BUCH: Einer Zuger Spezialität werden 400 Seiten gewidmet

Bald soll ein Werk über die 500-jährige Kirschentradition in der Region ZugRigi erscheinen. Die Herausgeber hoffen dabei noch auf Unterstützung aus der Bevölkerung.

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Nicht einfach, hier den Überblick zu wahren: Ueli Kleeb in seinem Archiv. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Nicht einfach, hier den Überblick zu wahren: Ueli Kleeb in seinem Archiv. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Ueli Kleeb wühlt in seinem unerschöpflichen Archiv, das Kirschflaschen jeglichen Alters, Schilder, Etiketten, ein digitales Verzeichnis mit rund 12 000 Bildern sowie drei Laufmeter Akten fasst. Wenn einer über die Kirschentradition in Zug und Umgebung Bescheid weiss, dann der «Chriesihistoriker».

Eine lange Beziehung

Kleeb hat schon lange einen Draht zu den süssen Steinfrüchten. In den letzten Jahrzehnten mussten viele Kirschbäume wegen anstehender Bauprojekte das Zeitliche segnen. Gemeinsam mit Heiri Scherer hat Ueli Kleeb die «Wir müssen etwas unternehmen»-Parole gefasst. Die zündende Idee liess mit dem Projekt «1000 Kirschbäume für Zug», welches bei der Stadt auf offene Ohren stiess, nicht lange auf sich warten. Im Jahr 2008 gründeten sie den Verein «IG Zuger Chriesi», der heute fast 600 Mitglieder zählt. «Es war uns ein Bedürfnis, dem Verschwinden der Kirschbäume etwas entgegenzusetzen», sagt Kleeb. Und alte Traditionen wieder auszugraben: Chriesimärt, Chriesisturm und Chriesigloggä erlebten eine Renaissance. Kleeb hat mit Caroline Lötscher auch das Tourismusplakat «Zug Chriesiland» gestaltet, welches einem ins Auge sticht, wenn man auf der Autobahn über die Zuger Grenze brettert. Doch damit nicht genug: Rechtzeitig zum 100-Jahr-Kirschtortenjubiläum soll ein Buch über die Chriesitradition erscheinen. Herausgeber sind die Ausstellungsmacher und Publikationsgestalter von DNS-Transport Zug.

Soziales Netz gespannt

Seit rund fünf Jahren sei Kleeb nun am Recherchieren aber nicht alleine, wie er klarstellt. Eine Menge Mitwirkende – hauptsächlich Historiker – halten ihm die Stange: Philippe Bart, Silvan Abicht, Michael van Orsouw, Caroline Lötscher, Renato Morosoli, Erwin Horat und viele mehr. «Wir haben ein gutes Team und breite Unterstützung.» Unterstützung hat das Projekt auch finanziell. Und zwar aus dem Lotteriefonds des Kantons Zug, der Kantone Schwyz und Luzern, von der Stadt Zug, Baar, Cham sowie anderen Gemeinden, diversen Bürgergemeinden, von der Korporation Zug, von Stiftungen und von privaten Geldgebern. Insbesondere auch von der Druckerei Victor Hotz in Steinhausen.

Für die Recherchen sei vor allem das Konsultieren des Staatsarchivs und der Bibliothek Zug, der Zuger Gemeindearchive, der Denkmalpflege und dem Staatsarchiv in Schwyz von grossem Nutzen gewesen. «In unserem Nachbarkanton funktioniert es aber etwas anders», erläutert Kleeb. Das Vertrauen in staatliche Archive sei in Zug grösser. In Schwyz gebe es indessen viele private Sammler. «Wir haben uns zuerst ein Beziehungsnetz aufbauen müssen.»

«In der Region Zug-Rigi haben wir 50 Brennereien historisch aufgearbeitet und untersucht und dabei überraschende Entdeckungen gemacht», sagt Kleeb. Verschollene Exponate und mit ihnen jeweils ein Stück Geschichte seien wieder aufgetaucht. So habe man die älteste Kirschflasche aus dem Kanton Zug von der Brennerei Speck-Stadler erst vor wenigen Wochen entdeckt: in der Originalabfüllung, also mit Kirsch und Etikette, aus dem Jahr 1885. «Grossartig, was für Fundstücke hervorgekommen sind. Viele Lücken haben sich geschlossen.»

Buch besteht aus vier Teilen

Das Buch wird in vier Abschnitte gegliedert erscheinen: Der erste Teil ist von der wissenschaftlichen Zeichnerin Jasmin Baumann gestaltet. In ihm finden sich 15 Illustrationen, die verschiedene Chriesi­sorten, die hier vorkommen, darstellen: Formen und Farben der Früchte, Blätter, Stiele, Steine und Blüten. Alles von Hand gezeichnet. Eine altmodische, aufwendige Methode also. Das zweite Kapitel widmet sich allem, was man über Kirschen wissen muss: Sorten, Anbau, Pflege, Terroir, Kirsch, Produkte und Rezepte. Geschrieben ist es vom Wissenschaftsjournalist Atlant Bieri. Im dritten Abschnitt werden 49 Personen aus der Region Zug-Rigi vorgestellt, die etwas mit Kirschen am Hut haben. Die Bilder hat Fotograf Andri Pol aus Weggis geschossen, die Zuger Journalistin Sabine Windlin hat die Texte dazu verfasst. Den Schluss macht ein umfangreicher historischer Teil, «das Herzstück des Buches».

Das rund 400-seitige Werk soll voraussichtlich im Herbst erscheinen. Den Chriesiforscher freut es, dass bereits 1850 Vorbestellungen eingegangen sind. «Wir haben gespürt, dass eine Nachfrage besteht. Sonst hätten wir das nicht auf diese Weise aufgleisen können.»

Julian Feldmann