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BRAUCHTUM: Er ist seit 15 Jahren Samichlaus mit Leib und Seele

Mit 15 Jahren steckte ein Schmutzli Otto Pfranger in den Sack. Drei Jahre später war er selber Samichlaus. Er schwor sich, ein guter Chlaus zu sein – und löste sogar die Seelenpein eines zeuselnden Jungen.
Otto und Marlies Pfranger betrachten gemeinsam Bilder seiner Auftritte als Samichlaus. (Bild: Maria Schmid (Rotkreuz, 21. November 2017))

Otto und Marlies Pfranger betrachten gemeinsam Bilder seiner Auftritte als Samichlaus. (Bild: Maria Schmid (Rotkreuz, 21. November 2017))

Der 74-jährige Mann mit den freundlichen Augen und den Lachfältchen hat viel zu erzählen – derzeit ohne Schnauz und Bart, in einigen Tagen aber wieder in Vollmontur unterwegs: als Samichlaus im Bischofsgewand. Otto Pfranger aus Rotkreuz hat quasi sein Leben dieser Tradition verschrieben, seit er vor 56 Jahren erstmals als Samichlaus unterwegs war. Damals, mit 18 Jahren, lebte er noch in einem kleinen Dorf im Kanton Thurgau. Seit über 20 Jahren ist er für verschiedene Gruppen – kurze Zeit auch privat – als Chlaus unterwegs. Seit bald 10 Jahren ist er als Samichlaus bei der Pfarrei Rotkreuz tätig.

Immer mit dabei ist sein Samichlausbuch – bei ihm ist es nicht einfach eine verkleidete Schachtel, sondern ein richtiges, golden eingefasstes, dickes Buch, welches Pfranger mit leeren Seiten ergänzt hat. Auf diesen dürfen die Kinder ihre Namen schreiben oder etwas zeichnen. «Mir ist wichtig, dass der Samichlaus für die Kinder ein positives Erlebnis ist», erklärt der mehrfache Grossvater. Dass der Samichlaus jemand Gutes sein soll, wurde ihm mit 15 Jahren klar. Der damals Halbwüchsige Otto wurde von einem Schmutzli in den Sack gesteckt. Ein Jahr später war er selber als Schmutzli unterwegs und schwor sich, nie jemanden in den Sack zu nehmen. Als er zwei Jahre später als Samichlaus seinen Dienst aufnahm, begleitete ihn der Vorsatz, gut zu den Kindern zu sein, immer – bis heute.

Der Bub, der sein Leiden dem Samichlaus schilderte

Sein schönstes und eindrücklichstes Erlebnis war ein Chlausbesuch, welcher schon mehrere Jahrzehnte her ist – geschehen im Kanton Thurgau. Ein Knabe eines kleinen Nachbardorfes hatte kurz vor dem Chlausbesuch mit Zündhölzern auf dem Dachboden einer Schweinescheune gespielt, welche darauf Feuer fing und niederbrannte. «Die Mutter rief mich an und sagte, dass wir es wohl besser sein lassen mit dem Chlaus, da der Bub stark unter dem Geschehenen leide.» Kurz vor dem 6. Dezember habe sie aber nochmals angerufen und gebeten, dass der Samichlaus doch kommen möge. Der Bub wolle mit ihm über das Ereignis sprechen. «Als ich dann bei der Familie vorbeischaute, erzählte er mir die ganze Geschichte.» Kurz darauf habe die Mutter des Jungen angerufen und ihm erzählt, dass der Bub das Ereignis gleich nach dem Samichlausbesuch endlich wegstecken konnte.

Während der 56 Jahre, die er bisher als Samichlaus unterwegs war, hat sich auch einiges geändert. Nicht nur, dass die Kinder nicht mehr in den Sack gesteckt werden, sondern auch, dass sich die Kinder auf den Samichlaus freuen. «Früher kam es immer wieder mal vor, dass sich ein Kind versteckte, wenn der Samichlaus kam. Heute werden wir meist freudig begrüsst, und die Kinder wollen sich uns mitteilen.» Eine Schwierigkeit für den Samichlaus ist hingegen die zunehmende Vielfalt der Vornamen: «Früher hiessen sie Heidi und Franz. Heute sind es so viele unterschiedliche Namen – bei vielen weiss man beim Lesen nicht, wie sie auszusprechen sind.» Doch auch hier hat er einen Trick: «Ich lasse mir die Namen von den Kindern immer selber sagen. Kann ich mir diesen nicht merken, umgehe ich die Namensnennung einfach.

Als Senior-Chlaus bestreitet Otto Pfranger in Rotkreuz jährlich noch den Auszug aus der Kirche, einen Nachmittag mit der Chlausfeier im Wald und zwei Abende mit Hausbesuchen. «Mir ist wichtig, dass es nicht mehr als sechs bis sieben Hausbesuche pro Abend sind. Sonst kann man sich nicht mehr richtig den Familien widmen und verliert auch an Konzentration.»

Natürlich habe es in den vielen Jahren auch schon Pannen gegeben. Besonders der Schnauz ist pannenanfällig und kann sich lösen. «Da langt man sich halt etwas öfters ins Gesicht – hat den Schnauz dann vielleicht plötzlich in der Hand und schaut, dass man ihn unauffällig versorgen kann.»

Ans Aufhören denkt der 74-Jährige indes noch nicht – zumindest nicht sofort: «80 werde ich als Chlaus sicher nicht mehr. Solange ich aber noch das innere ‹Chrible› spüre und gesund bin, mache ich weiter. Und wenn man merkt, dass man als Samichlaus ankommt und die Augen bei Gross und Klein zu glänzen beginnen, dann ist das einfach fantastisch!»

Zoe Gwerder

zoe.gwerder@zugerzeitung.ch

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