BRAUCHTUM: Bäckermöhli: Zuger Kinder trotzen der eisigen Kälte

Weggli und Orangen erfreuten sich am Mittwoch in Zug wieder grosser Beliebtheit. Die Zunft und Bruderschaft der Müller, Bäcker und Zuckerbäcker der Stadt sorgt alljährlich für grosses Gekreische.

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Die Kinder auf dem Kolinplatz in Zug recken und strecken sich, sobald die erste Leckerei geflogen kommt. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 25. Januar 2017))

Die Kinder auf dem Kolinplatz in Zug recken und strecken sich, sobald die erste Leckerei geflogen kommt. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 25. Januar 2017))

«Bäckermöhli! Bäckermöhli», rufen die vielen Kinder, die es trotz eisiger Kälte auf den Kolinplatz geschafft haben, zum Balkon des Hotels Ochsen hinauf. Sie treten erwartungsvoll auf der Stelle. Gespannt blicken sie zu Zunftobmann Felix Horber, dem Zunftrat sowie Ehrengast Kaspar Villiger hinauf. Sobald die erste Orange vom Balkon geworfen wird, strecken sich die Kinder lachend und kreischend danach – stürmisch und zielstrebig jagen sie nach den Würstchen, Mutschli und Orangen. Manche springen sogar hoch und versuchen, die Leckereien noch in der Luft abzufangen. Triumphierend strecken sie ihr Erbeutetes hoch, wenn ein solch spektakulärer Fang gelingt. Dick eingepackt in Skihosen und Mützen hechten sie quer über den Kolinplatz und füllen ihre Taschen und Plastiksäcke bis zum Bersten.

«Leckereien einfach so zu verschenken und den Kindern damit eine Freude zu bereiten, finde ich unheimlich toll», meint Francesca Stefanelli aus Zug und ist mit dieser Meinung wohl nicht alleine. So soll das Bäckermöhli nämlich auch an die Zeit erinnern, in der es keine Lebensmittel im Überfluss gab, wie Zunftobmann Felix Horber erklärt.

«Ein Stück Heimat»

Das Bäckermöhli findet jährlich anlässlich der Zusammenkunft der Meister und Mitbrüder der Zunft und Bruderschaft der Müller, Bäcker und Zuckerbäcker der Stadt Zug immer am letzten Mittwoch des winterlichen Januars statt. Während am Morgen eine offizielle Jahresversammlung stattfindet, schwärmen die Delegationen der Zunft im Anschluss in die Kindergärten der Stadt aus, um von den einzigartigen Bräuchen und dem Handwerk des Müllers und des Bäckers zu berichten. Für viele Kinder allerdings bleibt die Bescherung auf dem Kolinplatz oder am Fischmärt der absolute Höhepunkt dieses Tages. «Das Bäckermöhli ist ein Stück Heimat und gehört zum Brauchtum der Stadt Zug», sagt Felix Horber, der bereits seit sieben Jahren der Zunft und Bruderschaft vorsteht. «Wir freuen uns immer zünftig über die vielen Kinder, die unsere Tradition lebendig halten. Die strahlenden Gesichter unserer Jüngsten sind immer wieder ein Ansporn und einfach wunderbar zu sehen.» So ist es nämlich bereits die 331. Jahresversammlung, und das zur Freude aller Kinder. «Ich finde es wichtig, solche Traditionen zu erhalten und mit Freude weiterzugeben», meint Katarina Zwerel aus Zug. Das Auswerfen der Leckereien wird am Fischmärt fortgesetzt, wo die Kinder nicht minder entfesselt sind. Fröhlich und ausgelassen sprinten sie hin und her, füllen ihre Taschen mit allem, was sie zu fassen bekommen. Die Guetzli wandern bei den Naschkatzen direkt in die lachenden Münder. Den krönenden Abschluss des Bäckermöhlis bildet ein Marsch durch die Neugasse und die Altstadt, angeführt von der Zunftmusik.

 

Vanessa Varisco

redaktion@zugerzeitung.ch