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BUNDESRAT: Zweifel an Aeschis Absichten

Thomas Aeschi kann auf das Lobbying der Zentralschweizer SVP-Politiker zählen. Parlamentarier anderer Parteien haben jedoch ihre Vorbehalte.
Deborah Stoffel und Kari Kälin
Bringt Thomas Aeschi mit 36 Jahren die nötige Erfahrung für den Bundesrat mit? Ausserhalb der SVP wird daran gezweifelt. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

Bringt Thomas Aeschi mit 36 Jahren die nötige Erfahrung für den Bundesrat mit? Ausserhalb der SVP wird daran gezweifelt. (Bild: Keystone/Lukas Lehmann)

Deborah Stoffel und Kari Kälin

Seit der Luzerner FDP-Mann Kaspar Villiger 2003 zurücktrat, kam die Zentralschweiz nie mehr zu Bundesratsehren. In der Geschichte des Bundesstaates hat unsere Region lediglich acht Magistraten gestellt – im Verhältnis zur Bevölkerung so wenig wie kein anderer Landesteil. Jetzt klopft ein junger Zuger Nationalrat an die Bundesratspforte. Am Freitag hat die SVP-Fraktion den 36-jährigen Finanzpolitiker Thomas Aeschi aufs Dreierticket gesetzt.

Die SVP-Rennleitung sähe es jedoch lieber, wenn sie erstmals in ihrer Geschichte mit einem Nichtdeutschschweizer in die Landesregierung einziehen würde. Das machte Fraktionschef Adrian Amstutz am letzten Freitag deutlich. Der Waadtländer Nationalrat Guy Parmelin und der Tessiner Regierungsrat Norman Gobbi starten damit aus der Pole-Position – zumindest parteiintern.

Thomas Aeschi (ZG). (Bild: parlament.ch)Thomas Aeschi (ZG). (Bild: parlament.ch)
Norman Gobbi (TI). (Bild: parlament.ch)Norman Gobbi (TI). (Bild: parlament.ch)
Guy Parmelin (VD). (Bild: parlament.ch)Guy Parmelin (VD). (Bild: parlament.ch)
Heinz Brand (Bild: parlament.ch)Heinz Brand (Bild: parlament.ch)
Oskar Freysinger (Bild: parlament.ch)Oskar Freysinger (Bild: parlament.ch)
Res Schmid (Bild: pd)Res Schmid (Bild: pd)
Albert Rösti (BE) verzichtet. (Bild: pd)Albert Rösti (BE) verzichtet. (Bild: pd)
David Weiss (BL) verzichtet. (Bild: pd)David Weiss (BL) verzichtet. (Bild: pd)
Hannes Germann (SH) wird vom Fraktionsvorstand nicht vorgeschlagen. (Bild: pd)Hannes Germann (SH) wird vom Fraktionsvorstand nicht vorgeschlagen. (Bild: pd)
Thomas de Courten (BL) wird vom Fraktionsvorstand nicht vorgeschlagen. (Bild: parlament.ch)Thomas de Courten (BL) wird vom Fraktionsvorstand nicht vorgeschlagen. (Bild: parlament.ch)
Thomas Hurter (SH) wird vom Fraktionsvorstand nicht vorgeschlagen. (Bild: parlament.ch)Thomas Hurter (SH) wird vom Fraktionsvorstand nicht vorgeschlagen. (Bild: parlament.ch)
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Bundesratswahl: Die drei Kandidaten der SVP

Kein allzu offensives Lobbying

Doch bis zu den Bundesratswahlen vom 9. Dezember bleiben noch drei Wochen Zeit. Und dies wollen nun Zentralschweizer SVP-Vertreter nutzen, um möglichst viele Bundesparlamentarier aus möglichst vielen Fraktionen und Regionen auf Aeschi einzuschwören. «Ich werde mich für Thomas Aeschi einsetzen», sagt der Nidwaldner SVP-Nationalrat Peter Keller. Es sei wichtig, dass die Anliegen der bürgerlich geprägten Zentralschweiz wieder angemessen in der Regierung vertreten seien. Gleichzeitig würde es Keller jedoch auch begrüssen, wenn die SVP den zweiten Bundesratssitz mit einem Tessiner oder einem Westschweizer Kandidaten besetzen könnte. Ein allzu offensives Lobbying zu Gunsten von Aeschi will der Nidwaldner Nationalrat nicht aufziehen. «Das wäre nicht zielführend.»

Entscheidende Hearings

Bereits für die SVP-interne Kandidatenkür haben Zentralschweizer Vertreter kräftig die Werbetrommel für Aeschi und den letztlich unterlegenen Nidwaldner Regierungsrat Res Schmid gerührt. Der Luzerner Nationalrat Felix Müri will diesen Schwung mitnehmen. Mit einer bestimmten, aber unaufdringlichen Kampagne möchte er möglichst viele Parlamentarier von Aeschis Vorzügen überzeugen. Man kenne Aeschi noch zu wenig als Menschen, sagt Müri. Viele Politiker aus anderen Fraktionen würden fragen, wer er sei. «Die Hearings bei den anderen Parteien werden entscheidend sein», sagt Müri. «Einige werden staunen, was Aeschi alles auf dem Kasten hat.»

