi. Bereits ein Jahr später bestritt er mit den Baarern den ersten Wettkampf in der Nationalliga C. Seither reist der in Rorschach Wohnhafte in der Regel einmal pro Woche nach Baar. Philipp Dossenbach erklärt: «Ding Yi ist für unseren Club Gold wert. Er verlor bislang noch kein Spiel mit uns in der Nationalliga C. Wenn nicht spielen kann, tun wir uns schwer.»

Der stets freundlich lächelnde, sympathische Ding Yi, der zum Haupterwerb private Trainings durchführt, fühlt sich im TTC Baar sichtlich wohl. Der aktuelle Senioren-Europameister betont: «Die Baarer Aktiven trainieren sehr gut und es herrscht eine tolle Kameradschaft.» Zudem verfüge der Verein über eine gute Nachwuchsabteilung. Trotz dieser lobenden Worte des Ding Yi ist Philipp Dossenbach noch nicht wunschlos glücklich. Er wünschte sich eine bessere Infrastruktur. «Wir bräuchten eine Halle mit drei bis sechs Tischen, die permanent stehen und zum Trainieren bereitstehen. Das Interesse ist vorhanden, und es würde einen Boom auslösen.»

Reger Kontakt zum Geburtsland

Diese Meinung vertritt auch Ding Yi. Der sich als «offenen, freiheitsliebenden Typen» bezeichnende 60-Jährige geniesst in China noch immer ein grosses Ansehen. Zwei- bis dreimal pro Jahr besucht er seine noch immer in Schanghai lebenden Eltern – Vater Ding Yue (90) und Mutter Ding Li (86) – und nimmt regelmässig an Turnieren teil. Seine Fans haben ihm längst verziehen, dass er ins Ausland gegangen ist. Sie anerkennen: «Du hast es in der Fremde gut gemacht. Du bist zu einem Botschafter geworden, der den Europäern unsere Spielkultur vermittelt hat.»

Ding Yi und China verbinden auch geschäftliche Interessen. Er erzählt: «Dank meiner guten Beziehungen zu Tischtennis spielenden chinesischen Unternehmern kann ich Kontakte und Geschäfte vermitteln, beispielsweise den Einkauf von günstigen Möbeln oder Geschenkartikeln.» Im Gegenzug exportiere er Qualitätsprodukte aus der Schweiz nach China, die dort einen reissenden Absatz fänden.

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