Freiwillige aus Zug bauen für Einwanderer eine Brücke in die neue Heimat

Der Verein FRW Interkultureller Dialog leistet seit sieben Jahren Integrationsarbeit in Zug. Ein Rück- und Ausblick.

Cornelia Bisch
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Musik überwindet Sprachbarrieren und verbindet die Menschen.

Musik überwindet Sprachbarrieren und verbindet die Menschen.

Bild: PD

Sie wollen vermitteln, erklären, Horizonte erweitern, Freizeit gestalten, Kontakte und vor allem viel Freude und Verständnis schaffen. «Es ist ein Geben und Nehmen», ist Eva Wimmer, Leiterin Koordinationsstelle des Vereins FRW Interkultureller Dialog, überzeugt. FRW steht für Friede, Respekt und Würde.

Mit einer Handvoll Personen hat die Steinhauserin die Organisation, die sich der Integration von Flüchtlingen und Expats verschrieben hat, im Jahr 2013 ins Leben gerufen. «FRW Interkultureller Dialog ist rasch gewachsen und heute als Verein organisiert», erklärt sie. «Es gibt jährlich durchschnittlich 16000 Teilnahmen an den 50 bis 60 Projekten, die von 185 Freiwilligen angeboten werden.»

Hauptprojekt war und ist die Sprachvermittlung. «Es lernen ständig 100 Menschen aus zirka 25 verschiedenen Ländern die deutsche Sprache.» Insgesamt seien Personen aus rund 80 Ländern an den Projekten beteiligt. «Jene, die früher teilnahmen, sind heute oft als Helfer aktiv oder gehören zum Freundeskreis.» Letzterer bildet das Netzwerk des Vereins. «Die Freunde helfen uns, Gönner, Praktikums- oder Lehrstellen sowie Wohnungen zu finden.»

Aktivitäten in vier Bereichen

Sämtliche Angebote stehen der ganzen Bevölkerung, also auch den Einheimischen, zur Verfügung. Die wöchentlich oder monatlich in den verschiedenen Zuger Gemeinden stattfindenden Begegnungsessen, an denen zwischen 30 und 120 Personen teilnehmen, sind ebenfalls ein grosser Erfolg. «Es gibt verschiedene Kochteams aus Einheimischen und Flüchtlingen, die Spezialitäten aus ihren jeweiligen Heimatländern kochen.» Auf diese Weise lernen die Einwanderer die hiesige Küche kennen, die Einheimischen Spezialitäten aus aller Welt. «Dies ist derzeit unser einziges kostenpflichtiges Projekt», sagt Wimmer und ergänzt fast entschuldigend, «damit wir die Zutaten kaufen können.» Die Kosten sind jedoch mit sieben Franken pro Erwachsener beziehungsweise zwei für Flüchtlinge und Kinder ab sechs Jahren, äusserst moderat.

Grundsätzlich sind die Projekte in vier Bereiche unterteilt: Sprache, Begegnungen, Prävention und Berufsleben. «Im Bereich Prävention arbeiten wir beispielsweise mit den Zugerland Verkehrsbetrieben (ZVB) zusammen», führt Wimmer aus. Deren Verantwortliche würden den Kursgruppen eine Einführung in den Gebrauch der öffentlichen Verkehrsmittel geben. «Erklärt wird der Zonenplan, wie man ein Ticket kauft, was in den Verkehrsmitteln erlaubt und was verboten ist.» So würden auf beiden Seiten Ängste abgebaut, und es gebe viel weniger Bussen und Konflikte im Alltag.

Musik- und Malateliers

In den Bereich Begegnungen fallen viele musische und kreative Angebote. «Als Gruppe besuchen wir wöchentlich den Creativ Groove mit Musik und Rhythmus im Musikatelier Badabum bei der Chollerhalle.» Involviert sind Profis und Laien. Einmal jährlich findet ein grosses Konzert mit dem Namen «Monstergroove» statt, auf das die wöchentlichen Treffen vorbereiten. «Trotzdem hat man keinerlei Verpflichtung. Man darf zu den Treffen kommen und gehen, wie man möchte.» Eva Wimmer glaubt, dass gerade dieses niederschwellige Angebot die Projekte so erfolgreich macht. «Man muss nichts zahlen, nichts können, kann sich selbst ausprobieren, seine Talente suchen. Man kann einfach sein.» Ausserdem verbinde Musik und Tanz die Menschen über alle Sprachbarrieren hinweg. Ebenso wie Kunst. «Zu unserem Angebot gehören auch Mal- und Kreativateliers.»

Begegnungen schafft überdies die «WunderBar», die jeweils an Heiligabend auf dem Landsgemeindeplatz geführt wird. «Es gibt heisse Getränke bei knisterndem Feuer.» Die «WunderBar» locke jeweils 200 bis 300 Menschen an.

Natürlich habe das FRW-Programm durch die Coronakrise einen Dämpfer erhalten. «Viele Kurse mussten verschoben werden.» Der Sprachunterricht hingegen, der schon immer zu grossen Teilen am Computer stattgefunden habe, sei erfolgreich durch die Krise manövriert worden.

Wendepunkt nach zwei Jahren

Ursprünglich waren die Freiwilligen ausschliesslich in der Durchgangsstation Steinhausen sowie den Asylunterkünften tätig, also direkt vor Ort. «2015 gab es jedoch einen Strategiewechsel bei den Sozialen Diensten des Kantons Zug, bedingt durch Personalwechsel», erläutert Wimmer. Daraufhin sei die Arbeit vor Ort eingestellt worden, und man habe sich auf die Suche nach Räumen – sogenannten Lernzimmern und Begegnungsräumen – in den Gemeinden begeben. «Zur Verfügung gestellt wurden uns Räume von Pfarreien, Gemeinden, Bildungszentren sowie von Vereinen.» Das sei absolut nicht selbstverständlich. «Wir dürfen sie rund ums Jahr kostenlos nützen. Dafür sind wir sehr dankbar. Nur so ist unsere Arbeit möglich.» Einzig einen wöchentlichen Turnhallenplatz habe der Verein bisher nicht gefunden. «Wir möchten gerne Sportkurse für Kinder, Frauen und Männer anbieten.»

Mit dem Wechsel der Organisationsform zum Verein ging die Schaffung einer Koordinationsstelle mit drei Festangestellten und 160 Stellenprozenten einher. Letztes Jahr erhielt FRW Interkultureller Dialog erstmals finanzielle Unterstützung der katholischen Kirche von Stadt und Kanton Zug. «In diesem Jahr nun hat auch der Kanton seine Unterstützung zugesagt», freut sich Eva Wimmer. In Zukunft will sich der Verein noch mehr auf die Bereiche Prävention und Berufsleben fokussieren. Das Projekt «Gesellschaft neu denken», das Menschen in Lebenskrisen unterstützt, ist in Planung. «Ab 8. Juni werden verschiedene Aktivitäten wie Yoga oder Trommelkurse beim ‹Ship of Tolerance› angeboten, natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln.»

Im Bereich Berufsleben wird die Unterstützung von Lernenden bei der Lehrstellen- oder Jobsuche sowie in Form von Nachhilfeunterricht ausgebaut.

Infos und Kursangebote unter www.frwzg.ch.

Durch Begegnungen neue Kraft tanken

Erstmals sollen Menschen in Lebenskrisen im Kanton Zug ein kostenloses Angebot zur Unterstützung im Alltag erhalten. Iniziieren will das der Verein FRW Interkultureller Dialog, der sich seit acht Jahren für die Zivilgesellschaft einsetzt.
Laura Sibold