Leserbrief

Burn-out: Erhöhtes Missbrauchspotenzial

«Arbeitgeber sollen bei Burn-out zahlen», Ausgabe vom 3. Juni

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Linke Politiker fordern, dass Burn-outs als Berufskrankheit anerkannt werden. Die Folge wären höhere Prämien für die Berufsunfallversicherung und damit höhere Präventionszuschläge, die von den Arbeitgebern bezahlt werden müssten. Die Arbeitswelt hat sich selbstverständlich verändert und wird sich weiter ändern. Vor allem die Digitalisierung führt zu mehr Freiheiten wie orts- und zeitunabhängigem Arbeiten. Gleichzeitig beschleunigt sie die (Arbeits-)Welt und erschwert die Trennung von Arbeit und Privatem.

«Great Place to Work» hat letztes Jahr die Arbeitsplatzkultur von rund 200 Unternehmen und Organisationen in der Schweiz analysiert und dabei bei den Mitarbeitenden auch das psychische Wohlbefinden abgefragt. Die Werte sind verglichen mit anderen Ländern überdurchschnittlich hoch. Für die Mitarbeiterzufriedenheit wichtig ist vielmehr das Vertrauen ins Management, weil es glaubwürdig handelt, sowie die Mitarbeitenden respektiert und sie fair behandelt. Die Mitarbeitenden wollen zudem einen Sinn in ihrer Arbeit sehen und stolz auf das Unternehmen sein. Und nicht zuletzt braucht es Spass an der Zusammenarbeit mit den Kollegen.

Ich bin deshalb dagegen, dass Burn-out nun als offizielle Krankheit eingestuft wird. Nicht messbare und schwierig zu diagnostizierende Krankheitsbilder wie Burn-outs erhöhen das Missbrauchspotenzial. Ein Burn-out muss heute bereits oftmals als Platzhalter für eine Vielzahl von anderweitigen Problemen am Arbeitsplatz herhalten. Nicht zu vergessen ist, dass das Gesetz heute schon eine Fürsorgepflicht für Arbeitgeber kennt: So verlangt das OR in Art. 328, das Leben, die Gesundheit und persönliche Integrität der Mitarbeitenden zu schützen. Ebenso fordert das Arbeitsgesetz in Art. 6 vom Arbeitgeber, die betrieblichen Einrichtungen und den Arbeitsablauf so zu gestalten, dass Gesundheitsgefährdungen und Überbeanspruchungen der Mitarbeitenden nach Möglichkeit vermieden werden. Zum Gesundheitsschutz gemäss Arbeitsgesetz gehört natürlich auch die psychische Integrität.

Die linken Parteien und Gewerkschaften versuchen immer noch, das Bild des bösen Arbeitgebers zu zeichnen, der die armen Angestellten ausbeutet. Die Realität ist eine andere: Wir haben in der Schweiz faktisch Vollbeschäftigung und die Unternehmen haben Mühe, ihre offenen Stellen zu besetzen. Entsprechend strengen sie sich an, ihren Mitarbeitenden gute Arbeitsbedingungen zu bieten. Das Letzte, was sie wollen, ist ein Mitarbeiter, der wegen Burn-out ausfällt.

Patrick Mollet, Mitinhaber Great Place to Work, Vizepräsident FDP Kanton Zug, Nationalratskandidat, Walchwil