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Bücher haben in ihrem Leben viel Platz

Fabia Patocchi leitet seit über drei Jahren die Bibliothek in Baar. Sie engagiert sich erfolgreich gegen das verstaubt-klischierte Bibliotheken-Image. Sie denkt nicht daran, sich auf ihren Lorbeeren ausruhen.
Daniela Sattler
Fabia Patocchi bei ihrer Arbeit in der Bibliothek in Baar. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 18. Juni 2018))

Fabia Patocchi bei ihrer Arbeit in der Bibliothek in Baar. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 18. Juni 2018))

Wenn in einer Bibliothek Verse aufgesagt, Lieder gesungen und Fingerspiele gezeigt werden, scheint dies auf den ersten Blick mit Lesen und Büchern nicht viel zu tun zu haben. Doch Fingerspiele, Reime und Geschichten bieten Kleinkindern einen spannenden Einstieg in die Bücherwelt. «Bibliotheken haben längst nicht mehr den Charakter einer humorlosen Einrichtung, in der man sich möglichst schnell Lesestoff aussucht, um ihn dann möglichst rasch wieder zu retournieren», sagt Fabia Patocchi (56).

Beim Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen begrüsst Patocchi immer mal wieder einen Besucher und erkundigt sich nach seinem Befinden. In der Baarer Bibliothek muss man nämlich nicht mehr auf Zehenspitzen von Regal zu Regal streifen und es ist erlaubt, sich auszutauschen. «Ich kenne inzwischen die meisten Leute, die herkommen. Viele auch namentlich», freut sie sich.

Diese Kunden bitten die Leiterin dann oft gerne um Leseempfehlungen. Sie wissen nämlich, dass die gebürtige Fricktalerin nicht nur von Berufs wegen sehr viel liest, sondern auch in der Freizeit ihre Finger nicht von Büchern lassen kann. Es sei wie eine Sucht, meint sie lachend, räumt jedoch ein: «Ich könnte bestimmt nicht so viel lesen, wenn mein Mann nicht ebenfalls ein Vielleser wäre.»

Ihre Leidenschaft für Bücher habe sie schon in ganz jungen Jahren entdeckt, verrät sie. Vor allem klassische Literatur, etwa jene von Thomas Mann oder Franz Kafka, habe es ihr damals angetan. «Darum wollte ich nach der Matura nicht studieren, sondern eine Ausbildung zur Bibliothekarin absolvieren.» Sie habe diese Entscheidung keinen einzigen Tag bereut.

Die Bibliothek als «dritter Ort»

Am liebsten mag die Bibliotheksleiterin gedruckte Bücher. Damit das Gepäck nicht zu schwer werde, benutze sie in den Ferien allerdings den E-Book-Reader. Natürlich hat die «Onleihe» (eBooks) auch in Baar längst Einzug gehalten. Die Erschliessung und Vermittlung von Medien werde zwar weiterhin eine der Kernarbeiten bleiben, erklärt Patocchi, die nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Bibliothekarin mehrere Jahre in Obwalden und Kanada arbeitete und während 13 Jahren die Mediothek der Kantonsschule Zug leitete. Eine weitere Hauptaufgabe von Bibliotheken sei es, Medien- sowie Informationskompetenz und Sicherheit im Umgang mit digitalen Medien zu fördern und zu entwickeln.

«Ausserdem braucht es gerade im hochgelobten digitalen Zeitalter einen realen Ort, an dem die Menschen sich begegnen können», ist sie überzeugt. Sie spricht von der «Bibliothek als dritter Ort». Ein Ort neben dem eigenen Zuhause und der Arbeitswelt. Ein Ort zum Verweilen, vielleicht, um auch mal einen Kaffee zu trinken, um in einem Buch zu stöbern – und um Veranstaltungen zu geniessen.

Ein Blick auf die vergangenen drei Jahre zeigt: Patocchi und ihr Team gehen die neuen Wege mit Begeisterung an. Die Zeitungsecke ist inzwischen beliebter denn je und in der Agenda tauchen immer wieder grosse aber auch kleine und feine Anlässe auf: das Büchercafé etwa, Lesungen für Schulklassen, ein Bücherflohmarkt, Adventsveranstaltungen für die Kleinen oder der Lesezirkel. Doch die engagierte Bibliotheksleiterin hat weitere Ziele im Fokus. «Wir möchten, dass gerade Erwachsene unsere Räumlichkeiten vermehrt als lebendigen Treffpunkt entdecken», sagt sie.

Informationen zu Anlässen der Bibliothek Baar: http://bibliothek.baar.ch/de/aktuell/kalender/

Vier Bücher für den Ferienkoffer

Sommerzeit ist Lesezeit. Wir fragten Fabia Patocchi, welche Bücher unbedingt in den Ferienkoffer gehören und warum.

Kim Edwards Roman «Die Tochter des Fotografen» (2005) schildert die Schicksalsgeschichte einer Familie. Das Buch –ein Epos über das Lebensglück und Lebensleid –stand in den USA wochenlang auf Platz 1 der Bestsellerlisten. «Sehr spannend und packend», so Fabia Patocchi.

Victoria Hislops Schicksalsroman «Die Insel der Vergessenen» (2005) handelt von der Geschichte besonderer Lebensumstände einer Familie über vier Generationen. Obschon die Autorin ein trauriges Thema angeht, ist das Buch weder sentimental noch kitschig. Fabi Patocchi empfiehlt dieses Buch als «intelligente Unterhaltungsliteratur mit gut recherchiertem, historischem Hintergrund».

Miika Nousiainens «Wohlfühl»-Roman «Die Wurzel alles Guten» (2017) erzählt über Herkunft, Identität und Vorurteile. «Und die schönste Geschwistergeschichte südlich des Polarkreises. Ein Buch, das gute Laune verbreitet», fügt Fabia Patocchi an.

Castle Freemans Roman «Auf die sanfte Tour» (2017) könnte aufgrund seiner Kürze auch als Krimi-Novelle bezeichnet werden und dreht sich um einen Sheriff, der in seinem beschaulichen District mit einem seltsamen Fall konfrontiert wird. Der Autor verbindet Spannung mit Menschenkenntnis und Lebensweisheit ... «Eigentlich ein literarischer Thriller oder ein moderner Western», so die Bibliotheksleiterin. (ds)

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