Unterstützung aus Zug

Für den Schwyzer SVP-Ständerat Peter Föhn wäre die Zeit für einen Zentralschweizer Bundesrat längst reif. Als Erstes wird er versuchen, alle Zentralschweizer SVP-Parlamentarier für Aeschi zu gewinnen, dann aber auch über die Parteigrenzen hinweg auf dieses Ziel hinarbeiten. Aeschi sei zwar jung, sagt Föhn. «Er ist uns älteren Parlamentariern zum Teil aber massiv überlegen.» Er sei ein vorausschauender «Chrampfer», der nicht nur innerhalb des Parlaments und der Verwaltung, sondern auch international mit wichtigen Stellen bestens vernetzt sei. Ständerat Joachim Eder (FDP, Zug) hat seine Meinung schon gemacht: «Als Zuger werde ich Aeschi bestimmt unterstützen, ich traue ihm dieses Amt voll zu.» Dass er noch keine Führungserfahrung hat, will Eder dem 36-Jährigen nicht vorwerfen. Aeschi sei erst vier Jahre im Nationalrat und könne sich diese Kompetenzen bestimmt noch aneignen.

Aeschis irritierende Aussage

Nicht anfreunden kann sich Eder aber mit der Devise der SVP-Führung, die ihre Bewerber aus der lateinischen Schweiz bevorzugt. «Das war über- haupt nicht höflich gegenüber Thomas Aeschi.» Dieser stört sich hingegen nicht daran, dass ihn seine Partei quasi zu einem B-Kandidaten degradiert hat. «Für die SVP wäre es gut, wenn sie jetzt oder in naher Zukunft von jemandem aus der lateinischen Schweiz in der Landesregierung vertreten würde», sagt Aeschi. Er empfinde das nicht als Votum gegen sich.

Werbung in eigener Sache hat Aeschi mit dieser Aussage keine gemacht. Den Luzerner CVP-Nationalrat Leo Müller hat sie irritiert. «Da frage ich mich halt, ob er überhaupt Bundesrat werden will.» Diese Frage wolle er klären, deshalb warte er auch die Hearings ab, bevor er sich auf einen Kandidaten festlege. Aus der Finanzkommission kenne er Aeschi als intelligenten, fleissigen Politiker, der auch viele Anträge stelle.

Nationalrat Albert Vitali (FDP, Luzern) zollt Aeschi Respekt, dass er seine Mitkonkurrenten aus der SVP hinter sich liess. Auch Vitali kennt den jüngsten der drei offiziellen SVP-Bundesratskandidaten aus der Finanzkommission. Aeschi sei aktiv, ein Wirbelwind und könne hartnäckig kämpfen, wenn ihm eine Sache wichtig sei. Ob er Aeschis Namen am 9. Dezember auf den Wahlzettel schreiben wird, hat Vitali noch nicht entschieden.

Viele Zentralschweizer Parlamentarier geben sich auf Anfrage ohnehin noch bedeckt. Man werde nach den Anhörungen entscheiden, ob man Thomas Aeschi als Vertreter der Zentralschweiz in den Bundesrat wählen werde, lautet der Tenor.

Alois Gmür: «Er ist hyperaktiv»

Jetzt schon klaren Wein schenkt Alois Gmür ein. «Für mich ist Aeschi nicht wählbar», sagt der Schwyzer CVP-Nationalrat Alois Gmür, der mit Aeschi in der Finanzkommission sitzt. «Er kennt die Materie gut, ist ein Schnelldenker und guter Debattierer, aber hyperaktiv», sagt Gmür. Aeschi könne an einer Sitzung 30 Anträge stellen, von denen würden dann vielleicht zwei angenommen. Dieser Aktivismus belaste die Kommissionsarbeit. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass das im Bundesrat gut herauskäme», sagt Gmür. Aeschi fehle bisweilen das politische Gespür, oft schiesse er über das Ziel hinaus. Ausserdem mangle es ihm an Führungs­erfahrung als Exekutivpolitiker.

Josef Martin Knüsel (FDP), Kanton Luzern, im Bundesrat von 1855-1875. (Bild: Archiv Neue LZ)Josef Martin Knüsel (FDP), Kanton Luzern, im Bundesrat von 1855-1875. (Bild: Archiv Neue LZ)
Joseph Zemp (CVP), Kanton Luzern, im Bundesrat von 1891 - 1908. (Bild: Archiv Neue LZ)Joseph Zemp (CVP), Kanton Luzern, im Bundesrat von 1891 - 1908. (Bild: Archiv Neue LZ)
Josef Schobinger (CVP), Kanton Luzern, Im Bundesrat von 1908 - 1911 (im Amt gestorben). (Bild: Archiv Neue LZ)Josef Schobinger (CVP), Kanton Luzern, Im Bundesrat von 1908 - 1911 (im Amt gestorben). (Bild: Archiv Neue LZ)
Philipp Etter (CVP), Kanton Zug, Im Bundesrat von 1934 - 1959. (Bild: Archiv Neue LZ)Philipp Etter (CVP), Kanton Zug, Im Bundesrat von 1934 - 1959. (Bild: Archiv Neue LZ)
Ludwig von Moos (CVP), Kanton Obwalden, Im Bundesrat von 1959 - 1971. (Bild: Archiv Neue LZ)Ludwig von Moos (CVP), Kanton Obwalden, Im Bundesrat von 1959 - 1971. (Bild: Archiv Neue LZ)
Hans Hürlimann (CVP), Kanton Zug, im Bundesrat von 1973 - 1982. (Bild: Archiv Neue LZ)Hans Hürlimann (CVP), Kanton Zug, im Bundesrat von 1973 - 1982. (Bild: Archiv Neue LZ)
Alphons Egli (CVP), Kanton Luzern, im Bundesrat von 1982 - 1986. (Bild: Archiv Neue LZ)Alphons Egli (CVP), Kanton Luzern, im Bundesrat von 1982 - 1986. (Bild: Archiv Neue LZ)
Kaspar Villiger (FDP), Kanton Luzern, im Bundesrat von 1989 - 2003. (Bild: Archiv Neue LZ)Kaspar Villiger (FDP), Kanton Luzern, im Bundesrat von 1989 - 2003. (Bild: Archiv Neue LZ)
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Die acht Bundesräte aus der Zentralschweiz

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