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BUNDESRATSBESUCH: Schneider-Ammann: «Bern hat nicht das Wissen, das Zug hat»

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann reiste am Donnerstag ins «Crypto Valley Zug», wo er Vertreter aus der Politik und der Blockchain-Szene traf. Dabei lobte er den euphorischen Geist und liess sich komplexe Inhalte erklären.
Livio Brandenberg
Bundesrat Johann Schneider-Ammann (65) bei seiner Ansprache gestern in Zug. (Bild: Werner Schelbert (17. August 2017))

Bundesrat Johann Schneider-Ammann (65) bei seiner Ansprache gestern in Zug. (Bild: Werner Schelbert (17. August 2017))

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Es war ein familiärer Rahmen im Lakeside Business Center in Zug. Nur die schwarze Limousine mit Berner Nummernschild im Innenhof wies auf den hohen Besuch hin. Entsprechend locker gab sich Bundesrat Johann Schneider-Ammann, der am Donnerstag auf eigene Initiative hin das «Crypto Valley Zug» besuchte.

Er wolle sich persönlich ein Bild machen, die Leute vom Fach treffen und dazulernen, sagte der Wirtschaftsminister in seiner Ansprache vor rund 30 Spezialisten der Branche und verschiedener Start-ups, Zuger Politikern und Medienvertretern. Zuvor hatte Regierungsrat Matthias Michel den Bundesrat begrüsst und mit seinem Referat mit dem ­Titel «A New Valley» – «Ein neues Tal» – gleich die Richtung für den gesamten Anlass vorgegeben.

Gegen eine übermässige Bürokratie

Denn dieses neue Tal, eben: das «Crypto Valley», lockt immer mehr (junge) Firmen an, die sich auf die Blockchain-Technologie spezialisiert haben. Zusätzlich kommen auch zahlreiche Jungunternehmer in die Region, um hier eine Firma zu gründen. Blockchains sind, vereinfacht gesagt, dezentralisierte Datenbanken, auf denen alles mögliche verwaltet werden kann, auch etwa virtuelles Geld. Das bekannteste Beispiel ist die Währung Bitcoin. Der Unterschied zu heutigen Systemen ist, dass es keine zentrale Datenbank mehr gibt. Befürworter dieser Systeme betonen, der Vorteil liege darin, dass eine Blockchain nicht im Nachhinein manipulierbar ist, weil jeder Block des Systems verschlüsselt, versiegelt und an den vorangegangenen Block gekettet wird.

Volkswirtschaftsdirektor Michel sagte, er sehe sich nach wie vor als Laie, und es falle ihm nicht leicht, alle Entwicklungen zu verstehen. Doch was er verstanden habe, sei, dass die Blockchain-Technologie nicht nur für den Finanzbereich eingesetzt werden könne, sondern etwa auch für Register oder E-Voting. Und er verwies auf die digitale Identität, welche die Stadt Zug einführt, wie sie im Juli bekanntgab.

Martin Würmli, Stadtschreiber der Stadt Zug, stiess ins gleiche Horn. Man müsse den Mut haben, Neues auszuprobieren. Honduras etwa habe aus Korruptionsgründen sein Grundbuch auf einer Blockchain «hinterlegt», und New York verrechne den Strom via Blockchain-Technologie. Die Frage der Regulierung stelle sich, doch die Politik sollte erst eingreifen, wenn sie die Thematik verstanden habe, sagte Würmli. Und fasste den Geist der gestrigen Veranstaltung aus Zuger Sicht wie folgt zusammen: «Wir haben als Stadt den Anspruch, der Zeit voraus zu sein.» Schneider-Ammann lobte diesen Anspruch und die Offenheit aller Beteiligten gestern in den höchsten Tönen. «Wir müssen mutiger sein, wenn wir die Zukunft gestalten wollen.» Er sei nun seit sieben Jahren in Bundesbern, nach rund 30 Jahren Unternehmertum. Und immer noch wehre er sich gegen übermässige Bürokratie. «Ich will, dass wir Chancen packen – und das macht ihr hier in Zug fantastisch. Macht bitte weiter so!»

Andere Städte auf der Lauer

Bezüglich der Komplexität der Thematik gab Schneider-Ammann zu, dass in Bern noch Nachholbedarf bestehe. «Die Kenntnisse und das Wissen sind noch nicht dort, wo es in Zug ist.» Doch man sei bestrebt, dies rasch zu ändern und sich auch die Wünsche der vielen innovativen Firmen anzuhören. Einer dieser Wünsche der gestern anwesenden Start-ups ist, dass ausländische Fachleute unkomplizierter – und möglichst unbegrenzt – nach Zug geholt werden können. Ansonsten würden Städte oder Staaten wie Paris, Luxemburg oder Singapur Zug und die Schweiz überholen. Der Bundesrat antwortete, er habe stets ein offenes Ohr, die Frage der Einwanderung sei aber keine einfache.

Und was ist mit den Risiken? Gerade die Bitcoin-Währung gerät immer wieder in die Kritik. Wer soll dieses neue Feld regulieren? «Diese Welt ist so neu, dass es noch keine Kontrolleure gibt», so der Bundesrat. Der Kontrolleur sei am Ende aber meistens der Politiker, der nichts von der Materie verstehe und dann möglichst viel regulieren und verbieten wolle. «Darum muss man möglichst viel verstehen, es aber auch den Leuten erklären», sagte Schneider-Ammann. Um beinahe pathetisch zu schliessen: «That’s the future we’re discussing» – «Wir diskutieren hier die Zukunft.»

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