BRAUCHTUM: Liebevolle Tradition in den Zuger Gassen

Das traditionelle Chrööpfelimee hat am Sonntagabend in der malerischen Zuger Altstadt stattgefunden. Trotz Wind und Wetter liessen sich Liebende und Sänger nicht beirren und trotzten dem Regen mit einem Lächeln.

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Die Gesangsgruppen lassen in der Zuger Altstadt auch den Regen vergessen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 5. März 2017))

Die Gesangsgruppen lassen in der Zuger Altstadt auch den Regen vergessen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 5. März 2017))

An den kleinen Fenstern in den verwinkelten Gassen der Altstadt stehen die Verliebten und lauschen dem Gesang der vielen Chöre, die immer wieder Halt machen vor einem Fenster, das mit einem Lichtlein gekennzeichnet ist. Mit einem breiten Repertoire begeistern die vielen Sängergruppen, ob exotisch gewitzt oder klassisch besinnlich, die Lieder decken eine grosse Bandbreite ab und verzaubern damit die Paare. Eine lebendige Tradition, die von Paaren wie auch Sängern ausserordentlich geschätzt wird.

Auch die Besucher, die sich um die Gruppen sammeln und verträumt mitwippen, sind entzückt. «Die Chrööpfelimee-Tradition ist eine schöne, romantische Idee, die es unbedingt zu erhalten gilt», findet Vivienne Materni aus Cham, die diese einzigartige Tradition zum ersten Mal miterlebt. Quer durch die Altstadt ziehen sich diese Fenster mit den Lichtlein, am Kolinplatz, Landsgemeindeplatz und in den schmalen Pflastersteingassen.

Lässt sich der Brauch übertragen?

Christian Kürsteiner und Marion Nager werden sich im Herbst trauen und sind für das Chrööpfe­limee im «Schiff» einquartiert. Völlig entrückt geniessen sie diese Tradition. «Es ist einfach traumhaft schön, wie die Sänger mit Herzblut singen vor dem Fenster», sagen die beiden, die diesem Anlass freudig entgegengefiebert haben. Auch die Familien und Bekannten seien begeistert, so sinnieren einige sogar, den Brauch in ihre Heimatstädte zu übertragen.

Die Sängergruppen haben sich verschiedene Motive überlegt, so tragen sie beispielsweise Zylinder oder grüne Schürzen, haben rote Herzchenluftballone dabei oder sind als Bauarbeiter verkleidet. Alles ist äusserst durchdacht und liebevoll arrangiert, und die Ensembles be­eindrucken vor allem auch mit bezaubernden Stimmen. Sie zelebrieren diesen einzigartigen Brauch von Herzen. «Wir sind Feuer und Flamme für den Brauch, den es nur in Zug gibt», erklärt die Sängergruppe Füür und Flamme, die sich in rote und orangene Umhänge gehüllt hat. Trotz sinkenden Temperaturen und beharrlichem Regen erwärmt der Gesang der Chöre die Herzen aller Anwesenden und ist eine tolle Gelegenheit für die Liebenden, innezuhalten – vor oder nach der Hochzeit.

 

Vanessa Varisco

redaktion@zugerzeitung.ch