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BUONAS: Trügerische Ruhe an einem schönen Ort

Der Schiffsanleger am Zugersee ist nicht nur ein besinnlicher Ort. Hier ist die Geschichte der Schweiz allgegenwärtig. Doch man muss genauer hinschauen.
Bernard Marks
Ein Ort zum Wohlfühlen mit Blick auf die Zuger Skyline. (Bild Bernard Marks)

Ein Ort zum Wohlfühlen mit Blick auf die Zuger Skyline. (Bild Bernard Marks)

Bernard Marks

Die Vögel ziehen hier in Buonas gemächlich ihre Bahnen. Einige Möven kreischen in der Ferne über dem Zugersee. Eine Entenfamilie kommt gemütlich schnatternd angeschwommen, gefolgt von einem pfeifenden Haubentaucher, der nach einem kurzen Tauchgang einen zappelnden Fisch in seinem Schnabel verschwinden lässt. Diese Ruhe an diesem Ort ist eindrucksvoll, sage ich zu mir und spüre die entspannende Wirkung dieses Moments. Doch nicht nur deshalb ist Buonas mein Lieblingsort im Kanton Zug.

Bewegte Geschichte

Am Ufer, nicht weit vom Schiffsanleger Buonas entfernt, finde ich zwei Liegestühle. Ich setze mich. Unweigerlich wendet sich mein Blick auf das gegenüberliegende Seeufer. Schemenhaft ist die Silhouette der Zuger Innenstadt zu erkennen. Wie wenig berührt vom Geschehen der Welt es hier ist, denke ich, während der monotone Klang des an die Ufer plätschernden Wassers meine Sinne benebelt. Ich halte einen Moment inne. Kein Mensch stört gerade meine Gedanken. Denn das vor einigen Minuten angekommene Schiff hat längst seinen Rückweg nach Zug aufgenommen, die wenigen Passagiere, die es abgeladen hat, sind im Gasthaus «Wildenmann» verschwunden, wo es sich vorzüglich speisen lässt. Niemand zu sehen, sogar die kleine Seebadi ist heute menschenleer.

Doch die Ruhe ist trügerisch. Das zeigt ein Blick in die Geschichte. Der Ort Buonas, heute Teil der Gemeinde Risch, stand viele Jahrhunderte mitten im Weltgeschehen. Das schon im Jahr 1327 bezeugte Fahr von Buonas, das nördlich der Schlosshalbinsel lag, war neben Cham und Immensee eine der drei offiziellen Anlegestellen am Zugersee und somit ein wichtiger Punkt auf dem Verkehrsweg zwischen Zug und Luzern. Am Fahr bildete sich schnell ein Weiler mit einem regen Dorfleben, zahleichen Gasthäusern und Gerichtsstätten.

Burg musste abgerissen werden

Ich lehne mich zurück in meinen Liegestuhl und stelle mir vor, wie wohl die Menschen früher hier gelebt haben. Nicht selten dürfte wohl ein bis an die Zähne bewaffneter Ritter auf seinem schnaubenden Pferd mit seinem Knappen gelandet sein. Denn geprägt wurde Buonas viele Jahrhunderte vor allem durch kriegerische Ritter, die standesgemäss in einer Burg lebten.

Die Burg gibt es leider nicht mehr. Sie war 1478 bis auf die Grundmauern abgebrannt und wurde 1494 bis 1498 neu errichtet. Im 17. Jahrhundert wurde die Burg endgültig abgerissen und als Schloss neu an einem Hang neben der alten Burg nachgebaut. Über dem Portal des Schlosses steht heute das Jahr 1071 geschrieben – das mögliche Baujahr der ehemaligen Burg.

Die «Buchen-bestandene» Nase

Mein Blick wandert hinüber zum Schloss. Stolz weht dort die Schweizer Fahne auf dem Turm. Wer hat dort wohl alles gewohnt? Der Ritter Immo von Buonas zum Beispiel, der 1130 in Acta Murensia erwähnt wird. Er war bestimmt ein hartgesottener Kerl. Er soll in Verwandtschaft zu den nicht selten in Kämpfe verwickelten Freiherren von Regensburg gestanden haben. Diesem Schweizer Adelsgeschlecht gehörten weite Teile des heutigen Kantons Zürich. Weiter sind Ritter wie 1223 «Petrus de Buochnase» und 1240 «Hermarinus de Bouchennasl» sowie 1257 «Ulrich von Buonas» urkundlich erwähnt. Schlagartig wird mir klar, warum Buonas diesen merkwürdigen Namen hat. Aus diesen Schreibungen des Ortsnamens leitet sich die Deutung ab: die Buchen-bestandene Nase (der Halbinsel).

Adelheid von Buonas war wohl die letzte Vertreterin ihres Geschlechtes. Sie heiratete 1250 Ulrich von Hertenstein, womit das Schloss für rund 400 Jahre in die Hände des Luzerner Adelsgeschlechts fiel. 1454 übernahm Kaspar Hertenstein die Herrschaft über den Besitz Buonas. Er soll einer der bedeutendsten Luzerner und einflussreichsten eidgenössischen Diplomaten des 15. Jahrhunderts gewesen sein. Gleichzeitig wirkte er als hoher Offizier bei den eidgenössischen Truppen, die zur Zeit der Burgunder Kriege höchsten Kriegsruhm genossen. Die Hertensteins trugen mit der Stadt Zug zahlreiche Konflikte um Gerichts- und andere Rechte in Buonas aus. Mit Hilfe der Stadt Luzern behaupteten sich am Ende die Hertensteins.

Friedlich ohne Ritter

Und wo sind heute all diese Ritter geblieben? Sicher ist, erst 1798 erloschen die Herrschaftsrechte des Adels. Das Schloss Buonas ist seither in Privatbesitz und wurde 1997 vom Chemiekonzern Roche für die Errichtung eines Tagungszentrums erworben. Mit den Rittern sind auch die kriegerischen Zeiten verschwunden, und es ist friedlich geworden in Buonas. Und vor allem deshalb ist Buonas mein Lieblingsort im Kanton Zug.

Mein Lieblingsplatz: Alle Beiträge gibt es auf www.zugerzeitung.ch/serien

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