Braucht die Stadt Zug eine Sportkommission?

Die SVP fordert mittels Motion die Schaffung einer Sportkommission. Eine solche gab es in der Stadt Zug bereits einmal.

Laura Sibold
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Eindrücke vom Zug Sports Festival im Sommer 2019: Das grösste Zuger Sportfestival würde von einer Sportkommission wohl auch profitieren.

Eindrücke vom Zug Sports Festival im Sommer 2019: Das grösste Zuger Sportfestival würde von einer Sportkommission wohl auch profitieren.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 27. Juli 2019)

Es ist ein Vorstoss, der im ersten Moment eher quer in der Landschaft steht: Die SVP-Fraktion fordert in einer Motion, dass der Stadtrat eine Vorlage zur Schaffung einer Sportkommission ausarbeitet. Dabei haben Kommissionen in der Stadt Zug seit einiger Zeit einen schweren Stand. Immer wieder fordern Vorstösse im Grossen Gemeinderat (GGR) mehr Transparenz, gerade auch im Zusammenhang mit der Debatte um mutmassliche Mauscheleien in der Kulturkommission.

Untersuchung bei der Kulturkommission

(ls) In der letzten Sitzung hat der GGR den Stadtrat beauftragt, ein neues Reglement für die Kulturförderung auszuarbeiten. Wie nun bekannt wurde, hat die Geschäftsprüfungskommission (GPK) die Rechnungsprüfungskommission (RPK) beauftragt, die Kulturkonten der vergangenen Jahre zu untersuchen. Dies bestätigt GPK-Präsident Philip C. Brunner. Auslöser der Diskussion war im Herbst 2019 die Vergabe eines Stipendiums durch die Kulturkommission an ein Mitglied. Bekanntlich hat die Begünstigte ihre Bewerbung zurückgezogen und drei Kommissionsmitglieder sind zurückgetreten.

Des Weiteren ist ein 2019 überwiesenes FDP-Postulat hängig, das eine Untersuchung fordert, welche Kommissionen abgeschafft werden können.

Auch die SVP hat sich in der Vergangenheit für die Abschaffung gewisser Kommissionen starkgemacht. Erfolgt nun mit der Forderung nach einer Sportkommission eine Kehrtwende? SVP-Gemeinderat Philip C. Brunner sagt dazu: «Wir möchten die Diskussion über Kommissionen um eine Komponente erweitern. Das Parlament soll in der Zusammensetzung der Kommissionen – und so indirekt in der Vergabe von Fördergeldern – künftig mehr Einfluss bekommen.» Brunner betont, dass derzeit in der Stadt viele einflussreiche Kommissionen bestehen würden – zum Beispiel die Stadtbildkommission, in der es an parlamentarischer Kontrolle und Transparenz fehle.

Kommission soll Gelder sprechen dürfen

Laut der Motion «für eine transparente, grosszügige, sport- und jugendfreundliche Politik der Stadt Zug» soll die neue Sportkommission 7 bis 11Mitglieder umfassen, analog zum Modell der Bau- und Planungskommission beziehungsweise der Geschäftsprüfungskommission. Jeder GGR-Fraktion solle mindestens ein Kommissionssitz zustehen. «Dazu sollen alle Fraktionen künftig ein sportaffines Parteimitglied oder eine andere Person zur Wahl vorschlagen können. So wird eine verwaltungsunabhängige, sportfreundliche Kommission gebildet», heisst es im Vorstoss. Brunner betont, dass politisch zusammengesetzte Kommissionen erfolgreicher seien, da durch die grössere Bandbreite an Fachleuten neue Ideen eingebracht würden. Die Mitglieder der Sportkommission müssten nicht politisch aktiv, aber durch die Parteien bestimmt sein. Darüber hinaus fordert die SVP, dass die neue Sportkommission selber Fördergelder an Veranstalter oder Vereine sprechen sowie Ehrungen und Preise vergeben dürfe. Die Sportförderung in der Stadt sei intransparent und praktisch nicht vorhanden, bedauert Philip C. Brunner:

«Für die Gesellschaft hat der Breitensport eine enorme Bedeutung. Da braucht es mehr Förderung.»

Ein Auslöser für den Vorstoss sei denn auch die finanzielle Schieflage des Fussballvereins Zug94 gewesen. «Ein grosser Stadtzuger Verein steckt in der Krise und die Stadt handelt nicht. Genau hier könnte eine Sportkommission erste Hilfe leisten», ist Brunner überzeugt.

Stadtrat schaffte 2011 das bisherige Gremium ab

Eine Sportkommission gab es in der Stadt Zug von 2005 bis 2011 bereits. Sie war vom Stadtrat gewählt und ein rein beratendes Gremium – verfügte also über deutlich weniger Kompetenz als die von der SVP geforderte neue Kommission. Die ehemalige Sportkommission wurde vor neun Jahren mittels Stadtratsbeschluss abgeschafft. Grund für die Abschaffung war laut Stadträtin Vroni Straub das breite Fachwissen der Abteilung für Sport sowie der rege Austausch mit den Sportvereinen. Auch die fundierten gesetzlichen Grundlagen für die Sportförderung hätten eine Sportkommission überflüssig gemacht.

Die Stadt zahlt gegenwärtig Grund- und Jugendsportbeiträge sowie Beiträge für Sportveranstaltungen aus. Da im Zuge der Sparmassnahmen 2013 die Richtlinien über ausserordentliche Anerkennungsbeiträge aufgehoben wurden, werden seither aber sportliche Erfolge nicht mehr finanziell entschädigt. Vroni Straub erklärt:

«Beiträge aus dem Sportfonds werden lediglich dann ausbezahlt, wenn ein Mehrwert für die Stadtzuger Bevölkerung oder die Sportvereine besteht.»

Man behandle alle Sportvereine und Sportarten gleich. Die Überweisung der SVP-Motion ist für die Stadtparlamentssitzung vom 21. Januar traktandiert. Vroni Straub sieht das Ansinnen jedoch kritisch: Im letzten Jahr sei der Stadtrat vom Parlament mehrmals aufgefordert worden, seine Kommissionen zu überdenken. «Dass wir jetzt ohne Not eine neue Kommission einführen sollen, widerspricht diesen vorgängigen Vorstössen diametral. Ich habe die Sportkommission bisher nicht vermisst.»