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Junger Schweiz-Brasilianer möchte in Zug ans Gymi, darf aber nicht

Der 17-jährige Enzo Emch hat einen Traum. Der in Brasilien geborene Schweizer will kreativ tätig sein. Irgendwie passt aber der bis jetzt beschrittene Ausbildungsweg nicht zusammen. Die Hoffnung will er deshalb nicht aufgeben.
Marco Morosoli
Enzo Emch absolviert derzeit in einem Zuger Bettwarenfachgeschäft ein Praktikum. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 26. Juli 2018))

Enzo Emch absolviert derzeit in einem Zuger Bettwarenfachgeschäft ein Praktikum. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 26. Juli 2018))

Im Erlenhof an der Zuger Baarerstrasse scheint die Fussball-WM 2018 noch zu laufen. Im Schaufenster des Bettwaren-Fachgeschäftes Fischer & Margraf stehen Liegestühle um eine mit Frotteetüchern drapierte Flagge Brasiliens. Gestaltet hat diesen Blickfang Enzo Emch (17), der mit Sport, wie er offen zugibt, aber nichts am Hut hat. Viel lieber widmet sich der in der Millionenmetropole Goiânia im brasilianischen Bundesstaat Goiâs geborene Teenager dem Gitarrenspiel oder dem Zeichnen. Dass er eine kreative Ader hat, ist anhand des besagten Schaufensters schnell erkennbar. Doch derzeit darf er nicht, was er gerne möchte: Eine Ausbildung machen, welche ihm weiterhilft, seinen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen.

Nachdem der 17-Jährige mit seiner Mutter Ende 2014 in die Schweiz gekommen ist, hängt er nicht herum, sondern will so schnell als möglich Deutsch lernen. In seinem Geburtsland ist er einem Maturaabschluss ganz nahe gekommen. «Ich war dort sehr gut vernetzt, hatte viele Freunde, und ich wollte eigentlich gar nicht hierherkommen», sagt Emch ein wenig wehmütig.

Das Sprachenlernen fällt ihm nicht schwer

Seine Mutter sei aber davon ausgegangen, dass er seine Ausbildung weiterführen könne. Also schickt er sich in die neue Situation hinein. Versucht aus ihr das Beste zu machen. Kaum hier in der Schweiz angekommen, steigt er ins Integrierte Brückenangebot (IBA) ein. Schwerpunktmässig hat er dort Deutsch gelernt, mittlerweile spricht er sehr gut Deutsch und versteht auch Schweizerdeutsch. Englisch hat er in der Schule gelernt und schaut auch Filme in dieser Sprache. Hinzu kommt noch Portugiesisch.

«Ich will mein Leben führen, ohne Schwierigkeiten zu haben.»

Enzo Emch, Praktikant

Nachdem er diese Brücke überschritten hatte, wechselte er ins Kombinierte Brückenangebot (KBA). Dieses soll in erster Linie die Lehrlinge an eine Berufsausbildung heranführen. Zwei Tage ist Unterricht angesagt, drei Tage verbringen die Lernenden in einem Betrieb. Für Enzo Emch war dies das obgenannte Geschäft. «Ich habe vor dem Eintritt ins KBA nicht so richtig gewusst, was ich wollte», sagt der Schweiz-Brasilianer. Triebfeder sei etwas anderes gewesen: «Ich wollte nicht arbeitslos sein.» Den Schritt bereut Enzo nicht: «Ich hatte tolle Kameraden, die Lehrer haben uns sehr geholfen. Auch der Coach hat mich unterstützt», erinnert er sich.

Doch mit dieser Ausbildungskette ist er unvermittelt auf einem Abstellgleis gelandet – zumindest in Bezug auf seine Wunschausbildung. Johanna Margraf, die ihn während des Praktikums betreut, hat zahlreiche Anfragen verschickt. Diese Korrespondenz liegt unserer Zeitung vor. Timo Gültig, Prorektor an der Kantonsschule Menzingen, schreibt etwas verkürzt: «Der Eintritt vom KBA ins Gymnasium ist gemäss Reglement nicht vorgesehen.» Eine in Luzern praktizierte Aufnahme ins Gymnasium, bekannt unter dem Label «Sur Dossier», sehen die Zugerischen Schulreglemente nicht vor, hingegen ist der Übertritt vom IBA in die Kantonsschule möglich.

Bildungsdirektor spricht dem Jugendlichen Mut zu

Johanna Margraf will dann von höchster Stelle wissen, was Sache ist. Der Bildungsdirektor Stephan Schleiss kann Enzo Emch aber auch nicht weiterhelfen. Seinem Schreiben ist zu entnehmen, dass das KBA «den Lernenden Unterstützung im Berufsfindungsprozess, beim Praktikum und im Unterricht» vermittelt. Er stützt sich auf bereits von anderer Stelle vorgebrachte Argumentationsketten und versucht Emch Mut zu machen: «Absolviert Enzo Emch eine Berufsmaturität respektive eine Fachmaturität, so ist via Passerelle der Zugang zu einer Universität beziehungsweise zu einer Hochschule auch gewährleistet.»

«Rechtlich mag ja alles in Ordnung sein», sagt Johanna Margraf. Sie hilft dem Schweizer mit südamerikanischen Wurzeln bei all seinen Bemühungen. Noch hat er ein paar Bewerbungen für Lehrstellen am Laufen. Emchs temporäres Ziel: «Ich will mein Leben führen, ohne Schwierigkeiten zu haben. So gibt es für mich nichts anderes, als eine Lehrstelle zu finden.» Einen eigentlichen Plan B habe er nicht.

Die Variante «Heimkehr nach Brasilien» hat er schon ab und an in Erwägung gezogen, aber bis jetzt immer wieder verworfen. «Ich gebe die Hoffnung nicht auf», sagt der 17-Jährige. Kraft immer weiter nach vorne zu schauen, geben ihm unter anderem das Spielen mit der Gitarre und das Zeichnen. Die kreative Schiene eben, welche er gerne mit seinem Beruf verknüpfen würde.

«Da möchte einer etwas lernen, aber er darf nicht.»

Johanna Margraf, Betreuerin

Ein weiterer Strohhalm wäre dann das Schulische Brückenangebot (SBA). Dieser Zug endet im Hinblick auf Enzo Emchs Traum leider auch wieder auf einem Abstellgleis. Die Parole im Zuger Reglement über den Wechsel zwischen den Schulen lässt auch hier keine Hintertür offen: «Übertritte von Lernenden aus dem SBA ins Gymnasium sind nicht vorgesehen.» Hingegen bietet sich die Möglichkeit, nach dem SBA an eine Fachschule zu wechseln.

Vermutlich wäre es hilfreich, wenn es bei Schulwechseln eine Art «Rechtsmittelbelehrung» geben würde. Johanna Margraf hat den Artikel 41 aus der Bundesverfassung herauskopiert: «Bund und Kantone setzen sich in Ergänzung zu persönlicher Verantwortung und privater Initiative dafür ein, dass Kinder und Jugendliche sowie Personen im erwerbsfähigen Alter sich nach ihren Fähigkeiten bilden, aus- und weiterbilden können.» Johanna Margraf sagt dazu: «Da möchte einer etwas lernen, aber er darf nicht.»

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