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Bundesgerichtsfall: Arbeitsfähig trotz emotionaler Krisen

Eine junge Frau hat bei der Invalidenversicherung Leistungen beantragt. Diese wurden ihr nach einem Gutachten nicht zugesprochen. Das Bundesgericht bestätigt den Entscheid des Zuger Verwaltungsgerichts. Die Frau kann arbeiten.
Das Gebäude des Bundesgerichts in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 6. November 2014))

Das Gebäude des Bundesgerichts in Luzern. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 6. November 2014))

Die sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts in Luzern hat die Beschwerde einer 32-jährigen Frau gegen einen Entscheid des Zuger Verwaltungsgerichts abgewiesen. Die Frau meldete sich 2015 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die kantonale IV-Stelle führte daraufhin erwerbliche und medizinische Abklärungen durch und kam zum Schluss, dass die Frau keine Leistungen erhalten soll.

Gegen diesen Entscheid hat die junge Frau beim Zuger Verwaltungsgericht Beschwerde erhoben. Streitgegenstand bildet der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung bezüglich beruflicher Massnahmen und einer Rente. Festgestellt wurden bei den medizinischen Abklärungen diverse körperliche und psychische Probleme. So musste sich die junge Frau etwa den Rücken nach Bandscheibenvorfällen versteifen lassen, festgestellt wurde zudem ein ADHS sowie eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), ausserdem leide sie an einer leicht herabgesetzten verbalen Merkfähigkeit.

Gemäss dem Gutachten kann die Frau trotzdem 100 Prozent arbeiten, vorausgesetzt die Arbeit ist körperlich leicht, wechselbelastend oder kann überwiegend sitzend ausgeübt werden. Die Beschwerdeführerin nahm das so nicht hin und machte geltend, dass der Entscheid widersprüchlich sei: Einerseits habe das Gericht Zweifel geäussert, ob der Gutachter die Diagnosekriterien der PTBS seriös geprüft habe, andererseits komme es zum Schluss, dass von einer nachvollziehbar begründeten Gesundheitsbeeinträchtigung auszugehen sei und das Gutachten vollumfänglich beweiskräftig sei. Mit diesem Einwand verkenne die Frau, dass es nicht auf die Diagnose ankommt, sondern darauf, welche Auswirkungen eine Erkrankung auf die Arbeitsfähigkeit hat, heisst es in der Begründung des Bundesgerichts. Dieses stützt damit das Urteil des Verwaltungsgerichts.

Kein «leichter Fall», aber auch keine schwere Störung

Die Beschwerdeführerin beklagt mit diversen Beispielen, dass die Schwere ihrer Krankheit nicht erkannt werde. Das Bundesgericht allerdings bewertet all ihre Argumente als nicht stichhaltig. So gehe auch die Vorinstanz nicht von einem «leichten Fall» aus, wie die Frau bemängelte. «Zudem gelte es zu beachten, dass sie sich selbst trotz der beschriebenen Beeinträchtigung arbeitsfähig fühle», schreibt das Bundesgericht in seiner Begründung.

Einmal im Monat beziehungsweise alle drei Wochen ist die Frau in psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungen. Das spreche nicht für eine schwere psychische Störung. Die 32-jährige Frau wiederum meint, dass der Gutachter sich nicht genügend mit ihren instabilen Persönlichkeitszügen auseinandergesetzt habe. Diese zeigen sich etwa in starken Stimmungsschwankungen, Wutanfällen, ständigen Problemen an den Arbeitsplätzen im ersten Arbeitsmarkt, Aggressionen und so weiter. «Es sei augenscheinlich, dass nur die positiven Zeiten im Gutachten erwähnt werden», wird sie im Bericht zitiert.

Die behandelnde Psychiaterin hingegen hätte dargelegt, dass es immer wieder zu schweren emotionalen Krisen komme, in denen sich die Beschwerdeführerin über mehrere Tage von der Arbeit zurückziehen müsse. Das Verwaltungsgericht hat festgehalten, dass die Beschwerdeführerin regelmässig Termine wahrnehme, sich mit ihrem Haustier beschäftige und sich wöchentlich mit ihrem Vater treffe. «Von einem sozialen Rückzug sei daher nicht auszugehen.»

Das Bundesgericht kommt zum Schluss, dass die Beschwerde unbegründet ist. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die Gerichtskosten zu tragen. Ihrem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege kann entsprochen werden. Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie der Gerichtskasse Ersatz zu leisten hat, wenn sie später dazu in der Lage ist. Die Frau muss die Gerichtskosten von 800 Franken übernehmen. Dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin wird aus der Bundesgerichtskasse eine Entschädigung von 2800 Franken ausgerichtet.

(red)

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